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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

5. Aus dem Tätigkeitsbereich der Abteilung G. 
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Wasserfläche des Meeres. Zu diesen Einwirkungen der Gestirne und des Windes 
auf die Höhe des Meeresspiegels kommt als mittelbare Ursache, die die Wirkung 
des Windes unterstüzt, die Lage und Gestalt der betroffenen Meeresteile und 
Küsten und in geringerem Maße auch noch der Einfluß des Luftdruckes in Be- 
tracht, ferner im Unterlaufe von Flüssen auch das durch die Flüsse aus dem 
Binnenlande in das Meer abfließende Wasser, das „Oberwasser“. Vergeblich fast 
war bisher das Bemühen, die Wirkungen aller einzelnen Ursachen voneinander 
zu trennen, Die außerordentlich hohen Sturmfluten sind hauptsächlich der Ein- 
wirkung des Windes auf den Meeresspiegel zuzuschreiben, 
a. Wie wirkt der Wind auf den Meeresspiegel ein, und welchen Einfluß 
hat dabei die Gestalt der Küste? 
Wenn der Wind über eine Wasserfläche weht, so erzeugt er auf dieser je 
nach der Tiefe und Ausdehnung des Meeresteils Wellen von verschiedener Größe, 
Mit zunehmender Wassertiefe werden die Wellen wachsen; mit der Ausdehnung 
der vom Winde bestrichenen Wasserfläche werden die Wellen, da sich ihre 
Schwingungen bis zu einem gewissen Grade vereinigen, ebenfalls wachsen. Aus 
diesem Grunde werden in der Nähe der Küste niemals hohe Wellen auftreten, wenn 
der Wind aus dem Lande steht. ; 
Bei nur schwachen Winden behalten die Wellen während der ganzen Dauer 
giner Schwingung nahezu ihre reine Form bei, indem jedes der die Welle bildenden 
Wasserteilchen nach vollendeter Schwingung in seine frühere Lage zurückkehrt, 
Wird der Wind stärker, so werden die beiden Abhänge der Welle vom Winde 
mit verschiedener Kraft getroffen, da der dem Winde abgekehrte, vordere Abhang 
der Welle durch den Wellenkamm vor der unmittelbaren Einwirkung des Windes 
geschützt ist, während der hintere Abhang in seiner ganzen Fläche vom Winde 
vorwärtsgestoßen wird. Infolgedessen überholt der hintere Abhang den vorderen 
teilweise und kehrt, da der Kopf der Welle abgebrochen wird und schäumend 
auf den vorderen Abhang überbricht, nach vollendeter Schwingung der Welle 
nicht wieder in seine frühere Lage zurück. 
Je nach den Umständen werden die schäumend vor dem Winde über- 
brechenden Kämme der Wellen die Höhe des Meeresspiegels verschiedenartig 
beeinflussen. Auf der offenen See wird der Wind irgendeiner Stelle in den 
meisten Fällen von der einen Seite ebensoviel Wasser zuführen, wie er ihr nach 
der entgegengesetzten Seite abführt, so daß die Höhe des Wasserspiegels nicht 
merklich verändert werden wird. In einem größtenteils von Land umgrenzten 
Meeresteil, wie z. B. die Nordsee es ist, wird das nach der einen Seite vom Wind 
entführte Wasser von der andern Seite nicht mehr wieder ersetzt werden können; 
der Meeresspiegel wird hier sinken und dadurch, wenn auch in geringerem 
Maße, eine Senkung der rückwärts gelegenen Wasserflächen zur Folge haben. 
Ähnlich wird es sein, wenn ein ablandiger Wind die Meeresoberfläche trifft. 
Erst in einiger Entfernung von der Küste werden sich größere Wellen bilden, 
die das Wasser von der Küste entfernen; an dieser selbst wird nur mittelbar 
eine Senkung des Meeresspiegels veranlaßt. An der vom Winde getroffenen 
Küste können dagegen sehr erhebliche Erhöhungen des Meeresspiegels entstehen; 
doch wird das Maß der Erhebung wesentlich von dem Verlauf der Küstenlinie 
abhängen. ; 
Wenn die Küste eine vorspringende Ecke bildet und damit dem Winde 
gleichsam die Spitze bietet, so kann das andringende Wasser zu beiden Seiten 
abfließen und an der Ecke eine verhältnismäßig. nur geringe Erhöhung verur- 
sachen, An einer Küste, die dem Winde in langer, gerader Linie entgegensteht, 
wird die Erhebung beträchtlich werden können, Der größte Anstau des Wassers 
wird sich aber an der Küste vollziehen, die eine tiefe und sich allmählich ver- 
engende Bucht begrenzt. 
Wenn daher ein schwerer und anhaltender Sturm über die Nordsee in ihrer 
ganzen Breite dahinbraust, wenn die riesigen, donnernd sich brechenden Wogen 
unaufhaltsam aufeinander folgen, werden große Wassermassen vor dem Winde 
auf die deutsche Küste gejagt. Wenn sie dann in die weitgeöffnete Deutsche
	        
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