accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Schoy, C.: Azimutale und gegenazimutale Karten mit gleichabständigen parallelen Meridianen. 33 
Azimutale und gegenazimutale Kärten- mit gleichabständigen parallelen 
Meridianen. 2: 020200 
Von Dr. €. Schoy, Essen a. d. R. ; ; 
(Hierzu Tafel 1.) 
Unter einer azimutalen Kartenprojektion versteht man eine. solche Ver- 
ebnung der Kugeloberfläche, daß jede Gerade von der Kartenmitte nach einem 
beliebigen Punkt der Karte mit der Nord-Süd-Linie einen Winkel einschließt, 
welcher gleich ist dem Azimut, welches dieser Punkt auf der Kugel nach jenem 
Kugelpunkte hat, der dem Kartenmittelpunkt entspricht. Fällt dieser nicht mit 
einem Erdpol zusammen, so ist die azimutale Projektion nicht zenital, sondern 
im allgemeinen schiefachsig. Bereits Lambert hat Projektionen der letzteren 
Art vorgeschlagen und auch die Koordinaten für einen transversalen Entwurf 
berechnet (# = 0), wobei er von ihm noch Flächentreue forderte.!) 
Setzt man die Meridiane als gleichabständige parallele Gerade voraus, 
so wird die azimutale Karte nicht unähnlich einer Plattkarte, nur daß die 
Parallelkreisbilder krummlinig sind, Während bis jetzt den azimutalen Karten 
nur trigonometrische Berechnung der Netzschnittpunkte zugrunde liegt, 
soll hier auch eine rein geometrische Konstruktion gelehrt werden. ; 
Die erste derartige Abbildungsweise stammt von J. L. Craig (Egyptian 
Survey Departement), der sie in seinen Map-Projections Kairo, 1909, gab, Über 
sie referierte in Peterm. Mitt... (1909) Groll (Berlin), dessen Referat nun 
wiederum E, von Hammer (Stuttgart) Veranlassung gab, sich ebenfalls mit 
diesem Gegenstand auseinanderzusetzen. (Peterm. Mitt. 1910.) 
In einer zweiten Schrift: »The Theory of Map-Projections, with special 
reference to the projeetions used in the (Egyptian) Survey Department«, Kairo 1913, 
kommt Craig wiederum auf diese Abbildung zu sprechen, die er »Mecca retro- 
azimutal projection« nennt. Sie hat bei Craig den Zweck, den Islam- 
gläubigen die Qibla (Keblah, Keble), d. i. die Richtung nach der hl. Stadt 
Mekka anzugeben, die sie bei den verschiedenen Posituren während des Gebets 
einzuhalten haben. Gewöhnlich ist die Keblahrichtung auf dem Zifferblatt 
arabischer Sonnenuhren (Bazithahs) eingezeichnet. Die Mekkakarte würde also 
für diesen Fall die Sonnenuhr überflüssig machen.) Craig hat für seine Karte 
die Meridianbilder als parallele Gerade in ihren Aquatorabständen dargestellt. 
Dann bleiben noch die Parallelkreisbilder zu zeichnen, was nach Craig dadurch 
geschieht, daß man »in jedem Netzschnittpunkt das Azimut nach Mekka be- 
rechnet, am Meridian des Punktes in der Karte einen Winkel gleich dem be- 
rechneten Azimut anlegt und.dann durch Mekka eine Parallele zu dieser Geraden 
zieht«. Der Schnittpunkt dieser von Mekka ausgehenden Geraden mit dem ent- 
sprechenden Meridian ist ein Punkt der Parallelkreiskurve, die also nur punkt- 
weise durch mühsame Berechnungen erhalten wird. 
E. von Hammer hat in seinem schon erwähnten Essai für den Craigschen 
Netzentwurf. den Namen »Gegenazimutale Projektion« vorgeschlagen, eine 
Bezeichnung, die bei der oft verwirrenden Nomenklatur in der Kartographie 
sehr glücklich genannt werden kann. Er glaubt, das Kartogramm von Craig 
noch durch ein besseres ersetzen zu können, »bei dem das Azimut nach dem 
Kartenmittelpunkt in diesem Kartenmittelpunkt abgelesen werden kann, während 
die Karte, besser das Kartogramm, noch mittabstandstreu ist, d.h. dieEntfernung 
ı) Erst in neuerer. Zeit hat man den Nutzen dieses Lambertschen Entwurfes richtig ge- 
würdigt. A. Bludau nennt in dem von ihm neu herausgegebenen Zöppritzschen Leitfaden der 
Kartenentwurfslehre (Leipzig 1899) S. 43 u, 44 eine ganze Menge Karten in hervorragenden Atlanten, 
die in der Lambertschen Projektion entworfen sind. . 
% Die Festsetzung der Qibla war von jeher Angelegenheit des arabischen. Astronomen. Der 
Westaraber Muslim ben Ahmed el-Leiti war so leidenschaftlich um die Innehaltung der Qibla 
beim Gebet besorgt, daß er den Beinamen Sähib el-qible, d.h. Meister oder Bewahrer der Qibla, er- 
hielt. In unserem ausführlich angelegten streng wissenschaftlichen Werk (noch nicht publiziert): 
»Arabische Gnomonik« ist der dritte Abschnitt ausschließlich der Qibla und deren Festlegung 
im Laufe der Zeiten gewidmet, 
Ann, d. Hydr, usw. 1913, Heft I.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.