36
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926.
eine Fortsetzung des Sockels der Bouvet-Insel nach Norden anzusehen. Die
mittelatlantische Schwelle steigt auf Profil III bis zu 2300 m auf. In der argen-
tinischen Mulde wurden Tiefen von 6000 m dicht vor dem Schelfrande gelotet.
F. Die meteorologischen Untersuchungen.
I. Aufgaben und Untersuchungsmethoden,
Die Aufgabenstellung und Planlegung der Expedition ermöglichten es, neben
den meeresphysikalisch-chemischen auch meteorologische Untersuchungen vor-
zunehmen, Auch diese stehen im Zusammenhang mit dem ozeanischen Zirkula-
tionsproblem, da neben den regionalen Unterschieden der physikalischen Eigen-
schaften des Meereswassers es hauptsächlich die Winde sind, welche die Zirkulation
des Ozeans bedingen. Dann aber besteht ein weiterer Zusammenhang dadurch,
daß sich die atmosphärische Zirkulation nach denselben Gesetzen vollzieht wie
die ozeanische, Die Hauptaufgabe der meteorologischen Untersuchungen ist
demnach die Erfassung der Zirkulation der Atmosphäre im Südatlantischen. Die
Beobachtungen erstrecken sich daher nicht nur, wie bei den bisherigen hydro-
graphischen Expeditionen, auf die Meteorologie der Meeresoberfläche, sondern
auch auf die Meteorologie der höheren Luftschichten. Hier war für die Expedition
Grundlegendes zu leisten, da von der Aerologie des Südatlantischen nahezu nichts
bekannt ist.
Im folgenden sollen die meteorologischen Untersuchungen an Bord kurz
besprochen werden. Sie werden von den beiden Meteorologen Professor Reger
vom Aeronautischen Observatorium Lindenberg und Dr. Kuhlbrodt von der
Deutschen Seewarte ausgeführt, die in dem Expeditionsbericht in der Zeitschrift
der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin!) über ihre Arbeiten berichtet haben.
Dr. Kuhlbrodt: wird außerdem in dieser Zeitschrift über einzelne Teilgebiete
der Beobachtungen berichten.
a. Systematische meteorologische Untersuchungen in der Bodenschichten,
A. Terminmessungen. Dreimal täglich, um 7b, 14h und 21h Ortszeit, werden
von den Meteorologen folgende Elemente gemessen: Luftdruck, Lufttemperatur,
Luftfeuchtigkeit, Temperatur der Wasseroberfläche, Bewölkung nach Form und
Bedeckung, Windrichtung und -stärke, Seegang und Dünung, Sicht. Das Brücken-
personal beobachtet für die Eintragung in das Meteorologische Journal außerdem
die vorerwähnten Elemente noch jede Stunde. Als Stationsbarometer dient ein
besonders ausgesuchtes, im Zwischendeck in der Höhe der Wasserlinie ange-
brachtes Marinebarometer. Die meteorologische Hütte steht, gut ventiliert, auf
dem Deck des Kartenhauses, etwa 9 m über der Wasserlinie. Temperatur und
Feuchtigkeit werden außer in der Hütte auch noch auf einem freien Lotpodest
an der Luvseite der Kommandobrücke mit dem Aßmannschen Psychrometer
gemessen. Während der ganzen Reise werden die meteorologischen Beobach-
tungen täglich blind durch Funkspruch abgegeben.
2. Registrierungen, Der Luftdruck wird mit drei Barographen dauernd
registriert, Der erste hat eine Monatsuhr, der zweite eine Wochenuhr und der
dritte eine Drei-Tage-Uhr, so daß die mehrtägigen Luftdruckwellen und auch
die kleineren täglichen Luftdruckänderungen anschaulich dargestellt werden.
Die Lufttemperatur wird mit einem in der meteorologischen Hütte auf-
gestellten gewöhnlichen Thermographen registriert und außerdem durch eine
Fernthermometeranlage von Hartmann und Braun, die vier Widerstands-
Ihermometer enthält. Das erste ist am Bug des Schiffes am Göschstock, das
zweite am Heck am Flaggenstock, das dritte an der Spitze des Fockmastes in
28 m Höhe und das vierte, das zur Kontrolle dient, in der Thermometerhütte
auf dem Kartenhaus angebracht. Das Schreibgerät, das infolge eines besonders
16) Vgl. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1926, Heft 1. J. Reger und E. Kuhl-
brodt: „Bericht über die meteorologischen Arbeiten“,