Spiess: Die Deutsche Atlantische Expedition auf d, Vermessungs- u. Forschungsschiff „Meteor“, 83
motor gekuppelt ist, welcher die Einholgeschwindigkeit weitgehend regulieren läßt.
Die Drahtstärke von 1 mm, die Konstruktion der Trommel und die Leistung des
Motors gestatten, im Gegensatz zu der früheren Methode des Abwerfens der Sink-
gewichte, die mit einem Gewicht von 30 kg beschwerte, sich in den Boden ein-
rammende 1!/, m lange Stoßröhre mit dem Gewicht heraufzuholen. Das erübrigte
die Mitnahme der vielen Sinkgewichte, die bei der großen Anzahl der Draht-
lotungen nötig gewesen wären. Die Stoßröhren wurden von dem Geologen der
Expedition, Dr. Pratje, auf Grund eigener Versuche mit wesentlichen und zweck.
mäßigen Neuerungen versehen. Die Röhren werden nach dem Herausziehen aus
dem Grunde unten automatisch mit einem Klappverschluß und oben durch ein
Ventil verschlossen. In einer in die Stoßröhre eingesetzten Glasröhre, die nach
dem Heraufholen oben und unten zugepfropft wird, wird außer der Bodenprobe
eine Probe des Bodenwassers für die Salzgehalts- und sonstige chemische Unter-
suchung erlangt. Die Bodenproben, die eine Länge bis zu 94 om erreicht haben,
bleiben in der Glasröhre in ihrem ursprünglichen feuchten Zustande bis zu ihrer
Untersuchung im Laboratorium erhalten. Material und Schichtung lassen sich
durch die Glaswandung deutlich erkennen. Zum Heraufholen lockerer Sande ohne
tonige Beimengungen dienen Grundzangen nach Art der Petersen-Greifer, die
bis zu 7 Liter Sediment heraufgebracht haben. Von jeder Bodenprobe wird ein
Teil konserviert, ein Teil an Bord sofort untersucht, Die chemischen Unter-
suchungen des Geologen erstrecken sich auf Oxydationsfähigkeit, Kalkgehalt und
Phosphorsäuregehalt, die physikalischen Untersuchungen auf den Gehalt an hygro-
skopisch gebundenem Wasser und die Verteilung der Korngrößen im frischen
Material. Als Schlämmethode hat sich die Sedimentationsmethode nach Atter-
berg an Bord am besten bewährt. Die Mengen werden in Hundertstel-Kubik-
zentimeter nach gleichmäßiger Zentrifugierung der abgeschlämmten Teile gemessen;
dadurch wird die Veränderung durch das Trocknen und die Ungenauigkeit der
Wägung bei schwankendem Schiff vermieden. Die mikroskopische Untersuchung
der Proben dient der Bestimmung der einzelnen Komponenten, in erster Linie
ihrer Ausmessung und Auszählung. Sie konnte jedoch wegen Zeitmangels zunächst
nur an einem Teil der Proben ausgeführt werden.
2. Die vorläufigen Ergebnisse.
Während die topographischen Ergebnisse in dem nächsten Abschnitt gemein-
sam mit denen der akustischen Lotungen behandelt werden, seien im folgenden
die von Dr. Pratje in seinem wissenschaftlichen Tätigkeitsbericht!®) zusammen-
gestellten vorläufigen Ergebnisse der Sedimentuntersuchungen kurz zusammen-
gefaßt. Bisher wurden folgende Grundproben erzielt und untersucht:
Die Grundproben ergeben besonders im ———— VO L—
südlichen Teile des Argentinischen Beckens Ab- Bodenproben auf ' a) Stoßröhre Ib) Greifer
weichungen von den bisherigen Karten über
die Verbreitung der Sedimente. Die dort dar-
gestellten Globigerinenschlamme sind nicht vor-
handen, obwohl die entsprechenden Organismen
vom Biologen der Expedition reichlich be-
obachtet wurden, Die Schlicke haben hier schon
antarktische Komponenten. Weiter verbreitet
als bisher angenommen wurde, konnten Tiefsee- !
sande in mehreren Proben nachgewiesen werden. Glaukonite wurden nicht nur
an der südafrikanischen Küste, sondern auch an der südamerikanischen Küste
aus Tiefen von 200 m bis über 2000 m heraufgeholt. Pteropodenschlamme wurden
auf Profil II auf der mittelatlantischen Schwelle und auf dem Rio Grande-Rücken
auch an Stellen angetroffen, wo sie bisher nicht bekannt waren, Die Grundproben
ergeben interessante Feststellungen bezüglich des Übergangs des Pteropoden- zum
Globigerinenschlamm und zum roten Ton und bezüglich der Abnahme des Kalk-
2 18) Vgl, Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1926, Heft 1. Otto Pratje: „Bericht
über die geologischen Arbeiten“,