5. Aus dem Tätigkeitsbereich der Abteilung G.
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entstehen, Wenn auch der Wasserstand einer hohen Sturmflut noch mehrere
Meter unter der Deichkrone liegt, so entwickelt sich doch stellenweise ein solcher
Wellenschlag, daß die Kämme der Wellen über die Deichkrone hinwegschlagen
und dadurch diese selbst und die landseitige Böschung der Zerstörung aussetzen,
was dann in der Regel zum Deichbruch führt,
b. Durch Warnungen,
In Hamburg wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte die niedrig gelegenen
Teile der alten Stadt, soweit es möglich war, auf eine sturmflutfreie Höhe ge-
bracht, so daß nur noch einige Straßengegenden der Überschwemmung ausge-
setzt sind. Bei der dichten Bebauung dieser Gegenden kann diesem Übelstande
jedoch nicht mehr abgeholfen werden,
Um Schäden und Gefahren, die den Bewohnern der tiefer gelegenen Straßen
an der Elbe und den Fleeten durch die Sturmfluten entstehen können, soweit
wie möglich abzuwehren, ist schon am Ende des 18, Jahrhunderts ein Hoch-
wassermeldedienst eingerichtet worden. Damals folgte der Warnung durch
Warnungsschüsse von einer Bastion am Abhange des Stintfangs unterhalb der
Deutschen Seewarte fast unmittelbar die Gefahr selbst, so daß es den Gefährdeten
kaum möglich war, ihre Habe zu retten,
Da ein Meldedienst nur dann Nutzen bringen kann, wenn er die Beteiligten
rechtzeitig unterrichtet, wird seit Bestehen einer Telegraphenverbindung zwischen
Cuxhaven und Hamburg von Cuxhaven aus amtlich der Hamburger Polizeibe-
hörde gemeldet, sobald dort der Wasserstand bis zu einer Höhe von + 6.0 m
am Pegel (= + 5.9 m über H. N.) gestiegen ist. Vor der Sturmflut, die im all-
gemeinen in 31/, bis 5 Stunden mit + 6.3 m Höhe nach Hamburg gelangt, wird
von der Bastion am Stintfang unterhalb der Deutschen Seewarte, am Stadtdeich
beim Oberhafen und neuerdings auch auf Finkenwärder durch drei kurz auf-
einander folgende Kanonenschüsse gewarnt. Steigt das Wasser in Cuxhaven
weiter, so werden bei jeder Zunahme um 0,3 m die drei Warnungsschüsse
wiederholt. Erreicht später die Sturmflut in Hamburg einen noch höheren
Wasserstand als vorher in Cuxhaven, so wird bei jedem weiteren Steigen des
Wassers um 0.3 m je ein Schuß abgegeben.
Besonders unangenehm ist eine solche Sturmflut bei Nacht. Die Bewohner
der Keller in den tiefgelegenen Straßen müssen ihre Habe zu bergen suchen;
die Kaufleute, die in den Kellern des Freihafens wertvolle Güter lagern, müssen
sich oft an Ort und Stelle begeben, um sich zu vergewissern, daß die vorge-
sehenen Schotten dicht schließen und Sandsäcke vorgelegt sind.
So wertvoll und für die Beteiligten beruhigend sich diese Einrichtung der
Warnungsschüsse auch in Hamburg gezeigt hat, so beschränkt sich ein solcher
Meldedienst, wenn er Nutzen bringen soll, doch nur auf Gebiete, die von der
Mündung so weit entfernt liegen, daß der Warnung die Gefahr nicht unmittel-
bar folgt, sondern daß noch Stunden an Zeit gewonnen werden, um Vorkehrungen
zur Abwehr der Gefahr zu treffen oder Vieh und Feldfrüchte rechtzeitig zu
bergen.
ee, Durch Sturmflutvoraussagen.
Wertvoller als unmittelbare Hochwassermeldungen sind daher für die Be-
wohner der Nordseeküsten und der Flußniederungen zuverlässige und recht-
zeitige Sturmflutvoraussagen. Diese gründen sich auf rechnerische Entwicklungen
von Verfahren zur Vorausberechnung‘ der Gezeiten und zur Voraussage von
Wasserständen, indem durch Untersuchungen eine große Abhängigkeit der
Wasserstände von dem Witterungsverlauf nachgewiesen werden kann, wie schon
auf S. 33 angedeutet worden ist.
Zunächst erhebt sich die Frage, welche Genauigkeit für die Voraussagen
als ausreichend anzusehen ist; im allgemeinen dürfte eine Genauigkeit von 1 dm
allen Bedürfnissen genügen.
Notwendig aber ist es, den Sturmflutwarnungsdienst auf einer breiteren
Grundlage’ aufzubauen als den Meldedienst. Es ist also zweckmäßig und
wünschenswert, die Wasserstandsvoraussagen nicht nur für einen Hafen zu