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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1926,
Salzgehalt aus allen Tiefen gewonnen worden, wobei die Oberflächenbeob-
achtungen sowie Doppelmessungen bei dem Übereinandergreifen der Serien nicht
mit eingerechnet sind.
Einschließlich der Vorexpedition wurde im ganzen viermal auf Tiefen bis zu
5000 m zur Vornahme von Strommessungen geankert, Während 48 Stunden
wurden in 30, 250 und 500 m Tiefe Beobachtungen mit dem Strommesser und
Oberflächenstrommessungen vorgenommen. Dabei wurde durch exakte astrono-
mische Beobachtungen sowie durch dauernde Kontrollotungen mit dem Echolot
festgestellt, daß das Schiff nicht vertrieben war,
Die ozeanographischen Untersuchungen werden ausgeführt von den vier
Ozeanographen, Dr, Wüst, Dr. Schumacher, Dr. Böhnecke und Dr, Meyer,
die hierbei von dem besonders ausgebildeten Schiffspersonal unterstützt werden.
4. Die vorläufigen ozeanographischen Ergebnisse,
Die 2040 korrespondierenden Werte von Temperatur und Salzgehalt in
allen Schichten von der Oberfläche bis zum Meeresboden bedecken ein Gebiet
zwischen 28° und 48° S-Br, und 57° W-Lg. und 17° O-Lg., das bisher nur durch
wenige Stichproben untersucht war. Die Werte wurden in vier Temperatur-
und Salzgehaltsquerschnitten verarbeitet und lassen ein vorläufiges Bild über
die vertikale Anordnung von Temperatur und Salzgehalt in den einzelnen Breiten
gewinnen, Wenn sich auch hierüber noch nichts Abschließendes sagen läßt, so
ist doch Dr. Wüst in seinem ersten Bericht über die ozeanographischen Unter-
suchungen?) zu folgendem Ergebnis über die Hauptzüge der vertikalen Tem-
peratur- und Salzgehaltsanordnung gekommen, In erster Linie sind Temperatur-
und Salzgehaltsverteilung gegeben durch die Stellung des betreffenden Profils
in dem System der vorwiegend meridionalen Vertikalzirkulation, d.h, durch die
geographische Breite, Innerhalb der einzelnen Profile sind jedoch nennenswerte
Unterschiede vorhanden. Sie sind bedingt:
1. Durch die Topographie, Durch die großen Erhebungen des Meeres-
bodens erscheinen die Tiefenströme in Kerne von verschiedener Intensität zerlegt.
Die tiefen Rinnen bilden das Bett der Bodenströme. Aber auch geringere Er-
hebungen machen sich in der Veränderung der ehemisch-physikalischen Elemente
bis zur Oberfläche hinauf bemerkbar,
2. Durch die Oberflächenströmungen und die Grenzwirbel, Sie
beeinflussen den Antarktischen Zwischenstrom, greifen sogar noch über auf den
Nordatlantischen Tiefenstrom und verursachen starke wellenförmige Krümmungen
der Isothermen und Isohalinen, besonders in den Grenzschichten.
3, Durch den Einfluß der Erdrotation. Er macht sich dadurch
kenntlich, daß die Isothermen und die Isohalinen, welche die meridional gerich-
toten Tiefenströme senkrecht schneiden, schräg gestellt sind, sich z. B. im Antark-
tischen Zwischenstrom von Östen nach Westen senken und im Westen weiter
auseinander treten als im Osten, Die Isolinienführung deutet also an, daß, als
Folge der Erdrotation, diese Tiefenströmung im Westen ihre größte Mächtigkeit
und ihre größte Intensität hat und nach Osten gehoben und schwächer wird,
Im übrigen bringt die Temperatur- und Salzgehaltsanordnung auf den ersten vier
Querprofilen eine Bestätigung der Merzschen Anschauung über die Vertikal-
zirkulation, insbesondere über das Vordringen des Nordatlantischsen Tiefenstromes
bis zur Weddellsee, ;
5. Ozeanographische Sonderuntersuchungen,
Außer den vorstehend geschilderten ozeanographischen Arbeiten werden an
Bord die in dem Grenzgebiet zwischen ozeanographischen und meteorologischen
Untersuchungen liegenden Verdunstungsmessungen vorgenommen. Die Ver-
dunstungsproben werden mit dem Interferometer auf Chlorgehalt untersucht,
Ferner werden mit einem besonders für diese Zwecke von der Firma Zeiss
konstruierten Apparat stereophotogrammetrische Aufnahmen der Meereswellen
und der Dünung gemacht, die im Verein mit den graphischen Registrierungen
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