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Es ist unbestreitbar viel gewonnen, wenn man durch Le-Maire Strasse
passirend unter Land mit Benutzung der Gegenströmung bis an Cap Horn ge
langt, bis man den NW.- und SW.-Winden schutzlos Preis gegeben ist; umso
mehr soll man sich von langer Hand auf diese Möglichkeit vorbereiten: um hier
8—14 Tage zu gewinnen, liegen die Chancen 1000™- weiter nördlich zurück.
Was weiter zu thun ist, darüber gehen die Meinungen noch sehr auseinander.
Der Fitzroy'sche Rath, welcher neulich von sehr beachtungswerther Seite wieder
in Erinnerung gebracht ist, gegen die (von dem hohen Lande abgewiesenen und
auf See zu Stürmen sich zusammen drängenden) Westwinde südlich herunter zu
stehen, selbst wenn man dabei einige Grade Länge verspielen muss, um südlich
in 60°, selbst 62° Breite gegenlaufende Ostwinde aufzusuchen, wird von vielen
Kapitainen als vergeblich versucht bekämpft. Dennoch mag er nicht selten das
einzige Mittel sein, was versucht werden sollte, so lange man noch segeln kann,
und sich nicht beigedreht in sein Schicksal ergeben will; wenigstens möchte ich
aus den Beobachtungen unserer Nordfahrer — si licet arctica componere
antarcticis — schliessen, dass jenseits der Zone des Antipassats wieder eine
letzte Zone mit vorwiegend polaren und weiter abwärts also östlichen untern
Winden folgt, welche für westliche Bahrten erfolgreich zu benutzen sind. Ist
man endlich herum, so suche man 50° Süd westlich von 80° W. zu passiren,
überhaupt nicht schon nördlich aufzugehen, sobald man das Land glaubt auf
liegen zu können. Die Wege, unter Andern der „Albertiue,“ Kapitain Brandt,
„Emily,“ Kapitain Reichmanu, dessen auf 15 Reisen gewonnene Erfahrungen
mit bestem Dank studirt sind, „Susanne Godeffroy,“ Kapitain Störtenbecker,
„Palma,“ Kapitain Nussbaum und der vorgenannten Schiffe geben da hinlängliche
Fingerzeige, wie störend sonst der NW.-Wind und die südöstliche Strömung
werden können. Sehr erwünscht wären übrigens Beobachtungen über die Gabelung
der grossen östlichen Driftströmung, deren nördlicher Arm den sogenannten
Humboldtstrom bildet, während der südöstliche Arm von ausgehenden Schiffen
gekreuzt, von zurückkehrenden Schiffen fast regelmässig der Länge nach durch
segelt wird.
Verfolgen wir weiter unsere vielen Schiffe, welche von Trinidad ab ihren Um das Cap
Weg um das Cap der guten Hoffnung nehmen, sei es nun dass sie nach der guten
Indien, oder der Sunda- resp. Allas-Strasse, oder nach Australien und dem
stillen Ocean bestimmt sind. Da will es zunächst scheinen, dass manche Schiffe °
im Süd-Atlantic noch gern zu früh Ost aufzugehen lieben, in der Erwartung
von Passat und Doldrums frei zu sein. Gegentheilig könnte man eher der An
sicht sein, dass kein Verlust abzusehen sei, wenn man reichlich spät anfingc
Ostlänge zu machen; der Weg wird nicht länger, die Winde immer stetiger, und
man durchsegelt jetzt sicher nur eine Seite des Dreiecks, statt sonst leicht zwei
Seiten durchsegeln zu müssen. Hat man endlich den Meridian von Greenwich
in einer der Jahreszeit angemessenen Breite passirt, so sollte nach dem jetzigen
Standpunkte der Erfahrungen die Frage, auf welchem Breitenparallel man seine
Länge abscgeln will, nach unserer Ansicht anders beurtheilt werden, als noch
vielfach geschieht. Die einen nehmen den Meridian des Kaps und damit ihren
festzuhaltenden Breitenparallel viel zu nördlich, die andern zu südlich, gleichviel
wohin sie bestimmt sind, ob nach Indien oder Australien, soviel Unterschied
dadurch auch angezeigt wird. Der oben genannte Kapt. Conrad vom „Herzog
Ernst“ schreibt uns darüber von Hongkong wie folgt: „Unter den Schiffen von
Europa hat „Herzog Ernst“ bis jetzt die schnellste Reise gemacht, warum?