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Volltext : Jahresbericht 1871

Vili

Bei  Schiffen  bis  zu  200  Last  wird  wöchentlich  zweimal  eine  Auflösung  von
2  8  in  20  ‘5  warmem  Wasser  und  bei  grösseren  Schiffen  nach  Verhältnis»  mehr
in  die  Pumpen  gegossen.
2)  Desinfeetionspulver  zum  Reinigen  des  Schiffsraums,  des  Decks  und  der
Kojen,  sowie  der  Kleidungsstücke  der  an  ansteckenden  Krankheiten,  namentlich
Cholera  erkrankt  gewesenen  Personen:  entweder  carboisaurer  Kalk,  Aetzkalk
im  üeberschuss  nnd  Eisenvitriol  oder  carbolsaures  Desinfeetionspulver  (aus  der
Fabrik  von  Schräder  &  Berend  in  Schönfeld,  bei  Leipzig.)  Schiffe,  welche  bis
zu  100  Passagiere  fahren,  haben  von  diesem  Desinfeetiousmittel  100  "ft  mitzunehmen
und  ist  für  jede  weitere  lOOPassagiere  (wobei  eine  überschiessende  Zahl  für
100  gerechnet  wird)  das  Quantum  um  50  it  zu  vermehren.  Das  Pulver  wird
trocken  zum  Aufstreuen  auf  das  von  Kranken  Erbrochene  und  auf  die  mit  den
Ausleerungen  befeuchteten  Betten  und  Strohsäcke,  wie  auch  mit  Wasser  angerührt
(5  < tt  auf  1  Eimer)  zum  Reinigen  des  Decks,  der  Kojen  und  der  Kleidungsstücke
angewendet.
Aus  dem  Berichte  des  Handelsvereins.
4)  Brake.  Telegraph  53°  19,6'  N.,  8°  29'  O.,  23.  October  1871.
Wie  im  ganzen  Grossherzogthum  Oldenburg  ist  auch  hier  Impfzwang
eingeführt  und  wird  derselbe  in  folgender  Weise  gehandhabt.
Die  Plärrer  geben  im  Frühjahr  einen  Auszug  aus  dem  Kirchenbuche  in
Betreff  der  im  verflossenen  Jahre  Geborenen.  Sofort  nach  dem  1  Mai,  weil  um
Maitag  die  Tagelöhner  in  hiesiger  Gegend  häufig  ihren  Wohnort  wechseln,  wird
durch  die  Bauernvögte  und  Bezirksvorsteher  Umfrage  gehalten,  ob  die  Kinder
noch  am  Leben  und  sich  noch  mit  ihren  Eltern  am  Geburtsorte  aufhaltcn.
Darnach  weiden  die  Impflisten  gemeindeweise  aufgestellt  unter  Benachrichtigung
derjenigen  Behörden,  in  deren  Bezirk  etwa  Eltern  umgezogen  sind.  Die
Gemeindelisten  werden  sodann  dem  Kroisphysikus  mitgetheilt,  welcher  sie  wieder
an  die  verschiedenen  Aerzte  zur  Ausführung  der  Impfung  vertheilt.  Diese
setzen  darauf  in  den  verschiedenen  Gemeinden  an  passenden  Orten  Termin  zur
öffentlichen  Impfung  au,  wozu  die  Eltern  durch  die  Behörde  bei  Geldstrafe
geladen  werden,  um  entweder  ihre  Kinder  zur  Impfung  dorthin  zu  bringen  oder
eine  Bescheinigung  beizubringen,  dass  schon  ein  anderer  Arzt  die  Impfung  vollzogen ­
  hatte.  Die  hierüber  vom  Impfarzt  angefertigten  Listen  werden  wiederum
vom  Kreisphysikus  controlirt,  und  dann  an  die  Verwaltungsbehörde  zurückgesendet.
Wegen  Krankheit  nicht  oder  ohne  Erfolg  Geimpfte  werden  alsdann  in  die  nächstjährigen ­
  Impflisten  übertragen.  Die  Impfärzte  haben  das  Privilegium,  dass  auf
Verwaltungswegen  ihre  Impgebühren  beigetrieben  weiden,  ohne  dass  sie  selbst
Kosten  davon  haben.  Eine  staatsseitig  geordnete  Impfanstalt  existirt  ausserdem ­
  nicht.
Die  Prostitution  wird  nicht  in  sanitatspolizeUicher  Weise  controllirt,  doch
war  dieselbe  auch  bis  jetzt  höchst  unbedeutend  und  nur  durch  einige  herumvagirende
  Schenkmädchcn  vertreten.  Trotzdem  hat  sich  noch  keine  bedenkliche
Verbreitung  der  Syphilis  bemerkbar  gemacht.
Baupolizeiliche  Massregeln  zur  Beseitigung  hygienischer  Missstäude  existiren
hier  nicht.  Die  Stadt  hat  thcils  gutes  Brunnen-  theils  Cysternenwasser,  theils
durch  Euwässerungsgräben  bei  Fluthzeit  ans  der  Weser  erhaltenes  Wasser,
welches  man  sich  ablagern  lässt  und  dann  von  den  Wohlhabenderen  noch
ßllrirt  wird.
            
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