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Full text: Jahresbericht 1868

a 
2) Die „Norddeutsche Seewarte wird dahin zu wirken suchen, dass auch 
in anderen bedeutenderen deutschen Hafenplätzen der Nordsee wie der Ostsee 
gleich zuverlässige Normal-Instrumente augeschafft und unter angemessener Auf 
sicht zur Vergleichung der Schiffs-Instrumente benutzt werden. 
3) Diejenigen Schiffsflihrer, welche auf ihren Reisen die verlangten Beobach 
tungen anzustelleu und zu verzeichnen bereit sind, erhalten in den Bureaux der 
Seewarte das dazu eingerichtete Journal nebst Anweisung unentgeltlich und 
werden seitens des Instituts ihnen, falls sie cs wünschen, auf Grund der bisher 
gesammelten Erfahrungen nach dem gegenwärtigen Standpunkte der Oceanograpbie 
die behufigen Mittheilungen und Vorschläge in Betreff der beabsichtigten Reisen 
gemacht werden. Nach erfolgter Rückkehr der Schiffe werden ausser dem ein 
zureichenden Journal auch sonstige, mündliche oder schriftliche, Bemerkungen 
über die zurtickgelegten Reisen von den Schiffsführern gerne entgegengenommen 
werden. 
4) Die in den eingereichleu Journalen enthaltenen Angaben werden sofort, 
nach vorangegangener allgemeiner Prüfung, verrechnet, registrirt, mit anderen 
Nachweisen combinirt und später, sobald genügend zahlreiche Angaben über 
bestimmte Theilc des Oeeans vorliegen, successive zu Segelanweisungen verarbeitet. 
Es wird dahin gestrebt werden, diese Segelanweisungeu so einzurichten, dass sie 
für jeden Monat ganze Seewege (s. g. Tracks) enthalten, in möglichst knapper 
und präciser Darstellung und unter Beihülfe von, unter Mercator’s Projection, 
abgelegten Karten. 
5) Die auf den ausländischen nautisch-meteorologischen Instituten gewon 
nenen Ergebnisse werden von diesen regelmässig hierher mitgetheilt und von 
der Norddeutchen Seewarte, wie sich von selbst versteht, zusammen mit ihren 
eigenen Erfahrungen bestens verwerthet werden, insbesondere auch bei den 
daselbst ertheilten Rathschlägen an Schiffsflihrer über die Wahl von Seewegen. 
Andererseits wird auch das deutsche Institut im Austausche seine neuen 
Erfahrungen den ausländischen Anstalten regelmässig zugehen lassen. 
'(|Das .niederländische meteorologische Institut zu Utrecht bearbeitet seit 
11 Jtfhren^die Segelanweisungen vom Kanal nach Java und zurück; die in diesem 
Jahre wiedcmmViüfgenommcnen Arbeiten des meteorologischen Amts in London 
wollen sich zunächst vorzugsweise mit den Zuständen der Atmosphäre “und der 
See im Atlantischen Ocean zwischen 20 Gr. N. und 10 Gr. S. beschäftigen. Die 
Norddeutsche Seewarte hat sich, nach einer mit den beiden vorgenannten Instituten 
getroffenen Verabredung vor Allem als Aufgabe gestellt, für jeden Monat die 
sichersten und kürzesten Seewege vom Kanal nach Westindien und Nordamerika., 
sowie nach der Westküste Afrika'» und zurück, zu ermitteln. 
Wenn hiernach der Norddeutschen Seewarte vorschriftmässig geführte 
Journale über die letzterwähnten Reisen zunächst besonders erwünscht sein 
müssen, so werden daneben doch auch über andere Reisen eingereichte Journale 
unserem Institut höchst willkommen sein und bestens verwerthet werden. 
(Durch Zusammentreffen verschiedener Umstände wird, wie im Vorstehenden 
erwähnt, das Centralbureau des für Deutschland zu begründenden neuen Instituts 
für Seefahrt und Meteorologie in Hamburg im dortigen Seemannshause und unter 
Aufsicht der mitunterzeichneten Hamburger Handelskammer in Wirksamkeit 
treten. Es ist aber deshalb keineswegs die Meinung, dass cs vorzugsweise auf 
die Betheiligung Hamburgisoher Rheder und Schiffsführer au diesem wichtigen
	        
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