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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

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Aus dem Arbeitsbereiche der Deutschen Seewarte in Hamburg. 
geben, sondern für ein größeres Gebiet, das durch einige passend gewählte 
Hafenplätze vertreten ist. Ferner hat es sich als von Vorteil erwiesen, die durch 
die geographische Lage beeinflußten Windbeobachtungen eines Hafens zu ver- 
lassen und die Windbeobachtungen des ganzen Nordseegebietes zu verwerten, 
indem die Wetternachrichten vieler, zweckmäßig an den ganzen Nordseeküsten 
verteilter Beobachtungsorte in größerem Umfange herangezogen werden. 
Was zunächst die Wasserstandsvoraussage für ein größeres Gebiet betrifft, 
so hat die Erfahrung gezeigt, daß sich bei sehr hohen Windstärken ein um so 
erheblicherer Gegensatz zwischen den Wasserstandsverhältnissen an der West- 
Ost-Küste (von Emden bis Cuxhaven) und an der Nord-Süd-Küste (von Cuxhaven 
bis Hoyerschleuse) bemerkbar machen kann, je mehr die Halbierende des von 
den beiden Küsten gebildeten Winkels von der allgemeinen Windrichtung ab- 
weicht, wobei jedoch die an der Helgoländer Bucht liegenden Orte den Übergang 
bilden, Werden indessen die Verhältnisse der West-Ost-Küste oder der Nord-Süd- 
Küste einzeln in ihren Beziehungen zur herrschenden Windrichtung untersucht, 
so zeigt sich oft, z. B. in den Kurven der Pegelstellen Emden, Wilhelmshaven, 
Bremerhaven und Cuxhaven, eine überraschende Gleichförmigkeit, 
Bei der tatsächlichen Durchführung der Sturmflutvorhersagen ist das anzu- 
wendende Verfahren abhängig von dem Umfange der meteorologischen Größen, 
die zur Verfügung stehen. Für die Schiffahrt sind in vielen Fällen Tabellen 
ausreichend, die für die am Ort zu erwartende Richtung und Stärke des Windes 
den Windstau angeben, der noch den vorausberechneten Hochwasserhöhen hinzu- 
zufügen ist, wie es z. B. in den Gezeitentafeln für Wilhelmshaven durchgeführt 
ist. Bei diesem Verfahren ist jedoch zu beachten, daß sich der Einfluß einer 
Windrichtung mehr oder weniger ändern wird, je nachdem welche Richtung 
vorhergegangen ist oder welche Winde draußen auf See herrschen, 
Da zwischen der Wiudwirkung auf offener See und den Schwankungen des 
Meeresspiegels an der Küste ein Zeitraum von mehreren Stunden verstreicht, 50 
kann eine Verfeinerung des obigen Verfahrens noch dadurch erreicht werden, 
daß einer vorausberechneten Gezeitenkurve der voraussichtliche Einfluß des 
Windes überlagert wird. Ein Vergleich der so vorausbestimmten Sturmflut- 
kurve mit der nachher wirklich beobachteten wird kleinere oder größere Unter- 
schiede zeigen und kann dann benutzt werden, genauer nach den Gründen zu 
forschen, warum diese Abweichungen eingetreten sind, und dadurch die Er- 
{ahrung für zukünftige Fälle bereichern, Wie die erwähnten Gezeitenkurven 
gezeichnet werden können, wird weiter unten noch beschrieben. 
Ein wirklicher Fortschritt in der Windstauvorhersage ist jedoch erst ein- 
getreten, nachdem die täglich erscheinenden Wetterkarten der Deutschen See- 
warte als die geeignetste Grundlage für die Bestimmung der Wetterlage gewählt 
wurden, um aus ihnen einen Überblick der letzteren in ihrem Zusammenhange 
mit den Windstaubeträgen zu gewinnen. Die Wetterkarten erlauben, mehrmals 
am Tage — um 8b vormittags, um 2b und 7h nachmittags und in heute noch 
beschränktem Maße um 22h vormittags — das mittlere Luftdruckgefälle nach 
Richtung und Stärke über der ganzen Nordsee zu ermitteln. Die Richtung, 
aus der das Gefälle kommt, kann mittels der Strichrose bestimmt werden, seine 
Größe durch die auf den Maßstab der Wetterkarte bezogene Entfernung in mm 
je zweier sich um 5 mm Luftdruck unterscheidenden Isobaren. Diese mittleren 
Werte der Richtung und Größe des Gefälles können mit den an einem Ort be- 
obachteten Wasserständen in Beziehung gesetzt werden und liefern Tabellen, aus 
denen bei gegebener Richtung und gegebenem Isobarenabstand der einer Wetter- 
lage entsprechende Windstau entnommen werden kann. 
Dieses Verfahren geht von der Voraussetzung aus, daß in den vorauszu- 
sagenden Fällen die Winde über der Nordsee in gleichmäßiger Stärke aus der- 
selben Richtung wehen, d. h., daß die Isobaren auf den Wetterkarten annähernd 
parallel und wenig gekrümmt‘ verlaufen. Wird nun die Annahme gemacht, 
daß bei gleicher Windstärke die größte Abweichung in der Höhe des Wasser- 
standes durch solche Winde hervorgerufen wird, die in der Längsachse der 
Nordsee, von Nordnordwest nach Südsüdost wehen, so kann für jeden beliebigen
	        
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