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Aus dem Arbeitsbereiche der Deutschen Seewarte in Hamburg.
ist, und mittels des Rundfunks durch die Nordische Rundfunk A. G. nachmittags
nach 4 Uhr im Anschluß an die täglich gegebenen je zwei letzten am Tischpegel
beobachteten Hoch- und Niedrigwasserzeiten und -höhen vom Pegel St. Pauli
in Hamburg.
Die Deutsche Seewarte hat daher vor zwei Jahren die Wasserbaubehörden
zu veranlassen versucht, auch ihrerseits einen ähnlichen Dienst einzurichten, wie
ihn die Deutsche Seewarte mittels ihres Tischpegels und der vorausberechneten
Gezeitenkurve eingeführt hat, um die Warnungen dann innerhalb ihrer Dienst-
bezirke zu verbreiten. Die Gezeitenkurven für die verschiedenen Häfen sollten
mittels der Gezeitenrechenmaschine gezeichnet und den Behörden von der Deutschen
Seewarte geliefert werden; die notwendigen meteorologischen Angaben sollten
ihnen durch die Wetterkarten zugänglich gemacht werden; ferner war vorgesehen,
die den Sturmflutwarnungsdienst ausübenden Beamten eine Zeitlang in der Wetter-
dienstabteilung der Deutschen Seewarte zu beschäftigen, um sie in der Wetter-
vorhersage auszubilden. — Diese Bemühungen der Deutschen Seewarte sind fehl-
geschlagen; nicht ein einziger Tischpegel ist inzwischen aufgestellt worden,
Von dem für die Volkswirtschaft wichtigen Gesichtspunkt ausgehend, daß bei
einer einzigen rechtzeitig vorhergesagten Sturmflut schon an einem Orte dem
Volksvermögen durch vermiedene Schäden mehr erspart werden kann, als der
ganze Sturmflutwarnungsdienst innerhalb mehrerer Jahre an Kosten verursacht,
muß in Zukunft nach Mitteln gesucht werden, die vor Schäden zu schützenden
Kreise rechtzeitig zu warnen. ;
Da die Wetterkarten der Deutschen Seewarte den Wasserbaubehörden zu
spät zugehen, als daß sie daraus rechtzeitig die notwendigen Schlüsse ziehen
könnten, und da es ihnen infolge der geforderten Verringerung ihres Personals
nicht möglich sein wird, mehrere Funker zur Aufnahme der im „Funkobs.“ mit-
geteilten meteorologischen Angaben und einen Meteorologen zur Bearbeitung
dieser Angaben einzustellen, so wird die Deutsche Seewarte selbst helfend ein-
greifen müssen. Entweder übermittelt sie den einzelnen Wasserbaubehörden die
von ihr hersuszugebenden Warnungen telegraphisch oder sie liefert ihnen auf
gleichem Wege die notwendigen meteorologischen Angaben, aus denen sich die
Wasserbauämter auf Grund ihrer Erfahrungen den Windstau selbst berechnen
könnten.
Den Wasserbaubehörden fehlt es meistens jedoch an Zeit und Arbeitskräften,
sich eingehend mit der Bearbeitung der Sturmfluten zu befassen. Würde eine
solche Bearbeitung außerdem bei der einen oder anderen Behörde durchgeführt
werden, so würde die sicherlich nicht einheitliche Bearbeitung der Verwertung
ihrer Ergebnisse Schwierigkeiten bereiten,
Daher hat sich die Deutsche Seewarte entschlossen, die Sturmfluten der
Nordsee einheitlich bearbeiten zu lassen. Ein Anfang ist gemacht, die Durch-
führung verlangt aber ebenfalls Mittel, die vor einiger Zeit in dankenswerter
Weise von einzelnen an der Lösung dieser Fragen beteiligten Ministerien zur
Verfügung gestellt sind. Im Laufe der nächsten Jahre werden aber noch weitere
erheblichere Mittel von Staats wegen oder von privater Seite bereitgestellt werden
müssen, um die gestellte Aufgabe zu lösen.
Wenn dann einmal für die einzelnen Küstengegenden die aus den Beobach-
tungen folgenden Erfahrungstatsachen feststehen, wird der auf diesen Grund-
lagen fußende Sturmflutwarnungsdienst der Deutschen Seewarte den gefährdeten
Kreisen ein Gefühl der Sicherheit geben, ihnen aber bei erfolgten Warnungen
die Pflicht auferlegen, bei Sturmflutgefahr auf der Hut zu sein und vor sicher
eintretenden Sturmfluten zu bergen, was zu retten ist.