1. Die Arbeiten der Abteilung I.
für die Schiffahrt geschlossen. In stärker auftretenden und anhaltenden Frost-
perioden dehnt sich die Behinderung der Schiffahrt durch Eis auch nach den
Häfen und Revieren der Ost- und Nordseeküste aus. In früheren Jahren bestand
die deutsche Handelsflotte zum größten Teil aus hölzernen Segelschiffen, die für
die Winterfahrt im Eise nicht geeignet waren; man brachte sie während der
Winterszeit ins Winterlager und setzte sie wieder in Fahrt, wenn die Eisgefahr
vorüber war, ;
Die Handelsflotte besteht jetzt zum größten Teil aus Dampfern. Diese setzen
den Eisschwierigkeiten eine viel größere Widerstandskraft entgegen und werden
während des ganzen Winters nach Häfen, die zugänglich sind, in Fahrt gehalten.
Dadurch entstehen den Schiffen allerdings mannigfache Gefahren. Besonders auf
der Fahrt nach den finnischen Häfen und den nördlichen Häfen Schwedens treffen
die Schiffe auch in der freien See Eis an. Die dort treibenden Eismassen werden
oft so schwer, daß Schiffe darin fest geraten, durch Eispressungen leck gedrückt
werden, schwere Schäden erleiden und nicht selten ihren Untergang dadurch
finden. Es sind schon Fälle vorgekommen, daß Schiffe durch Eispressung aus
dem Wasser herausgehoben worden sind und oben mit dem Eise trieben, andere
Schiffe sind durch Eis gegen die Küste gedrängt, auf Klippen geschoben worden
und haben dadurch schwere Havarien erlitten. Um den in schwerer Bedrängnis
befindlichen Schiffen nach Möglichkeit Hilfe zu leisten, hat man eigens dafür
eingerichtete schwere Dampfer, die sogenannten Eisbrecher, gebaut, die das Eis
aufbrechen und die Schiffe aus dem Eise befreien. Auch die Schiffe der deutschen
Reichsmarine haben sich stets sehr verdient gemacht, um die Schiffe aus Eisnot
zu retten. Welche Dimensionen die Eisschwierigkeiten annehmen können, zeigt
die Tatsache, daß in der Zeit vom 11. bis 28. Februar 1922 an der schwedischen
Seite des Kattegats 78 Schiffe im Eise festsaßen und dadurch schwer bedroht
waren. In besonders strengen Wintern, wie wir sie in den vergangenen Jahren
wiederholt erlebt haben, dehnen sich diese Gefahren selbst bis nach den
deutschen und dänischen Gewässern der freien Ostsee aus. Es ist daher ein
dringendes Bedürfnis geworden, Maßregeln zu treffen, um die Schiffahrt und
das damit eng verbundene gesamte Wirtschaftsleben nach Möglichkeit zu
schützen gegen die Eisgefahren des Winters, Zu dem Zweck wurde nach und
nach ein mehr geregelter Eisnachrichtendienst eingeführt; seit dem Winter von
1896 auf 1897 ist dieser Dienst unter eine einheitliche Leitung gebracht worden.
Von der Zeit ab wurden täglich Berichte über die Eisverhältnisse an den
wichtigsten Küstenplätzen gesammelt und im Interesse der Schiffahrt veröffentlicht.
Der Deutschen Seewarte ist im Jahre 1919 der gesamte Eisnachrichtendienst
übergeben worden, Sie unterhält an 29 Stationen der Ostsee- und an 26 Stationen
der Nordseeküste Eisbeobachter, die täglich, mit Ausnahme von Sonn- und Feier-
tagen, der Seewarte telegraphische verschlüsselte Meldung machen über die um
8 Ulrr vormittags an ihren Stationen herrschenden Eis- und Schiffahrtsverhältnisse.
Diese Meldungen, sowie diejenigen von 18 dänischen Stationen, werden zu einem
Sammeltelegramm zusammengestellt, und allen mit der Schiffahrt in Verbindung
stehenden Behörden der wichtigsten Hafenplätze zwecks Auskunfterteilung an
die Schiffahrt zugesandt und dort öffentlich ausgehängt.
Auf Anregung der Deutschen Seewarte ist zwischen Schweden, Finnland,
Rußland und den baltischen Staaten der während des Krieges zur Stockung
gebrachte Austausch der Eisnachrichten wieder aufgenommen. Die Eismeldungen
dieser Länder werden verschlüsselt und drahtlos verbreitet und durch die Funk-
station der Deutschen Seewarte aufgenommen. Diese Berichte finden, zusammen
mit dem vorerwähnten telegraphischen Sammelbericht, in einem durch die See-
warte bearbeiteten schriftlichen Eisbericht Aufnahme und werden den oben-
genannten Behörden ebenfalls zur Auskunfterteilung an die Schiffahrt über-
mittelt, so daß der schriftliche Eisbericht (XVIII) Meldungen über die Eis- und
Schiffahrtsverhältnisse von 224 Küstenpunkten, Häfen und Revieren enthält.
Für die in See befindlichen Schiffe senden die Funkstationen Königswuster-
hausen, Norddeich und Swinemünde täglich drahtlose verschlüsselte Meldungen
aus. Auch können Schiffe auf Anfrage von gewissen Küstenfunkstellen Nach-