accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

3. Die Arbeiten der Abteilung III.

21

der Wetterkarten dienen die mehrmals täglich vom Aeronautischen Observatorium
Lindenberg drahtlos übermittelten Höhenwindmessungen und Wettermeldungen
einer Reihe deutscher Stationen, Eine weitgehende Streckensicherung ist auf Grund
dieses Nachrichtenmaterials jedoch nicht möglich. Hierzu ist es notwendig, daß
an den Luftwegen selbst Beobachtungsstellen sich befinden, die zu den Startzeiten
 Wettermeldungen den Flugwetterwarten übermitteln. Besonders notwendig
sind solche Streckenmeldungen von den Gebieten, die häufiger durch Schlechtwetter
 ausgezeichnet sind, wie z. B. Moorgebiete und Flußniederungen mit verstärkter
 Nebelhäufigkeit, Höhenzüge, auf denen niedrige Wolkendecken schon
häufig aufliegen und als Nebel in Erscheinung treten, und an denen die Gewittertätigkeit
 verstärkt ist, in Ostpreußen die Nehrungen mit ihren eigentümlichen
Nebelverhältnissen; an solchen Stellen hat die Seewarte mehrere Beobachtungsstationen
 eingerichtet. Ein allgemeines Streckensicherungssystem hat das Aeronautische
 Observatorium Lindenberg eingeführt, in dessen Rahmen an allen
deutschen Flugstrecken eine Reihe von Postämtern Wettermeldungen den beratenden
 Flugwetterwarten zu den Startzeiten telegraphisch zuleitet.
Ähnliche Streckenmeldungen werden vom Auslande drahtlos übermittelt.
Länder mit starkem Luftverkehr, wie beispielsweise England und Holland, sind
sogar dazu übergegangen, ihre Flugstreckenmeldungen nicht zu den Startzeiten,
sondern, unabhängig vom Flugplan, stündlich zu sammeln und zu funken,
Ein wesentlicher Fortschritt in der Flugstreckensicherung ist es, daß nunmehr
 die Mehrzahl der deutschen Flughäfen auch mit Sendegerät zur Verbreitung
 von Wetter- wie Flugbetriebsfunksprüchen ausgerüstet wird, nachdem
sie funkentelegraphisches Empfangsgerät schon seit längerer Zeit besitzen. Innerhalb
 des Wetterdienstbereiches der Deutschen Seewarte ist auf dem Flughafen
Hamburg-Fuhlsbüttel eine weitreichende Sendestation, die die Wetterfunksprüche
der dortigen Flugwetterwarte ausstrahlt, bereits seit dem Frühjahr 1924 in Betrieb;
 die Flughafensender in Königsberg und Hannover sind in diesem Frühjahr
eingerichtet worden.
Die wetterkundliche Beratung des planmäßigen Luftverkehrs hat sich in
steigendem Maße bewährt. Mehrfach sind bei Schlechtwetter die von den Flugwetterwarten
 der Seewarte beratenen Flüge durchgeführt worden, während die
Gegenflugzeuge auf der Strecke umkehren oder notlanden mußten. Besondere
Anforderungen stellte die Beratung der über die Ostsee führenden Nachtflugstrecke
 Stettin— Kopenhagen, die von der Wetterwarte Swinemünde mit großem
Erfolge durchgeführt wurde,
Jedoch war nicht nur der planmäßige Luftverkehr zu beraten, sondern auch
sine größere Anzahl von Sonderflügen, Photoflügen, Überführungs- und Schul-Mügen.
 Als Beispiel wetterkundlicher Beratung eines Sonderunternehmens im
Flugzeug sei die Beratung des Flugzeuges D60 der Hamburger Gesellschaft
für Luftverkehrsunternehmungen angeführt, das angesetzt wurde, um einen
Wachmann von dem Mitte November 1923 auf den Tertiussänden, 10 Seemeilen
westlich von Büsum, gestrandeten Motorschiff „Sonderburg“ zu holen. Infolge
der Eisblockierung des Wattenmeeres bestand keine andere Möglichkeit, mit dem
Wachmann in Verbindung zu treten, dessen Proviant in den ersten Januartagen
zu Ende ging. Am 3. Januar war die Flugzeug -Hilfsexpedition startbereit.
Unter dem Einflusse eines flachen, morgens über Westdeutschland und den
Niederlanden liegenden Teiltiefs herrschte jedoch im Gebiete der Deutschen Bucht
nebeliges Wetter mit zeitweiligen Schneefällen, das den Flug verbot. Da jedoch
las Teiltief nach Südosten zu ziehen schien und auf seiner Rückseite ein Vorstoß
 kalter Luftmassen aus dem skandinavischen Kältebecken zu erwarten war,
konnte am 3. mittags dem Flugzeugführer Tüxen für den folgenden Tag aufheiterndes
 Wetter und ausreichende Sicht vorhergesagt werden, Am 4, früh
hatte zwar das Niederelbegebiet noch Nebel; es meldeten jedoch Keitum bereits
20 km Sicht und List auf Sylt „sichtig“. Bei dem weiteren Vordringen der
Kaltluft und der dementsprechenden Südwärtsentwicklung des nordischen Hochs
war daher auch an der Unterelbe mit baldigem Aufklaren zu rechnen, so
daß für die Flugstrecke Hamburg— Eidermündung die in allen Einzelheiten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.