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Full text: Jahresbericht 1869

52 
Unvoll 
kommenheit 
unserer 
telegraph. 
Wetter 
berichte. 
Vorschlag 
zur 
Besserung. 
NW. schon westlich vor Irland eingefallen ist, doch nicht weit genug westlich, 
um nicht noch die britischen Inseln in Mitleidenschaft zu ziehen, während bei 
uns die Compensationsströmung aus SO. zieht. Der erste Griff in unsere Wetter- 
büoher ergiebt, dass die „Amerika,“ Kapt. Hargesheimcr, am 26. Februar von 
a0° W. an in stürmischem SW. nach dem Kanal dampfend, am 28. Februar in 
14° W. in einen Sturm aus NW. hineinläuft, und mit ihm auf den Kanal zusetzt, 
bis sie in 53° 40' N. und 5° Ost am 2. März plötzlich von NW. in böigen Ost 
und SO. mit Schneegestöber und Regen hineinlief; die „Cimbria,“ Kapt. Haack, 
dagegen steht am 1. März unter Lizard in WNW.-Sturm und erreicht am 4. März 
in 30° W. ganz leichte südwestliche Winde; endlich die „Bremen,“ Kapt. Leist, 
von New,vor! kommend, geräth schon am 28. Februar in 56° W. in diese 
40 Längengrade breite südliche Strömung, steht am 2. März in 45° W. noch 
darin, und gelangt mit fortdauerndem massigem SW. bis Südwinde nach Lizard, 
wo also der etwa 20 Längengrade breite NW.-Strom schon wieder verdrängt ist. 
So lehrreich es auch wäre, auch die übrigen Fälle in dieser Weise zu 
verfolgen, so müssen wir doch hier darauf verzichten, werden aber in unseren 
bevorstehenden diesjährigen Untersuchungen über Wind und Wetter des Atlantic 
diese Frage auch wieder aufnehmen. 
Indessen können wir von diesen so zutreffenden englischen Sturm 
warnungen nicht scheiden, ohne einer Unvollkommenheit in unseni eigenen 
telegraphischen Wetterberichten Erwähnung zu thun. Die Klagen sind 
allmälig in den Seestädten so allgemein geworden, dass Abhülfe dringend Noth 
timt. Wir fragen zunächst, für wen sind die telegraphischen Wetterberichte 
in erster Linie bestimmt? Muss die Antwort nicht lauten, für den, welcher 
sie zuerst zu seinem Dienst erfunden hat, und welcher sie unmittelbar 
geschäftlich nach allen Seiten hin verwerthet, d. h. für die Schifffahrt, dann 
wollen wir kein Wort darüber verlieren. Wenn sie aber für die Schifffahrt 
und die Seeversicherung zunächst und vor allen andern bestimmt sind, nun denn 
müssen wir sagen, dieselben ziehen augenblicklich fast keinen Nutzen von ihnen. 
Der Beweis ist leicht damit geführt, dass jedes Institut, jede Corporation, jedes 
unserer maritimen Blätter sich anderweitig behilft. Die Hamburger Asseourauz- 
börse und die „Börsenhalle“ beziehen jeden Morgen früh ein kleinstes Telegramm 
von ihrem Agenten in London, welches das Wetter am Eingänge des Kanals 
meldet, in Bremen macht man es ebenso, wenn wir recht berichtet sind; die 
Seewarte verdankt dem Entgegenkommen des Met. Office ausführliche Depeschen, 
die hier Nachmittags gegen 3—4 Uhr einzutreffeu pflegen; wer aber durchmustert 
hier die sonst so ausführlichen telegraphischen Wetterberichte des „Staafcsanzeigors“ 
(ausser etwa auf massigen Ausguck nach Frostwetter u. dergl.), die an den 
Geschäftsplätzen des Seehandels erst Abends 5—6 Uhr eintreffen, also erst in 
die Abendblätter oder folgenden Morgenblätter aufgeuommen werden können. 
Und nun gar die mehr als räthselhafto Anordnung und Aufeinanderfolge der 
nicht preussischen Stationen, weiche einen meteorologischen Wirrwarr dar»teilen, 
wie er nicht ermüdender gedacht werden kann, und dessen der meistbcschättigte 
Telegraphendirector sich endlich erbarmen sollte. 
Nun haben wir oben hinsichtlich des Einsetzens unserer Stürme aus 
drücklich hervorheben müssen, dass in der Regel das Londoner direct auf hier 
gerichtete Stnrmtelegramm dem Sturme um eine Anzahl Stunden voraus läuft, 
(während heil, die Erfahrung gezeigt hat, dass andere Sturmwarnungen, so ver 
einzelt sic nebenher kamen, hier immer 12 Stunden zu spät eiuliefen). Diese
	        
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