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Aus dem Arbeitsbereiche der Deutschen Seewarte in Hamburg.
bezw. „Achtung POZ MGZ“ entsprechen. Durch zwei Kontakthebel, deren Nasen
bei Drehung der Scheiben in die Einschnitte fallen, werden die betreffenden
Morsezeichen mit Hilfe einer elektrischen Übertragung den Funksendern auto-
matisch übermittelt. Das Laufwerk, das sich im allgemeinen in Ruhe befindet,
wird jeweils 58 vor dem Beginn der Vorsignale, also um 12h 54m 55%, mit Hilfe
eines im Werk angebrachten Elektromagneten automatisch in Bewegung gesetzt.
Zu jener Zeit wird nämlich der elektrische Stromkreis, der den Auslösungs-Elektro-
magneten des Vorsignalgebers erregt, geschlossen durch eine mit entsprechenden
Kontakteinrichtungen versehene Pendeluhr, deren Stand von den Beamten der
Großfunkstelle mit Hilfe von Zulagegewichten bis auf einige Sekunden genau auf
Null gehalten wird. Nach Abgabe der Vorsignale arretiert sich das Laufwerk
selbsttätig.
Eine möglichst große Genauigkeit ist, wenn den Anforderungen aller Inter-
essenten Rechnung getragen werden soll, erforderlich bei der Abgabe der Haupt-
signale, Diese müssen daher, wie es auch bei der Auslösung der Vorsignale ge-
schieht, den Sendern durch automatisch arbeitende Vorrichtungen zugeführt werden,
und ferner ist bei der Auslösung der Hauptsignale die Mitwirkung einer Stelle
erforderlich, die Zeitangaben mit möglichst hoher Genauigkeit liefern kann, Die
Verantwortung für die Signale ist der Deutschen Seewarte, als dem größten deut-
schen Schiffahrtsinstitut, übertragen worden. Ein Teil der für den Signalbetrieb
erforderlichen Apparate und Instrumente befindet sich in Nauen; die übrigen
sind auf der Seewarte zu Hamburg aufgestellt. Als Bindeglied zwischen beiden
Stellen dient ein vom Reichspostministerium zur Verfügung gestelltes, rund 250 km
Janges Telegraphenkabel. Mit Hilfe dieser Leitung werden vor jeder Signal-
abgabe die beiden Zeitsignalgeber der Großfunkstelle von der Seewarte aus genau
zur richtigen Zeit in Bewegung gesetzt und übermitteln dann den Sendern die
im Signalschema angegebenen Vorbereitungszeichen, die Hauptsignale und das
Schlußzeichen. Es werden also nicht alle Signalzeichen einzeln durch die lange
Leitung gegeben, sondern bei jeder Signalabgabe wird das Kabel nur für einen
kurzen Stromstoß von beiläufig zwei Sekunden Dauer in Anspruch genommen.
Der eine der beiden Zeitzeichengeber der Großfunkstelle ist von Professor
Wanach in Potsdam, der andere von Uhrmacher Max Richter in Berlin gebaut
worden, Beide beruhen nicht auf dem Prinzip des Laufwerks, sondern jeder
besitzt ein Uhrwerk mit Sekundenpendel. Das Uhrwerk des Wanachschen Signal-
gebers!) dreht in 200 Sekunden eine kreisrunde Scheibe, die auf der Peripherie
eine Anzahl von teils abgestumpften, teils spitzen Zähnen trägt, welche nach
Zahl und Anordnung den einzelnen Signalzeichen entsprechen, Zwei Kontakt-
federn, die dicht neben der Zeichenscheibe angebracht sind, werden beim Vor-
übergang der einzelnen Zähne zusammengedrückt und schließen dann den Strom-
kreis einer Batterie, die alle Zeichen mit Hilfe der schon beim Vorsignalgeber
erwähnten elektrischen Übertragung an die Sender weitergibt, Die spitzen Zähne
der Scheibe liefern die Punktsignale, die abgestumpften Zähne erzeugen die Se-
kundenstriche,
Das Pendel des Signalgebers schwingt nur zur Zeit der Signalabgabe. Im
allgemeinen befindet es sich in Ruhe: das untere Ende der Pendelstange wird
seitwärts von der Mittellage, also in schiefer Stellung der Stange, festgehalten
durch einen kleinen Stahlklotz, der auf dem Anker des »Auslösungs-Elektro-
magneten« befestigt ist. Dieser Anker mit seinem Stahlklotz wird nun durch
den Auslösungs-Stromstoß, den die Seewarte durch die Telegraphenleitung nach
Nauen schickt, niedergezogen und in tiefer Lage festgehakt, so daß er die Pendel-
schwingung, die sofort nach Beginn des Stromstoßes einsetzt, nicht stören kann.
Nunmehr ist der Signalgeber im Betrieb. Seine Zeichenscheibe dreht sich einmal
herum und gibt die Signale. Nach Beendigung des Umlaufs der Scheibe springt
der Anker des Auslösungs-Elektromagneten wieder nach. oben, und sein Stahlklotz
fängt das Pendel ab. Damit ist der Signalgeber wieder im Ruhezustande.
1) Der Signalgeber von Richter beruht auf denselben Prinzipien wie der Wanachsche und unter-
scheidet sich von letzterem nur in unwesentlichen Einzelheiten,