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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Kleinere Mitteilungen, 
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Pegel des Geodätischen Instituts in Potsdam in Bremerhaven liegt unmittelbar 
vor einer Dockschleuse, welche dazu benutzt wird, bei Hochwasser den neueren 
Hafenbecken das durch Schleusungen, Undichtigkeiten an den Toren und Schützen 
der Schleusen, Verdunstung usw. bei niedrigeren Außenwasserständen verloren 
gegangene Wasser wieder zuzuführen. Je nach der Größe der Wasserverluste 
seit der letzten Auffüllung des Hafens dauert der Ersatz, der beginnt, wenn das 
ansteigende Außenwasser die Höhe des Binnenwassers erreicht hat, und endigt, 
wenn beide Wasserstände ausgeglichen sind, kürzere oder längere Zeit. Dieses 
Auffüllen findet nun im allgemeinen nicht bei jedem Hochwasser, sondern nach 
Bedarf — es ist mit Rücksicht auf den Betrieb des Schiebetors der großen Kaiser- 
schleuse und die Standsicherheit der Ufermauern im Hafen vorgeschrieben, daß 
ein bestimmter Binnenwasserstand nicht unterschritten werden darf — bei jedem 
zweiten, dritten usw. Hochwasser statt. Da der Wasserstandsausgleich erst kürzere 
oder längere Zeit nach dem Hochwasser mitten in der Weser querab von der 
Einlaßstelle beendigt ist, tritt eine örtliche Verlängerung der Dauer der Flut — 
und damit eine Verkürzung der Zeit der Ebbe — und gleichzeitig eine Senkung 
des Hochwasserstandes ein, Beide zusammen ergeben die erwähnte Abflachung 
der Form der Tidekurve. Es leidet also bei der Bildung der Jahresmittel nicht 
nur die Brauchbarkeit der Zeit-, sondern auch der Höhenangaben, da nicht- 
beeinflußte und beeinflußte Tidewerte mit gleichem Gewicht in die Rechnung ein- 
geführt werden. Die Wirkung des Wassereinlassens ist um so stärker, je größer 
die Wasserverluste gewesen sind, d. h. je öfter geschleust worden ist, je seltener 
entsprechend der Größe der Hafenflächen, die im Laufe der Zeit erheblich zu- 
genommen hat, die Auffüllung erfolgt usw. Es würde zu weit führen, wenn an 
dieser Stelle auf die zahlenmäßige Auswirkung aller hierfür in Frage kommenden 
Umstände eingegangen würde, 
Die Angaben des selbstschreibenden Pegels in Bremerhaven müssen also mit 
Vorsicht betrachtet werden, Das gleiche gilt aber für alle Pegel an der deutschen 
Nordseeküste — es sind ihrer nicht wenige —, welche in der Nähe von oder an 
Bauwerken befestigt sind, durch welche ein zeitweiser Abfluß aus dem Binnen- 
lande in das Tidegebiet oder ein Zufluß aus diesem in das Binnenland erfolgt 
(Dockschleusen, Siele zu Ent- oder Bewässerungszwecken usw.). Auch bei Pegeln 
an Nebenflüssen, die nur Sommerdeiche haben, während der Hauptstrom durch 
Winterdeiche eingefaßt ist, können sich ähnliche Erscheinungen zeigen, ebenso 
bei Hauptströmen, falls an ihnen gelegene Sommerdeiche überströmt werden 
oder falls Deiche brechen usw. In jedem Falle tritt eine Beeinflussung der Tide- 
kurven ein, und zwar leidet die Brauchbarkeit der Höhen- und Zeitablesung bei 
Hochwasser, falls es sich um einen Abfluß aus dem Tidegebiet handelt, diejenige 
bei Niedrigwasser, falls ein Zufluß zu diesem in Frage kommt, Gelegentlich 
können auch beide beeinträchtigt werden, 
Die Erscheinungen sind meistens örtlicher Natur und gewöhnlich so lange 
unbedenklich, als es sich nicht um den Vergleich der Pegelmittelwerte mit denen 
anderer Beobachtungsstellen handelt. Ich persönlich bin z. B. geneigt, die von 
O0. Meißner in seinem Aufsatze: „Die säkulare Schwankung des Wasserstandes 
der deutschen Nord- und Ostsee“ (Ann, d. Hydr, usw., Heft IX vom 15. September 
1925, S. 291 ff.) festgestellten Unstimmigkeiten zwischen dem Verhalten der Wasser- 
stände an den Pegeln Wilhelmshaven, Cuxhaven, Bremerhaven und Geestemünde 
zu einem wesentlichen Teile auf Einwirkungen der geschilderten Art zurückzu- 
führen, zumal deren Einfluß im Laufe der Zeit wechseln und sich an den ver- 
schiedenen Orten in verschiedener Weise äußern kann!) 
Sollen also Pegelablesungen einwandfrei sein, so kommt es nicht nur darauf 
an, daß die Pegellatten richtig eingeteilt sind und daß ihre Höhenlage dauernd 
überwacht wird, sondern auch darauf, daß sie an Stellen angebracht werden, wo 
Örtliche, systematische Fehler verursachende Einwirkungen ausgeschlossen oder 
zum mindesten einwandfrei feststellbar sind. 
Charlottenburg, den 31. August 1926. Brandt. 
1 Im „Zentralblatt der Bauverwaltung“ vom 28. September 1926 weist 0. Meißner darauf hin, 
daß sich neuerdings einige als sicher betrachtete Festpunkte als un zuverlässig erwiesen hätten. Damit 
dürften die Unstimmigkeiten ziemlich restlos geklärt sein.
	        
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