Spiess: Die Deutsche Atlantische Expedition auf d. Vermessungs- u. Forschungsschiff „Meteor“. 75
sich Dichte und Druck im Wasser ermitteln, und es ist unter gewissen Voraus-
setzungen möglich, aus diesen Größen nach den Methoden von Bjerknes die
Wasserbewegung zu errechnen,
Aus den neuen Erkenntnissen, die Merz hinsichtlich der Atlantischen Zir-
kulation gewann“), zog er zwei Konsequenzen für die Expedition. Zur Erfassung
der für das Wesen der Zirkulation wichtigen feinen Unterschiede in Dichte und
Druck mußte die Verfeinerung der Beobachtungsmethoden, insbesondere der Tem-
peratur- und Salzgehaltsbestimmung, verlangt werden, Dann war ein engmaschiges,
über das gesamte Untersuchungsgebiet gleichmäßig verteiltes Netz von Beobach-
tungsstationen nötig. Die einzelnen Stationen mußten einen Abstand von 2!/, bis 5°
in der geographischen Länge und von 5 bis 7° in der geographischen Breite von-
einander haben. Das wurde erreicht durch Anordnung eines Systems von 14 Quer-
profilen über den Ozean, welche die unterseeischen Böschungen — die atlantische
Schwelle und die Kontinentalabfälle — möglichst senkrecht schneiden. Das zu
untersuchende Gebiet erstreckt sich im Südatlantischen bis zur antarktischen
Eisgrenze, während es im Nordatlantischen erst südlich des verhältnismäßig gut
erforschten Gebietes, also südlich von 20° N-Br. beginnt.
Der Reiseweg, der in der Abbildung dargestellt ist, berücksichtigt die klima-
tischen Verhältnisse derart, daß die Profile in Gebieten ausgesprochen starker
Winde, wie der Westwinddrift und des Südostpassates, in der Richtung mit dem
Winde ‚abgefahren werden, und daß die Reihe, in der die Profile aufeinander
folgen, das südlichste Profil mit seinen Vorstößen zur Eisgrenze, in den Südsommer,
Januar bis Februar 1926, verlegt. Aus diesen Gründen mußte der weite Anmarsch
nach Buenos Aires gewählt werden, der jedoch zu einem meteorologischen und,
dank der Ausrüstung des Schiffes mit akustischen Loten, topographischen Längs-
schnitt in ungefähr meridionaler Richtung ausgenutzt werden konnte, Die Durch-
führung des ganzen Expeditionsplanes wird etwa zwei Jahre erfordern. Der
Gesamtreiseweg des Schiffes hat die Länge von etwa 64000 Seemeilen, also drei-
einhalbfache Länge des Äquators. Für die Anordnung der einzelnen, im ganzen
etwa 350 Beobachtungsstationen, waren maßgebend das Vorhandensein früherer
Beobachtungen, die Morphologie des Meeresbodens und die Lage der Grenzwirbel
auf Grund der von Dr. Hans Meyer konstruierten Strömungskarte des Atlan-
tischen Ozeans) und einiger bisher unveröffentlichter Spezialkarten von Merz
(„Guineastrom“ und „Konvergenzgebiet südlich Afrika“).
2, Wissenschaftliche und instrumentelle Vorarbeiten,
Die wissenschaftlichen und instrumentellen Vorbereitungen sind ausschlag-
gebend für das Gelingen einer Expedition, Merz hat durch die weitschauende
und gründliche Art, mit der er bis in die kleinsten Kleinigkeiten hinein diese
Vorbereitungen getroffen hat, die Expedition in den Stand gesetzt, auch nach
dem Tode ihres wissenschaftlichen Leiters auf dem von ihm vorgezeichneten Wege
erfolgreich weiterzuarbeiten,
Die Untersuchungen über die Vertikalzirkulation und über die Oberflächen-
strömungen in allen drei Ozeanen, die Merz mit seinen Schülern seit 1920 durch-
führte, boten die Grundlage für die Problemstellung und den Expeditionsplan,
Nachdem im Januar 1924 die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft und
die Marineleitung ihre Zustimmung zur Durchführung einer atlantischen Expe-
dition gegeben hatten, begann Merz mit den besonderen Vorarbeiten für die
Forschungsreise, Aus der Erkenntnis heraus, daß die volle Beherrschung des
gesamten Beobachtungsmaterials der zahlreichen früheren Expeditionen die.not-
wendige Voraussetzung für den Erfolg der eigenen Arbeit sei, organisierte er in
4) Vgl. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1922, Nr. 1—2 und Nr. 7—10, 1923,
Nr.3—4. A. Merz und G, Wüst: „Die atlantische Vertikalzirkulation“; A. Merz: „Die Deutsche Atlan-
tische Expedition auf dem Vermessungs- und Forschungsschiff »Meteor«“ in den Sitzungsberichten der
Preußischen Akademie der Wissenschaften, XXXI, phys.-math. Kl, S.562—586. Berlin 1925,
5) Vgl. Veröffentlichungen des Berliner Instituts für Meereskunde, Neue Folge, A. Gengraphisch-
naturwissenschaftliche Reihe, Heft 11, Juni 1923. Dr. Hans H. F, Meyer: „Die Oberflächen-
strömungen des Atlantischen Ozeans im Februar‘,