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Full text: Jahresbericht 1869

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Vergleichung 
der Sommer- 
wärme des 
Nordmeeres 
u. Hamburgs 
in 1868. 
Druck geschützten Thermometern —- gewöhnliche Thermometer sollten nach früheren 
Erfahrungen Fehler bis zu 10° F. gezeigt haben —, welche vor der Reise auf 3 Tons 
Druck per Quadratzoll, entsprechend einer Tiefe von 2400 Faden, geprüft waren, — und 
mit Grundschöpfern — dredges, halbdurchschnittene hohle Cylinder mit Hebelarmen, wie 
an den sog. Teufelsklauen — von 8 Centnern Gewicht, mit welchen man bis zu 1 'h Centner 
Schlamm aus Montblanc-ähnlichen Tiefen von drittehalb Tausend Faden, ohne Stockung 
der Maschinen, aus der Bai von Biscaya herauf holte, haben diese Expeditionen mehr 
geleistet, als je bisher erreicht worden ist. Ihren Messungen zufolge variirt die Ober- 
fläohentemperatnr bedeutend je nach der geographischen Lage und der Jahreszeit; war 
sie hoch, so nahm sie nach unten rasch ab, und verlor sich der Unterschied in 100 Faden. 
Von 100 Faden an beobachtete man in dem tiefen Wasser der spanischen See eine rasche 
Abnahme bis zu 38° F. (2° 7 R.) in 1000 Faden, und eine langsame Abnahme von da bis 
86° 5 F. (2° 0 R.) in 2435 Faden. Verglichen mit dieser verhältnissmässig hohen Temperatur 
ist also die Tiefentemperatur von 3.0" F. (— 0° 9 R.) und darunter im Arabischen Golf nnd 
unter dem Aequator sehr niedrig, so dass man die durchschnittliche Tiefen-Temperatur 
der Tropischen Meere für niedriger halten muss, als die des Atlantischen Beckens. Doch 
sank auch in dem tiefen Einschnitt zwischen Schottland und den Färöern die Boden 
temperatur stellenweise bis zu 30° F. (— 0° 9 R.), während sie nahe nebenan wieder 43° F. 
(4"9R.) betrug. In dem kalten Gebiete nahm dann die Temperatur zwischen 150 und 
300 Faden ab, um von da ab eonstant zu bleiben, so dass man dort drei über einander ge 
lagerte Schichten unterscheiden konnte, eiskaltes Wasser unter 300 Faden, warmes Wasser 
von der Oberfläche bis zu 150 Faden, und gemischtes Wasser zwischen beiden Tiefen. 
Wunderbar gross war der Reichthum an animalischem Leben, am Boden selbst 
der tiefsten oceanischen Schlupfwinkel. Die warmen Gründe zeigten sich erfüllt mit 
xlblagerungen von Globigerinen, d. h. wirklich in der Kaikbildimg betheiligten Thierchen, 
während die kalten Bodenfläohen ausschliesslich das Paradies nordischer in vulkanischen 
Sand gebetteter Echinodermen wären. Ans den grössten Tiefen wurden hoch organisirte 
Thiere, mit vollständigen Augen, heraufgeschöpft, oder von hartem Boden in besenartigen 
Schwabbern verwickelt heraufgewunden, und so eine grosse Sammlung von kieselhaltigen 
Spongien, Foraminiferen nebst Zoophyten, Echinodermen, Mollusken, Anneliden nnd 
Crustaceen gewonnen; unter anderm erhielt man 127 Speeles von Mollusken, deren Vor 
kommen im brittischen Meere bislang unbekannt war, und die doppelte Anzahl der bisher 
beschriebenen Echinodermen. lieber dem kalten Boden dagegen fand sich eine solche 
Masse von Foraminiferen, welche sich Behausungen aus den im Nordmeer häufigen vul 
kanischen Sandmolekülen zu schaffen vermögen, dass man um Namen für die neuen 
Varietäten verlegen ist. 
Die naheliegende Untersuchung, woher diese Thierwelt die erforderliche Nahrung 
bezieht, führt zu der einzigen Frage der Ernährung der Globigerienen oder Kalkthierchen, 
da direct oder indirect alle ihre Naohbareu von ihnen leben können. Mr. Thompson ist 
auch dieser Frage nahe getreten, und nimmt au, dass eine im Tief’seewasser ungemein 
massenhaft verbreitete assiinilirbare Substanz den Nahrungsstoff jener ersten Repräsen 
tanten thierischen Lehens liefert. 
Indem wir so der Shipp. and Mer. Gaz. vom 23. Novbr. folgend, den äusaerliohen 
Umfang der vorigjährigen Tiefseeforschungen signalisiren, können wir nicht umhin, im 
Voraus den Tag zu begriissen, an welchem unsere ernste, strenge Naturforschung ein 
neues Gedenkblatt zu der die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpfenden Schöpfungs 
geschichte darbieten wird. 
Die Theorie der jährlichen Wärmevertheilung angehend, welche 
Prof. Dove auf den Nachweis gründet, dass Wärmeühersehüsse au dem einen 
Theile der Erde ausgeglichen werden durch zu geringe Wärme an andern Orten, 
so haben die Beobachtungen unserer Nordfahrer den Beweis führen lassen, dass 
das Compensationsgebiet für den zu warmen europäischen Sommer von 1868 in 
dem zu kalten Gebiete des Nordmeeres zu suchen war. Die Lufttemperaturen 
an jedem Beohachtungsort sind zu dem Ende verglichen mit der normalen Tages 
wärme desselben Orts, wie sie sich aus den als richtig vorausgesetzten Isothermen 
karten Dove’s ergiebt, und hat sich herausgestellt, dass die mittlere Tagestem 
peratur an 104 Tagen zu niedrig, an 21 Tagen höher, an 3 Tagen gleich der
	        
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