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Full text: Jahresbericht 1869

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Es ist unbestreitbar viel gewonnen, wenn man durch Le-Maire Strasse 
passirend unter Land mit Benutzung der Gegenströmung bis an Cap Horn ge 
langt, bis man den NW.- und SW.-Winden schutzlos Preis gegeben ist; umso 
mehr soll man sich von langer Hand auf diese Möglichkeit vorbereiten: um hier 
8—14 Tage zu gewinnen, liegen die Chancen 1000™- weiter nördlich zurück. 
Was weiter zu thun ist, darüber gehen die Meinungen noch sehr auseinander. 
Der Fitzroy'sche Rath, welcher neulich von sehr beachtungswerther Seite wieder 
in Erinnerung gebracht ist, gegen die (von dem hohen Lande abgewiesenen und 
auf See zu Stürmen sich zusammen drängenden) Westwinde südlich herunter zu 
stehen, selbst wenn man dabei einige Grade Länge verspielen muss, um südlich 
in 60°, selbst 62° Breite gegenlaufende Ostwinde aufzusuchen, wird von vielen 
Kapitainen als vergeblich versucht bekämpft. Dennoch mag er nicht selten das 
einzige Mittel sein, was versucht werden sollte, so lange man noch segeln kann, 
und sich nicht beigedreht in sein Schicksal ergeben will; wenigstens möchte ich 
aus den Beobachtungen unserer Nordfahrer — si licet arctica componere 
antarcticis — schliessen, dass jenseits der Zone des Antipassats wieder eine 
letzte Zone mit vorwiegend polaren und weiter abwärts also östlichen untern 
Winden folgt, welche für westliche Bahrten erfolgreich zu benutzen sind. Ist 
man endlich herum, so suche man 50° Süd westlich von 80° W. zu passiren, 
überhaupt nicht schon nördlich aufzugehen, sobald man das Land glaubt auf 
liegen zu können. Die Wege, unter Andern der „Albertiue,“ Kapitain Brandt, 
„Emily,“ Kapitain Reichmanu, dessen auf 15 Reisen gewonnene Erfahrungen 
mit bestem Dank studirt sind, „Susanne Godeffroy,“ Kapitain Störtenbecker, 
„Palma,“ Kapitain Nussbaum und der vorgenannten Schiffe geben da hinlängliche 
Fingerzeige, wie störend sonst der NW.-Wind und die südöstliche Strömung 
werden können. Sehr erwünscht wären übrigens Beobachtungen über die Gabelung 
der grossen östlichen Driftströmung, deren nördlicher Arm den sogenannten 
Humboldtstrom bildet, während der südöstliche Arm von ausgehenden Schiffen 
gekreuzt, von zurückkehrenden Schiffen fast regelmässig der Länge nach durch 
segelt wird. 
Verfolgen wir weiter unsere vielen Schiffe, welche von Trinidad ab ihren Um das Cap 
Weg um das Cap der guten Hoffnung nehmen, sei es nun dass sie nach der guten 
Indien, oder der Sunda- resp. Allas-Strasse, oder nach Australien und dem 
stillen Ocean bestimmt sind. Da will es zunächst scheinen, dass manche Schiffe ° 
im Süd-Atlantic noch gern zu früh Ost aufzugehen lieben, in der Erwartung 
von Passat und Doldrums frei zu sein. Gegentheilig könnte man eher der An 
sicht sein, dass kein Verlust abzusehen sei, wenn man reichlich spät anfingc 
Ostlänge zu machen; der Weg wird nicht länger, die Winde immer stetiger, und 
man durchsegelt jetzt sicher nur eine Seite des Dreiecks, statt sonst leicht zwei 
Seiten durchsegeln zu müssen. Hat man endlich den Meridian von Greenwich 
in einer der Jahreszeit angemessenen Breite passirt, so sollte nach dem jetzigen 
Standpunkte der Erfahrungen die Frage, auf welchem Breitenparallel man seine 
Länge abscgeln will, nach unserer Ansicht anders beurtheilt werden, als noch 
vielfach geschieht. Die einen nehmen den Meridian des Kaps und damit ihren 
festzuhaltenden Breitenparallel viel zu nördlich, die andern zu südlich, gleichviel 
wohin sie bestimmt sind, ob nach Indien oder Australien, soviel Unterschied 
dadurch auch angezeigt wird. Der oben genannte Kapt. Conrad vom „Herzog 
Ernst“ schreibt uns darüber von Hongkong wie folgt: „Unter den Schiffen von 
Europa hat „Herzog Ernst“ bis jetzt die schnellste Reise gemacht, warum?
	        
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