accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Castens, G.: Deutsche Atlantische Expedition auf d. Vermessungs- u. Forschungsschiff „Meteor“, 55 
schen Aspirations-Psychrometer erwiesen haben, einwandfreie Aufzeichnungen 
ergeben. Einen großen Fortschritt bedeutet die Methode der Lufttemperatur- 
aufzeichnungen mittels elektrischer Fernthermometer am Mast in 28 m Höhe, in 
der Thermometerhütte und — je nach der Windrichtung — am Bug oder Heck 
des Schiffes. Auf der Ausreise fanden bis Buenos Aires insgesamt 50 Pilotballon- 
aufstiege statt; ihre mittlere Höhe war 5700 m; 13 Aufstiege überschritten 
10000 m, der höchste erreichte 24000 m. Der Wegener-Kuhlbrodtsche Sonder- 
theodolit!) hat sich wieder bewährt. Zwischen 31° N-Br. und 383° S-Br, wurden 
neun erfolgreiche Drachenaufstiege gemacht. bis zu 3600 m Höhe, Die Bestimmung 
der Höhenwinde durch Schießen einer Sprengwolke geschah einmal mit fünf 
Schuß; der höchste lag etwa 7009 m hoch, Strahlungsmessungen mittels des 
Michelsonschen Aktinometers (später auch mit dem Hartmann-Braunschen 
Universal-Aktinometer}) konnten nur gelegentlich vorgenommen werden, wenn der 
Himmel genügend wolkenfrei war, Die betreffenden Selbstaufzeichnungen erlitten 
häufig Störungen durch Beschlagen des Meßgerätes auf dessen Innenseite in den 
Tropen, durch Rauchfahne und Takelageschatten. Verdunstungsmessungen sind 
vom Englischen Kanal ab regelmäßig vorgenommen worden, wurden indes häufig 
durch Flugaschenfall beeinträchtigt. 
Auf der ganzen Fahrt von den Cap Verden nach Buenos Aires herrschte 
ungewöhnliches Wetter?),. Der NO-Passat wurde erst bedeutend weiter südlich 
und viel schwächer, als im Mai zu erwarten stand, angetroffen. Schon auf 10- 5-Br. 
setzten Regenschauer bei östlichen und nordöstlichen Winden ein. Im allgemeinen 
lag die Südgrenze des SO-Passates zwischen 15° und 20° S-Br. Außerordentlich 
rasch und unvermittelt trat der Witterungswechsel südlich von Rio de Janeiro 
auf: die Luft- und Wassertemperatur fiel innerhalb drei Tagen um 15°. 
Bei den St Pauls-Klippen wurde im Gegensatz zu den Wahrnehmungen der 
Challenger- Expedition und den bisherigen Stromangaben, NO-Strom, 1,7 Sm, 
beobachtet, Die in 16° 52 S-Br., 36° 15’ W-Lg. gelegene Flybank wurde nicht 
gefunden, wenn auch die Tiefe an dieser Stelle von 4000 auf 980 m abgenommen 
hatte; es ist anzunehmen, daß die flachen Stellen der Bank östlich oder westlich 
von dem in der Seekarte angegebenen Punkt liegen. Die Hotspurbank wurde 
aufgefunden, Die betreffenden Tiefenangaben sind richtig, jedoch beginnt die 
Bank bereits 41, Sm weiter nördlich, als in der Karte vermerkt. Die Bus- 
bridgebank und die Montaguebank wurden an den betreffenden Kartenorten 
nicht angetroffen; bei der letztgenannten läßt die erkundete Tiefenabnahme von 
4000 auf 1100 m die Vermutung zu, daß die Bank vorhanden ist und auf einer 
anderen Länge liegt. 
Am 3. Juni verließ der. „Meteor“ Buenos Aires, um nunmehr auf dem 
Schnitt I seine planmäßigen ozeanolopyischen Arbeiten aufzunehmen. Fünf 
Stationen waren erledigt — da traf die Expedition jener schwere. Schlag, dessen 
erschütternde Tragik die Anteilnahme aller . beteiligten Kreise wachrief. Der 
Mann, dessen Lebensarbeit die „Deutsche Atlantische Expedition“ krönen 
sollte, der in allem Wesentlichen die Leitgedanken und die Ausführung in mehr- 
jährigem rastlosen Schaffen ausgearbeitet und vorbereitet hatte, erkrankte schwer, 
Der „Meteor“ mußte nach Buenos Aires zurückkehren, und im dortigen Deutschen 
Hospital ist Professor‘ Dr. Alfred Merz am 16. August 1925 im Alter von 
45 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Es ist ihm noch 
vergönnt gewesen, bei den von ihm geleiteten Arbeiten an den ersten fünf 
Stationen des Schnittes I sich davon zu überzeugen, daß die Expedition in der 
Art, wie er sich die Erledigung im einzelnen gedacht hatte, ohne Einschränkung 
durchführbar ist. Die wissenschaftliche Leitung der Expedition ist nach seinem 
Tode dem Kommandanten des „Meteor“, Fregattenkapitän Spieß, übertragen worden. 
Das Wetter begünstigte die Arbeiten auf dem Schnitt I nicht; es war meist 
stürmisch, teilweise sehr stürmisch bei niedriger und starker Bewölkung, Hier- 
durch wurden vor allem die aerologischen Forschungen beeinträchtigt. Die 
ıy Ann. d. Hydr, 1922, 5. 241ff,; Arch, d, D, Sw., Bd, 40 H. 4, BA 41 H, 4, Bd, 42 H.2. 
% Ein Hinweis auf die eigenartigen Störungen in der Et Nino-Strömung und die abnormen 
Witterungserscheinungen an der Westküste Südamerikas im Jahre 1925 liegt nahe. G. Ca.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.