30
Es ist das Wetterbuch ferner so eingerichtet, dass für jeden Tag zu sechs
verschiedenen Zeiten um 0, 4, 8, 12, 16, 20 Uhr, am Ende jeder Wacht, die
Beobachtungen eingetragen werden können.
Verarbeitung Alle diese Warnehmungen wandern zunächst abschriftlich und gehörig reduoirt
desselben. j n g rosse übereinstimmend rubricirte Tabellen, diese werden hernach zerschnitten
nach 5° Breite und 5° Länge, und kommen diese Stücke sodann in die Regi
stratur, welche Zonen von 5° Breite und Abschnitte von 5° Länge enthält, so
weit dieselben für die See in Betracht kommen. In diesen Feldern werden
schliesslich die Stücke nach den verschiedenen Monaten geordnet, und kann
nun eine zu irgend einem Zweck gewünschte Durchmusterung dieser oceanischen
Vierecke ohne Umstände vorgenommen werden. Ausserdem werden die Journale
natürlich aufbewahrt, und gewähren die immer wünschenswerthen Totalübersichten
gemachter Reisen. Gerade der Umstand, dass die aus See einkommenden
Journale erst müssen reduoirt, abgeschrieben und in die Registratur eingetragen
werden, bis sie zur Bearbeitung geeignet erscheinen, bedingt einen grossen Stab
von seefahrtkundigen Gehülfen für unser Institut.
Für die weiter, gewöhnlich zunächst, vorzunehmenden Umrechnungen der
Journale, ist zu vergleichen, was Seite 26 über die Verarbeitung der Nord
deutschen Lloyd-Journal-Auszüge gesagt ist. Das Endziel bleibt die Ermittelung
der in jedem Monat vortheilhaftesten Seewege von bestimmten Gegenden und
Hauptplätzen des Oceans nach andern, für uns zunächst vom Kanal südlich und
westlich, in und durch den Atlantic.
Als nächste Arbeit wird die Seewarte die Durchforschung der chine
sischen See von der Java-Strasse bis zur Sangar-Stras.se vornehmen, wozu ihr
aus der starken Schiffahrt Hamburgs, Bremens, Mecklenburgs und der preussi-
scheu Ostseehäfen ein reiches Material in Aussicht steht.
Die Nord- Gelegenheit zu einer völlig abgeschlossenen, wenn auch practiseh weniger
^'j’ggg 011 wichtigen als durch die Zeitläufte und für die wissenschaftliche Meteorologie
interessanten Arbeit gab der Seewarte die vorigjährige Nordfahrt, welche
auf Anregung des Dr. Petermanu durch Capitain Koldewey auf der Jacht
„Grönland“ ausgeführt wurde. Die meteorologischen Ergebnisse sind nach dem
an Bord geführten Wetterbuche von der Seewarte in einer besondern Schrift
niedergelegt, welche druckfertig vorliegt. Eine beigegehene Karte, von 60 bis
82° N. und von 30° W. bis 30° 0. sich erstreckend, enthält unter anderm den
von der „Grönland“ durchsegelten Weg, die Isothermen der Oberfläche des
Nordmeeres, dessen Strömungen, Tiefentemperaturen und Gnmdpeilnngen, ferner
die Isametralen der Atmosphäre auf Grund der Isothermenkarten Dove’s und die
Isogonen des Nordmeeres im Anschluss an die bis 60° Breite reichenden Iso-
gonon des General Sabine, beide reduoirt für die Epoche 1868. Durch diese
Nordfahrt sind beachtenswerthe Aufschlüsse gebracht über die Verbreitung des
Eises, die Abnahme der Temperatur der See nach Längengraden und der Tiefe des
Meeres, die Beschaffenheit des Meeresgrundes und Uber die grossen atmosphärischen
Störungen; es ist die Gabelung und das Vorhandensein eines nördlichen Aus
läufers des Golfstroms westlich von dem Spitzbergen-Bäreninsel-Riff bis 80 Vs 0 N.
hinauf ausser Zweifel gestellt, und zugleich thatsächlich gezeigt, dass das Com-
pensationsgebiet für die in unsern Breiten übergrosse Sommerwärme von 1868
nicht wie so häufig im Westen von uns, in Nordamerika, sondern diesmal im
hohen Norden zu suchen war, wo die Temperatur zufällig genau soviel zu niedrig
war, als sie sich in Hamburg über das zwanzigjährige Mittel erhoben hat. Nur