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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Spiess: Die Deutsche Atlantische Expedition auf d. Vermessungs- u. Forschungsschiff „Meteor“. 79 
der Bewegungen des Schiffes im Seegang mit dem elektrisch getriebenen Petravic- 
kreisel Aufschlüsse geben sollen über die bisher im. wesentlichen geschätzte 
Höhe und Länge der Meereswellen. Diese Sonderuntersuchungen werden an Bord 
von Dr. Schumacher von der Deutschen Seewarte ausgeführt, der in dieser 
Zeitschrift gesondert über sein Arbeitsgebiet berichten wird®). 
B. Die blologischen Untersuchungen. 
1. Aufgabenstellung, 
Das Hauptproblem der ozeanographischen Untersuchungen, die Zirkulation, 
ist auch von fundamentaler Bedeutung für die biologische Forschung. Zunächst 
hängt von der Zirkulation die Verteilung des Sauerstoffes ab, der für das Leben 
der Organismen notwendig ist und durch die Vertikalbewegung der Wasser- 
massen auch in die großen Tiefen dringt und sie so zum Lebensraum macht. 
Dann aber bedingt auch die Zirkulation die Verteilung der für die Organismen 
wichtigen Nährstoffe und ihre stärkere oder geringere Vermehrung und wirkt 
als verfrachtende Kraft nicht nur der Nährstoffe, sondern auch der kleinsten, 
willenlos treibenden Organismen, des Planktons selbst, das wiederum den größeren 
Tieren als Nahrung dient. Durch die Zirkulation werden also die wichtigen 
Fragen der Gruppierung der Völker kleinster Lebewesen, ihrer geographischen 
Verteilung und des von ihnen abhängigen Fischreichtums mit geklärt. Es 
handelt sich somit für den Biologen der Expedition darum, nach denselben Ge- 
sichtspunkten, nach denen die Ozeanographen das Zirkulationsproblem dureh die 
chemisch-physikalischen Untersuchungen des Meerwassers erforschen, das Expe- 
ditionsgebiet qualitativ und besonders quantitativ auf seinen Organismen- 
gehalt zu untersuchen. Damit war die biologische Aufgabe der Expedition auf 
reine Planktonuntersuchung beschränkt, Die ozeanographischen Wasserschöpf- 
proben bieten die beste Gelegenheit zu quantitativer Planktonuntersuchung, da 
in großer Anzahl und in Querschnitten zum Ozean aus den verschiedensten 
korrespondierenden Tiefen Wassereinheiten heraufgebracht werden, die dank dem 
Stande der Methodik, die von Professor Lohmann ausgearbeitet und auf der 
„Deutschland“ angewandt wurde, auf Plankton untersucht und durchgezählt 
werden können. Dieser Untersuchung dient in erster Linie das dichteste und 
zugleich kleinste Nannoplankton (Zwergplankton), da es bis in die größten 
Tiefen, aus denen immer nur relativ kleine Wassermengen geschöpft werden 
können, vorkommt. 
2, Die biologischen Untersuchungsmethoden. 
Das Nannoplankton, welches auch durch das feinste Netz aus Seidengaze, 
das an Bord dem Fang gröberen Planktons dient, nicht erfaßt werden kann, 
wird auf dem Wege mehrmaliger Zentrifugierung kleiner Wassermengen ge- 
wonnen. Von der Oberfläche und den Wasserschöpfern werden Mengen von 
100 und 540 ccm aus korrespondierenden Tiefenstufen entnommen und mit drei 
elektrischen Zentrifugen von dem Plankton befreit, das sich in den zugespitzten 
unteren Enden der Zentrifugengläser ansammelt und nach Entfernen des Wassers 
noch im lebenden Zustande unter dem Mikroskop auf seine Organismenformen 
untersucht und ausgezählt wird. Außer der Auszählung der Zentrifugenproben 
aus den großen Wassertiefen auf Nannoplankton wird Plankton zur quantitativen 
Untersuchung gewonnen durch Sedimentierung in Standzylindern, aus etwa 1 bis 
4 Litern Wasser. Dann werden mit einem Schlauch aus 50 und 100 m Wasser- 
tiefe und mit der Deckwaschpumpe von der Wasseroberfläche Mengen von je 
200 Litern Wasser gepumpt und durch feine Planktongaze filtriert, Quantitative 
Netzfänge gröberen Planktons werden ferner aus 200 m Tiefe bis zur Oberfläche 
mit dem Apsteinnetz, das eine Wassersäule von bestimmtem, errechnetem Quer- 
schnitt filtriert, gewonnen, und mit dem Nansenschen Schließnetz werden Wasser- 
schichten verschiedener Tiefe, etwa von 1000 bis 700 m oder von 500 bis 200 m 
durchfischt, derart, daß auch diese Netzfänge noch eine gewisse quantitative 
9) Vgl. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, Jahrgang 1926, Heft 1. A, Schumacher: 
„Özeanographische Sonderuntersuchungen‘‘,
	        
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