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Unvoll
kommenheit
unserer
telegraph.
Wetter
berichte.
Vorschlag
zur
Besserung.
NW. schon westlich vor Irland eingefallen ist, doch nicht weit genug westlich,
um nicht noch die britischen Inseln in Mitleidenschaft zu ziehen, während bei
uns die Compensationsströmung aus SO. zieht. Der erste Griff in unsere Wetter-
büoher ergiebt, dass die „Amerika,“ Kapt. Hargesheimcr, am 26. Februar von
a0° W. an in stürmischem SW. nach dem Kanal dampfend, am 28. Februar in
14° W. in einen Sturm aus NW. hineinläuft, und mit ihm auf den Kanal zusetzt,
bis sie in 53° 40' N. und 5° Ost am 2. März plötzlich von NW. in böigen Ost
und SO. mit Schneegestöber und Regen hineinlief; die „Cimbria,“ Kapt. Haack,
dagegen steht am 1. März unter Lizard in WNW.-Sturm und erreicht am 4. März
in 30° W. ganz leichte südwestliche Winde; endlich die „Bremen,“ Kapt. Leist,
von New,vor! kommend, geräth schon am 28. Februar in 56° W. in diese
40 Längengrade breite südliche Strömung, steht am 2. März in 45° W. noch
darin, und gelangt mit fortdauerndem massigem SW. bis Südwinde nach Lizard,
wo also der etwa 20 Längengrade breite NW.-Strom schon wieder verdrängt ist.
So lehrreich es auch wäre, auch die übrigen Fälle in dieser Weise zu
verfolgen, so müssen wir doch hier darauf verzichten, werden aber in unseren
bevorstehenden diesjährigen Untersuchungen über Wind und Wetter des Atlantic
diese Frage auch wieder aufnehmen.
Indessen können wir von diesen so zutreffenden englischen Sturm
warnungen nicht scheiden, ohne einer Unvollkommenheit in unseni eigenen
telegraphischen Wetterberichten Erwähnung zu thun. Die Klagen sind
allmälig in den Seestädten so allgemein geworden, dass Abhülfe dringend Noth
timt. Wir fragen zunächst, für wen sind die telegraphischen Wetterberichte
in erster Linie bestimmt? Muss die Antwort nicht lauten, für den, welcher
sie zuerst zu seinem Dienst erfunden hat, und welcher sie unmittelbar
geschäftlich nach allen Seiten hin verwerthet, d. h. für die Schifffahrt, dann
wollen wir kein Wort darüber verlieren. Wenn sie aber für die Schifffahrt
und die Seeversicherung zunächst und vor allen andern bestimmt sind, nun denn
müssen wir sagen, dieselben ziehen augenblicklich fast keinen Nutzen von ihnen.
Der Beweis ist leicht damit geführt, dass jedes Institut, jede Corporation, jedes
unserer maritimen Blätter sich anderweitig behilft. Die Hamburger Asseourauz-
börse und die „Börsenhalle“ beziehen jeden Morgen früh ein kleinstes Telegramm
von ihrem Agenten in London, welches das Wetter am Eingänge des Kanals
meldet, in Bremen macht man es ebenso, wenn wir recht berichtet sind; die
Seewarte verdankt dem Entgegenkommen des Met. Office ausführliche Depeschen,
die hier Nachmittags gegen 3—4 Uhr einzutreffeu pflegen; wer aber durchmustert
hier die sonst so ausführlichen telegraphischen Wetterberichte des „Staafcsanzeigors“
(ausser etwa auf massigen Ausguck nach Frostwetter u. dergl.), die an den
Geschäftsplätzen des Seehandels erst Abends 5—6 Uhr eintreffen, also erst in
die Abendblätter oder folgenden Morgenblätter aufgeuommen werden können.
Und nun gar die mehr als räthselhafto Anordnung und Aufeinanderfolge der
nicht preussischen Stationen, weiche einen meteorologischen Wirrwarr dar»teilen,
wie er nicht ermüdender gedacht werden kann, und dessen der meistbcschättigte
Telegraphendirector sich endlich erbarmen sollte.
Nun haben wir oben hinsichtlich des Einsetzens unserer Stürme aus
drücklich hervorheben müssen, dass in der Regel das Londoner direct auf hier
gerichtete Stnrmtelegramm dem Sturme um eine Anzahl Stunden voraus läuft,
(während heil, die Erfahrung gezeigt hat, dass andere Sturmwarnungen, so ver
einzelt sic nebenher kamen, hier immer 12 Stunden zu spät eiuliefen). Diese