3. Die Arbeiten der Abteilung II.
19
Wie die unter 2. geschilderten Funkwetterberichte, so werden auch die
Sturmwarnungen für die auf See befindlichen Schiffe drahtlos verbreitet, und
zwar senden:
Norddeich: Sturmwarnungen für die Nordsee je zweimal hintereinander sofort nach Eintreffen und
außerdem um: 0615, 1115 (im Anschluß an das Funkwetter), 1730 und 2230 (im An-
schluß an das Funkwetter).
Swinemünde: Sturmwarnungen für die Küste von Flensburg bis Leba je zweimal hintereinander
sofort nach Eintreffen und außerdem um: 0630, 1130 (im Anschluß an das Funkwetter),
1750 und 2245 (im Anschluß an das Funkwetter).
Pillau: Sturmwarnungen für die östliche Ostsee, sofort nach Eintreffen dreimal hintereinander und
im Anschluß an „Funkwetter“,
Die drahtlosen Sturmwarnungen für die letzten beiden Funkstellen werden
wie die drahtlich gegebenen Warnungen von den Wetterwarten Swinemünde und
Königsberg herausgegeben. .
4. Allgemeiner Auskunftsdienst,
Jede Wettervorhersage, jede Warnung, ist sie auch noch so eingehend und
bestimmt, hat immer den Nachteil, daß sie für ein größeres Gebiet gelten muß
und den meist recht verschiedenen Wünschen der Interessenten nicht im einzelnen
gerecht werden kann. Sie wird immer notgedrungenermaßen eine allgemeine
Fassung haben müssen. Die Veröffentlichung von Wetterkarten und Wetter-
übersichten ermöglicht schon einem mit der Materie vertrauten Leser der
Vorhersage, diese für seine Zwecke zeitlich und räumlich zu deuten. Die beste
Wetterberatung wird aber dann erzielt werden, wenn der Meteorologe selbst
über den Zweck, für den die Beratung gewünscht wird, hinreichend unterrichtet
ist und nun auf Grund seines umfassenderen Überblicks und seiner Kenntnis
der inneren Zusammenhänge der Erscheinungen die Beratung selbst ausführen
kann, mag das nun persönlich, telephonisch oder telegraphisch geschehen. In
diesen Fällen kann der Meteorologe die Vorhersage den Wünschen des An-
fragenden gemäß zuschneiden und ihm wichtige Ratschläge für seine Dispositionen
geben. In der Erkenntnis, daß solche für die Schiffahrt besonders wichtigen
Wetterberatungen ständig sichergestellt sein müssen, ist von der Deutschen
Seewarte ein durchlaufender, sich auch über die Nachtstunden erstreckender
Wetterdienst eingerichtet worden,
Die Erkenntnis der Vorteile solcher Spezialberatung bricht sich immer mehr
Bahn. Von ihr machen vor allem die Reedereien Gebrauch. Sie holen sich täg-
lich die Wettermeldungen von den Seegebieten Europas ein, die von ihren Schiffen
befahren werden, und können so die Reisedauer ihrer Schiffe besser beurteilen,
ihre Dispositionen hinsichtlich Schiff und Ladung präziser und damit wirtschaft-
licher treffen. Am interessantesten ist aber immer für den Meteorologen die Be-
ratung von Sonderfällen:
Die Schiffswerft will wissen, ob und wann sie ein Schiff, das nur Seegang 4
vertragen kann, nach der Schelde überführen kann; ein Schleppzug, nach Esbjerg
bestimmt, muß zwei Tage ruhiges Wetter haben, wann abfahren? Ein Segler
braucht in der Ostsee mehrere Tage östliche Winde; Bergungsarbeiten warten
für mehrere Tage auf ruhiges Wetter oder auf ablandige südliche Winde. Ein
Stapellauf kann wegen niedrigen Wasserstandes infolge von Ostwinden nicht statt-
linden, wann setzen Westwinde ein, wann kann mit dem Stapellauf gerechnet
werden? Bei Nebel auf der Elbe ankern die von See kommenden Schiffe der
Kollisionsgefahr wegen bei den Elbfeuerschiffen, und es sammelt sich im Laufe
des Tages eine stattliche Zahl von Schiffen dort an, Anfragen von Reedereien,
Stauerei- und Kohlenbetrieben: Wann kann mit dem Aufkommen der Schiffe
gerechnet werden?
Dieses nur als kurze Charakterisierung der Art der Anfragen, Sie zu be-
antworten, ist wohl die dankbarste Arbeit für den Meteorologen, denn hier kann
er seine Aufgabe räumlich und zeitlich scharf erfassen, und er kennt den Zweck,
für den er die Auskunft geben soll. Hier steht er mit dem Interessenten in
unmittelbarer Verbindung, und in voller Kenntnis der Verantwortung der wirt-
schaftlichen Folgen kann er seine Beratung ausüben.