Coldewey, H.: Neue Schwimmkompasse für Flugzeuge und Seeschiffe, 61
werden? Das ist aber m. E. in Deutschland nicht genügend berücksichtigt
worden, Aus irgendeinem Grunde, der mir nicht bekannt. ist, versucht man das
magnetische Moment so hoch wie möglich zu schrauben, als wenn es darauf
ankommt, die Schwingungsdauer der Rose recht kurz zu machen. Da das eine
das andere treibt, wächst mit dem magnetischen Moment das Gesamtgewicht des
Rosenkörpers, so daß man bei den größeren Kompassen mit magnetischen Mo-
menten zwischen 70 und 100 Millionen Gauß-Einheiten ein Gesamtgewicht der
Rose von 350 bis 500 Gramm feststellen kann. Die‘ Schwingungsdauer liegt
meistens zwischen 13s und 16% Das hohe magnetische Moment bedingt eine
große Stabilität. Auf guten Seeschiffen und bei günstigem Standort funktio-
nieren diese Kompasse gut, Werden aber hohe Anforderungen an sie gestellt,
wie z. B. auf Fischdampfern, Schleppdampfern usw. dann versagen sie oft, und
zwar um so eher, je kürzer die Schwingungsdauer ist, während die Kompasse
mit langer Schwingungsdauer sich besser bewähren. Infolge des hohen mäa-
gnetischen Moments und großen Eigengewichtes können die sehr stabil aufge-
hängten Rosen sofort jedem störenden Impulse Folge leisten, ohne durch die
Flüssigkeit besonders darin behindert zu werden. Eine beständige Unruhe bei
grober und kabbeliger See ist die Folge. Die Berechtigung von immer wieder-
kehrenden Klagen der Fischdampferführer über unruhiges Verhalten der Schwimm-
kompasse verschiedener Konstruktionen ist mir von den Herren Kapt. C. Janssen
und Kapt. Reumer bestätigt worden.
In England scheint man ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben, Die An-
regungen auf dem Gebiete des Flugzeugkompaßwesens haben dort zu ganz eigen-
artigen Schritten beim Schiffskompaßbau geführt. Als Ersatz für die bisher
gebräuchlichen großen Schwimmkompasse wird ein in seinen Grundzügen dem
Flugzeugkompaß der Admiralität ähnlicher „Dead beat“-Kompaß in den Handel
gebracht. In seinen Abmessungen ist er etwa 1l/, mal so groß wie der erstere.
Er trägt an der Peripherie einen schmalen Rosenstreifen mit der Teilung. Um
ein Steuern nach diesem Kompaß möglich zu machen, wird das Bild der Rose
durch optische Mittel in einem auf die Kuppel gesetzten Gehäuse vergrößert, so
daß der Rudersmann den vergrößert erscheinenden vorderen Teil der Rose mit
dem Steuerstrich in einer vertikalen Bildebene sieht, ‚Diese Kompasse werden
im allgemeinen sehr ruhig sein, stärkeren wechselseitig auftretenden schiffsma-
gnetischen Störungen können sie aber wegen ihrer kurzen Schwingungsdauer von
10s bis 11% leicht folgen,
Die mir bekannten Schwimmkompasse nordamerikanischer Firmen in Boston,
New York, Philadelphia und San Franzisko Cal. weichen von den deutschen
Fabrikaten dadurch ab, daß sie ein bedeutend geringeres Eigengewicht, schwächeres
magnetisches Moment und eine größere Schwingungsdauer haben. Letztere lag
bei 15 von mir geprüften Kompassen dieser Art mit 190 bis 225 m Durchmesser
zwischen 18% und 22*, in zwei Fällen betrug sie 17% und 23s. Diese Kompasse
besitzen eine große Ruhe und müssen auch unter schwierigen Verhältnissen sich
gut bewähren. Auf eine fehlerfreie Nadelanordnung scheint man aber nicht
besonderes Gewicht gelegt zu haben, sie war nicht immer einwandfrei. Da die
Fabrikanten dieser Kompasse größtenteils Lieferanten der Kriegsmarine sind,
darf angenommen werden, daß die Bauart von der Admiralität der Vereinigten
Staaten vorgeschrieben ist. Der gleichmäßige Bau der Kompasse deutet jeden-
falls darauf hin... Von den deutschen Fabrikaten passen sich ihnen m. E, die
Kompasse der Firma Johansson, Altona, am meisten. an, nur daß hier, dem
allgemeinen Bestreben in Deutschland folgend, die Schwingungsdauer kürzer
gehalten wird.
Durch‘ die oben beschriebenen Mißstände veranlaßt, beschloß die Firma
Ludolph den Bau anderer Schwimmkompasse, bei denen eine bisher kaum er-
reichte starke Dämpfung stattfindet und die sich. deshalb durch große Ruhe aus-
zeichnen, Hierbei waren die eigenen Erfahrungen auf dem Gebiete des Flug-
zeugkompaßwesens von großem. Wert. Es.begannen dann Versuche mit ver-
schiedenen. Modellen zur Feststellung des günstigsten Gewichtes und magnetischen
Momentes, bei denen trotz starker Dämpfung eine gute Einstellung und geringe