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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

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'Aus dem Arbeitsbereiche der Deutschen Seewarte in Hamburg. 
Wie aus der für den Beobachtungstermin 8% VYm. angegebenen Sendetabelle 
zu ersehen ist, geben fast immer zwei Länder gleichzeitig; ohne Pause reiht sich 
Funkspruch an Funkspruch, so daß in verhältnismäßig kurzer Zeit ein umfang- 
reiches Nachrichtenmaterial vorliegt. 
Neben diesen, Europa, Asien und Nordafrika umfassenden Nachrichten werden 
auf der Deutschen Seewarte seit einiger Zeit die nordamerikanischen, von Anna- 
polis verbreiteten Wettermeldungen direkt aufgenommen und, wie nachher gezeigt 
wird, eine Stunde später dem deutschen Wetterdienst bekannt gegeben, Die Lücke, 
die zwischen dem nordamerikanischen und dem europäischen Nachrichtennetz auf 
dem Atlantischen Ozean bestand, konnte nur durch das Heranschaffen von Schiffs- 
beobachtungen gefüllt werden. Anschließend an die Erfahrungen der Vorkriegs- 
zeit sammelten in den ersten Jahren nach dem Kriege England und Norwegen 
durch ihre Küstenfunkstellen auf dem Atlantik angestellte Schiffsbeobachtungen 
und leiteten sie durch ihre Sammelwetterberichte dem europäischen Wetterdienst 
zu. Mit dem Wiedererstarken deutscher Ozeanschiffahrt, dem Einbau stärkerer 
Sendeanlagen auf unseren größeren Dampfern konnten auch deutsche Schiffe zu 
einem solchen Wettermeldedienst herangezogen werden. So setzen heute zwölf auf 
der Nord- und Südamerikafahrt beschäftigte deutsche Dampfer ihre, zu den gleichen 
Zeiten wie an den Landstationen angestellten Beobachtungen an die Küstenfunk- 
stelle Norddeich ab. Von dort aus werden sie an die Deutsche Seewarte geleitet 
und von ihr in den deutschen Sammelberichten der Allgemeinheit bekanntgegeben. 
Zusammen mit den Meldungen ausländischer Schiffe ist die Zahl der an den 
einzelnen Beobachtungsterminen vorliegenden Schiffswettermeldungen ausreichend, 
um laufend ein Bild von der Luftdruckverteilung über dem Nordatlantischen 
Ozean als Bindeglied zwischen Europa und Nordamerika einschalten zu können. 
Für die Aufnahme dieser täglich drei-, zum Teil sogar viermal gespendeten 
Funksprüche steht eine den Anforderungen entsprechende Funkempfangsanlage 
zur Verfügung: 
1 Dreikreisempfänger mit Audionzusatzgerät und dreifacher Verstärkung, 
1 Audionsekundärgerät mit zweifacher Vertärkung mit einem Wellenbereich von 
300—24 000 m. Zwei weitere Empfänger dienen als Reserve, Auf einer Morse- 
leitung nach dem Telegraphenamt Hamburg werden die auf dem Drahtwege ein- 
gehenden deutschen Beobachtungen an die Seewarte und von der Seewarte das 
für die Küste und das Binnenland bestimmte Nachrichtenmaterial befördert. 
Eine von der Funkstation nach dem Wetterdienstzimmer führende Rohrpost- 
anlage sorgt für umgehende Zustellung der eingehenden Wetterfunksprüche an 
den Telegraphenbetriebs- und -senderaum, 
Die Zahl der dem Wetterdienst durch diese Nachrichtenorganisation täglich 
zugeführten Wettermeldungen hat nach dem Kriege, besonders in den letzten 
Jahren, ganz erheblich zugenommen, Erstens ist das über Europa ausgespannte 
Stationsnetz nahezu um das Doppelte verdichtet worden und zweitens hat es 
sich räumlich durch Hinzutreten amerikanischer, russisch-asiatischer und nord- 
afrikanischer Stationen und durch eine größere Zahl von Schiffsbeobachtungen 
vom Atlantischen Ozean ganz bedeutend erweitert. So umspannt es heute — mit 
Ausnahme des Stillen Ozeans — die ganze nördliche Halbkugel zwischen dem 
20. und 80, Breitengrad. 
Neben diesem, mehr auf internationaler Basis ruhenden Nachrichtendienst 
erwächst der Deutschen Seewarte als Nachrichtenzentrale eine weitere Aufgabe, 
Nicht nur die Finanznot Deutschlands, sondern auch sachliche und praktische 
Gesichtspunkte sprechen dagegen, daß jede Wetterdienst ausübende Stelle, sei es 
nun eine Wetterdienststelle, Flugplatz, Heer- oder Marinestelle einen so umfang: 
reichen und kostspieligen Empfangsdienst unterhält wie die Deutsche Seewarte. 
Es mußte angestrebt werden, das gesamte europäische Nachrichtenmaterial in 
gedrängter Form in einem Sammeltelegramm zusammengefaßt nochmals zu ver- 
breiten, die Hauptarbeit des mühsamen Sammelns nur an einer Stelle zu verrichten. 
Aus diesen Gedankengängen heraus erfolgt die Verbreitung der europäischen 
Sammeltelegramme, sogen. „Funkobs. Europa“, Telegramme, die in einem ver- 
kürzten Zahlencode die Beobachtungen von 50—60 Stationen Europas geben.
	        
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