accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

3. Aus dem Tätigkeitsbereich der Abteilung G. 
33 
laufen sich bei Cuxhaven auf etwa 0.5 m, während die Abweichungen, die 
durch die Springzeit und Nippzeit hervorgerufen werden, nur etwa 0.2 m aus- 
machen. 
Alle Abweichungen der Wasserstände, die diese Beträge übersteigen, fallen 
den andern aufgeführten Ursachen zu, und zwar in erster Linie dem Winde. 
d. Wie beeinflußt die Windrichtung die Sturmfluthöhe? 
Die allgemeine Gesetzmäßigkeit der Einwirkung des Windes auf den Spiegel 
der Nordsee und ihrer Einbuchtungen ergibt sich aus Untersuchungen der Wasser- 
standsbeobachtungen von Cuxhaven und Wilhelmshaven, da an diesen Orten mit 
diesen Beobachtungen zugleich auch die Richtung und Stärke des dort herrschenden 
Windes aufgezeichnet worden ist. 
Werden die in einem genügend langen Zeitraume aufgetretenen Hochwasser 
den sechzehn Hauptwindrichtungen entsprechend zusammengestellt, so muß der 
Einfluß des Windes auf die Hochwasserhöhe klar zum Ausdruck kommen. Wird 
das gleiche auch für die beobachteten Niedrigwasserhöhen durchgeführt, s6 
werden sowohl für die Hochwasser als auch für die Niedrigwasser sechzehn 
Gruppen erhalten, deren jede die Wasserstände enthält, die bei der der Gruppe 
entsprechenden Windrichtung eintraten. Aus den Wasserständen verschiedener 
Höhe einer Gruppe wird dann ein Mittelwert berechnet, der für die die Gruppe 
darstellende Windrichtung bezeichnend ist. 
Es zeigt sich, daß die westlichen Winde das Wasser aufstauen, die östlichen 
das Wasser senken, während die nördlichen und südlichen Winde nur geringen 
Einfluß auf den Wasserstand haben. Für die Sturmfluten ist in erster Linie 
der Nordwestwind maßgebend, der die höchsten Erhebungen des Hochwassers 
hervorruft; dann erst folgen der Westnordwest- und der Westwind., Ebenso führt 
der Südostwind eine größere Senkung herbei als der reine Ostwind. 
Die Untersuchung lehrt ferner, daß sowohl das Hochwasser wie das Niedrig- 
wasser vom Winde beeinflußt werden, Die ganze beobachtete Wasserbewegung 
muß daher als im wesentlichen aus zwei Bewegungen hervorgehend betrachtet 
werden, aus den Gezeiten und dem Windstau, die sich annähernd im Sinne der 
allgemeinen Mechanik zu einer Resultante vereinigen; denn die Einwirkung 
der Winde auf das Niedrigwasser ist im allgemeinen stärker als die Wirkung 
auf das Hochwasser. 
Nachdem die Ursachen des Auftretens und des Anschwellens der Sturm- 
fluten an der deutschen Nordseeküste und in ihren Flußmündungen dargelegt 
sind, soll nun angegeben werden, wie oft und wann besonders solche Sturmfluten 
beobachtet werden. 
2. Wie oft tritt eine Sturmflut auf ? 
Zunächst erhebt sich die Frage, von welcher Wasserstandshöhe ab der ge- 
wöhnliche Begriff des Hochwassers durch den andern Begriff der Sturmflut 
zweckmäßig zu ersetzen ist, Dem in Hamburg altüblichen Gebrauche folgend, 
nach dem das Mindestmaß der Sturmfluten so festgesetzt wurde, daß dabei gerade 
entweder Menschen oder deren Hab und Gut gefährdet wurden, soll auch hier 
jedes Hochwasser, welches in Cuxhaven das Maß von 5.9 m über H.N. über- 
schreitet und das in Hamburg in der Regel das Maß von 6.3 m über H. N. 
erreicht oder überschreitet, als Sturmflut bezeichnet werden, In früherer Zeit 
waren bei 6.30 m Wasserstand die niedrigst gelegenen Stadtteile Hamburgs, ins- 
besondere die Keller, schon der Überschwemmungsgefahr ausgesetzt, 
im Verlauf der letzten vierundachtzig Jahre von 1841 bis 1924 einschließlich, 
während welcher Zeit im ganzen fast 60000 Hochwasser stattfanden, traten in 
Hamburg 640 Sturmfluten von + 6.30 m über H.N. und mehr ein, eine Anzahl, 
die gestattet, allgemeine Betrachtungen daran zu knüpfen. Hiernach erreicht 
fast jedes hundertste Hochwasser Sturmfluthöhe oder, da der obige Zeitraum fast 
31000 Tage umfaßt, tritt eine Sturmflut durchschnittlich etwa alle 50 Tage ein, 
Da dies Ereignis also nicht so selten ist, würden die Flußniederungen, wenn sie 
nicht eingedeicht wären, oft erhebliche und schwer schädigende Überschwem- 
mungen erleiden,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.