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Aus dem Arbeitsbereiche der Deutschen Seewarte in Hamburg.
Landungsbrücken aufgestellt ist. Beide Teile sind durch ein mehradriges Kabel
miteinander verbunden.
Dem Steigen und Fallen des Wassers in der Elbe entsprechend, bewegt sich
auf der Wasseroberfläche im Pegelschacht ein Schwimmer auf und nieder, Der
von diesem nach oben führende Schwimmerdraht bewegt ein Schwimmerrad,
auf dessen Achse noch ein Zahnrad aufgesetzt ist; dieses greift in ein Rädchen
ein, das auf der Achse eines Schaltwerkes sitzt. Drei auf dieser Achse neben-
einander angebrachte Scheiben besitzen auf ihrem Rande fast um 180° herum-
reichende Nocken, die um 120° gegeneinander versetzt sind, Bei einer Be-
wegung des Schwimmers drehen sich daher diese drei Nockenscheiben herum
und bewirken, daß von drei vorgesehenen Kontakteinrichtungen immer entweder
eine oder zwei den Strom schließen. Vermittels des zur tischförmigen Empfangs-
einrichtung führenden Kabels werden entsprechend die Magnetwicklungen eines
kleinen Elektromotors, eines Synchronmotors, vom Strome durchflossen und lassen
den Anker sich bis in die ihnen entsprechende Stellung drehen. Durch eine auf
die Ankerachse aufgesetzte Schnecke mit Schneckenrad, dessen Achse noch ein
weiteres Zahnrad trägt, wird die Bewegung des Ankers auf eine Zahnstange
übertragen. An dieser ist eine Schreibfeder befestigt, die dann die Gezeitenkurve
auf ein !/, m breites Papierband aufzeichnet. Das Papier ist auf einem flachen,
ebenen Wagen ausgebreitet, der in einem Tage einmal unter der Schreibfeder
hinwegfährt, indem ein Pendeluhrwerk die gleichmäßige Verschiebung regelt.
Der Deutschen Seewarte ist der Tischpegel besonders wertvoll, weil er es
ihr ermöglicht, nicht nur die augenblicklichen Wasserstände unmittelbar ohne
Zeitverlust zu ermitteln und der Schiffahrt, dem Wasserbau- und Verkehrswesen
auf Anfrage weiterzugeben, sondern auch den jeweiligen Windstau — den Unter-
schied zwischen dem beobachteten und vorausberechneten Wasserstand — und
seine wahrscheinliche Änderung innerhalb der nächsten Stunden anzugeben.
Diese Angabe wird dadurch erleichtert, daß es nach der Errechnung der harmo-
nischen Konstanten von Hamburg möglich ist, mittels der Gezeitenrechenmaschine
vorausberechnete Gezeitenkurven herzustellen, die von vornherein in dem Maß-
stab gezeichnet werden, der demjenigen der Tischpegelaufzeichnungen entspricht.
ce. Die Gezeitenrechenmaschine,
Die Gezeitenrechenmaschine der Deutschen Seewarte ist in den ersten Kriegs-
jahren in den Werkstätten von Otto Töpfer & Sohn in Potsdam gebaut worden und
nach dem Kriege im Gezeitendienstzimmer zur Aufstellung gelangt. Sie dient
vornehmlich der Vorausberechnung ausführlicher Gezeitenangaben der Hoch- und
Niedrigwasserzeiten und -höhen der für die Schiffahrt wichtigen Häfen,
Wie allgemein bekannt ist, sind die Gezeiten der Einwirkung der Anziehungs-
kraft von Mond und Sonne auf die Wassermassen der sich um ihre Achse
drehenden Erde zuzuschreiben. Während sich nun die durch Mond und Sonne
erzeugten Gezeiten für eine vollständig mit Wasser von gleicher Tiefe bedeckte
kugelförmige Erde leicht aus astronomischen Angaben allein berechnen lassen,
können die in der Natur an den verschiedenen Orten auftretenden, durch die Erd-
teile und Inseln und durch die flacheren Stellen der Weltmeere stark gestörten Ge-
zeiten nicht ohne weiteres aus solchen Angaben allein ermittelt werden. Es
muß vielmehr auf die an den einzelnen Orten durch selbstzeichnende Pegel an-
gestellten Gezeitenbeobachtungen zurückgegriffen werden, aus denen dann die
jedem Orte eigentümlichen Grundlagen hergeleitet werden können,
Ein Rechenverfahren, das als „harmonische Analyse der Gezeiten“ bezeichnet
wird, gestattet, die verwickelten, ungleich wiederkehrenden Gesamteinwirkungen
von Mond und Sonne auf die Wassermassen der Erde in eine größere Anzahl
von Einzelwirkungen aufzulösen, die alle regelmäßig wiederkehren. Durch ma-
thematische Entwicklungen kann gezeigt werden, daß sich die fluterzeugenden
Kräfte des Mondes und der Sonne außer durch die mittlere Sonnenzeit noch
durch die mittlere Länge des Mondes, der Sonne und des Mondperigäums aus-
drücken lassen; diese Größen sind sämtlich als rein harmonische Ausdrücke dar-
stellbar. Werden nun nach dem Gesetze von den erzwungenen Schwingungen