Castens, G.: Deutsche Atlantische Expedition auf d. Vermessungs- u. Forschungsschiff „Meteor“, 55
schen Aspirations-Psychrometer erwiesen haben, einwandfreie Aufzeichnungen
ergeben. Einen großen Fortschritt bedeutet die Methode der Lufttemperatur-
aufzeichnungen mittels elektrischer Fernthermometer am Mast in 28 m Höhe, in
der Thermometerhütte und — je nach der Windrichtung — am Bug oder Heck
des Schiffes. Auf der Ausreise fanden bis Buenos Aires insgesamt 50 Pilotballon-
aufstiege statt; ihre mittlere Höhe war 5700 m; 13 Aufstiege überschritten
10000 m, der höchste erreichte 24000 m. Der Wegener-Kuhlbrodtsche Sonder-
theodolit!) hat sich wieder bewährt. Zwischen 31° N-Br. und 383° S-Br, wurden
neun erfolgreiche Drachenaufstiege gemacht. bis zu 3600 m Höhe, Die Bestimmung
der Höhenwinde durch Schießen einer Sprengwolke geschah einmal mit fünf
Schuß; der höchste lag etwa 7009 m hoch, Strahlungsmessungen mittels des
Michelsonschen Aktinometers (später auch mit dem Hartmann-Braunschen
Universal-Aktinometer}) konnten nur gelegentlich vorgenommen werden, wenn der
Himmel genügend wolkenfrei war, Die betreffenden Selbstaufzeichnungen erlitten
häufig Störungen durch Beschlagen des Meßgerätes auf dessen Innenseite in den
Tropen, durch Rauchfahne und Takelageschatten. Verdunstungsmessungen sind
vom Englischen Kanal ab regelmäßig vorgenommen worden, wurden indes häufig
durch Flugaschenfall beeinträchtigt.
Auf der ganzen Fahrt von den Cap Verden nach Buenos Aires herrschte
ungewöhnliches Wetter?),. Der NO-Passat wurde erst bedeutend weiter südlich
und viel schwächer, als im Mai zu erwarten stand, angetroffen. Schon auf 10- 5-Br.
setzten Regenschauer bei östlichen und nordöstlichen Winden ein. Im allgemeinen
lag die Südgrenze des SO-Passates zwischen 15° und 20° S-Br. Außerordentlich
rasch und unvermittelt trat der Witterungswechsel südlich von Rio de Janeiro
auf: die Luft- und Wassertemperatur fiel innerhalb drei Tagen um 15°.
Bei den St Pauls-Klippen wurde im Gegensatz zu den Wahrnehmungen der
Challenger- Expedition und den bisherigen Stromangaben, NO-Strom, 1,7 Sm,
beobachtet, Die in 16° 52 S-Br., 36° 15’ W-Lg. gelegene Flybank wurde nicht
gefunden, wenn auch die Tiefe an dieser Stelle von 4000 auf 980 m abgenommen
hatte; es ist anzunehmen, daß die flachen Stellen der Bank östlich oder westlich
von dem in der Seekarte angegebenen Punkt liegen. Die Hotspurbank wurde
aufgefunden, Die betreffenden Tiefenangaben sind richtig, jedoch beginnt die
Bank bereits 41, Sm weiter nördlich, als in der Karte vermerkt. Die Bus-
bridgebank und die Montaguebank wurden an den betreffenden Kartenorten
nicht angetroffen; bei der letztgenannten läßt die erkundete Tiefenabnahme von
4000 auf 1100 m die Vermutung zu, daß die Bank vorhanden ist und auf einer
anderen Länge liegt.
Am 3. Juni verließ der. „Meteor“ Buenos Aires, um nunmehr auf dem
Schnitt I seine planmäßigen ozeanolopyischen Arbeiten aufzunehmen. Fünf
Stationen waren erledigt — da traf die Expedition jener schwere. Schlag, dessen
erschütternde Tragik die Anteilnahme aller . beteiligten Kreise wachrief. Der
Mann, dessen Lebensarbeit die „Deutsche Atlantische Expedition“ krönen
sollte, der in allem Wesentlichen die Leitgedanken und die Ausführung in mehr-
jährigem rastlosen Schaffen ausgearbeitet und vorbereitet hatte, erkrankte schwer,
Der „Meteor“ mußte nach Buenos Aires zurückkehren, und im dortigen Deutschen
Hospital ist Professor‘ Dr. Alfred Merz am 16. August 1925 im Alter von
45 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Es ist ihm noch
vergönnt gewesen, bei den von ihm geleiteten Arbeiten an den ersten fünf
Stationen des Schnittes I sich davon zu überzeugen, daß die Expedition in der
Art, wie er sich die Erledigung im einzelnen gedacht hatte, ohne Einschränkung
durchführbar ist. Die wissenschaftliche Leitung der Expedition ist nach seinem
Tode dem Kommandanten des „Meteor“, Fregattenkapitän Spieß, übertragen worden.
Das Wetter begünstigte die Arbeiten auf dem Schnitt I nicht; es war meist
stürmisch, teilweise sehr stürmisch bei niedriger und starker Bewölkung, Hier-
durch wurden vor allem die aerologischen Forschungen beeinträchtigt. Die
ıy Ann. d. Hydr, 1922, 5. 241ff,; Arch, d, D, Sw., Bd, 40 H. 4, BA 41 H, 4, Bd, 42 H.2.
% Ein Hinweis auf die eigenartigen Störungen in der Et Nino-Strömung und die abnormen
Witterungserscheinungen an der Westküste Südamerikas im Jahre 1925 liegt nahe. G. Ca.