444 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1926,
Von hier ging es auf den Kolameridian (331/,° O-Lg.). Auf diesem wurde ein
S—N-Schnitt bis zur Treibeisgrenze gemacht; auf 38° O-Lg. danach ein Schnitt
nach S gelegt. Danach wurde fischereilich vor der Kaninhalbinsel und am Ein-
gang zum Weißen Meer gearbeitet. Auf der Rückfahrt erfolgte ein Besuch der
russischen biologischen Station in Alexandrowsk, Rückreise wieder längs der
norwegischen Küste bzw, durch das Schärenmeer und die Nordsee nach Wilhelms-
haven.
Beide Reisen, die des „Poseidon“ und die des „Zieten“, erfolgten auf Ver-
anlassung und unter Oberleitung der Deutschen wissenschaftlichen Kommission
für Meeresforschung. „Zieten“ war von der Marineleitung zur Verfügung gestellt.
4. Bemerkungen zu der Arbeit von J. C. Lieuwen in Heft X der Ann.
d. Hydr. usw. 1926. Der Gedanke, den bei der Besteckversetzung v = AH -secß
auftretenden Winkel 3 zu tabulieren, findet sich schon im Heft X der Ann. d.
Hydr. usw. des Jahres 1899, Hier entwickelt Fulst auf Seite 509 die Formel
Ah, . —
3 = Ab, cosec d — cotg d ,
die mit der von Lieuwen gegebenen Form
Ah
A
Ah, (Fulst) = 4h (Lieuwen)
Ah; = AH
$ = @
B = fl
Fulst hat gleich zwei Hilfstafeln mitberechnet; Tafel I gibt mit den Argumenten
ae (es läßt sich das Verhältnis des größeren Höhenunterschiedes zum kleineren
bequemer bilden) und ö den Winkel #. Die Hilfstafel II gibt dann mit den
Argumenten ß und dem größeren Höhenunterschied, entsprechend der Formel
v=4AH-secg (Lieuwen)
die Besteckversetung.
Dieses von Fulst angegebene Verfahren findet sich dann in der VI. Aufl,
von Breusings Steuermannskunst (1902), und die Hilfstafel I von Fulst ist für
die Grenzen 20° < a << 159° für A in die nautischen Tafeln von Breusing
seit 1902 aufgenommen,
Das Verfahren hat sich bewährt, insbesondere wenn das Vorzeichen von ß
durch eine Skizze kontrolliert wird, und es findet sich noch in den neuesten
Auflagen der beiden Bremer Bücher.
Die Lehrbücher Albrecht u. Vierow und Bolte benutzen seit 1906 bzw,
1905 das von Bolte im Januarheft des Jahres 1900 der Ann, d. Hydr. usw. vor-
geschlagene Verfahren, bei dem die Bestimmung der Besteckversetzung durch
eine Kopplung zweier rechtwinklig aufeinander stehender Kurse ersetzt wird.
N . C. Thiemann, Hamburg.
5. Uber die Brauchbarkeit von Pegelablesungen im Tidegebiet. In den
Ann, d. Hydr. usw., Heft VIII vom 15. August 1926, S. 231, weist 0. Meißner-
Potsdam darauf hin, daß sich in Bremerhaven im Laufe der Zeit die Dauer der
Ebbe verkürzt habe, und gibt als Ursache hierfür die Hafenumbauten an.
0. Meißner hat mir gegenüber bereits vor einigen Jahren in einem Privatbriefe
diese Tatsache in der Form erwähnt, daß er sagte, die Tidekurven zeigten in
Bremerhaven häufig in der Nähe der Hochwasserzeiten eine abgeflachte Form,
und mir dadurch Veranlassung gegeben, den Ursachen dieser Erscheinung nach-
zugehen, ohne daß ich bis jetzt Gelegenheit gehabt habe, ihm die Ergebnisse
meiner Untersuchungen mitzuteilen. Zunächst ist man geneigt, Veränderungen
in der Form der Tidekurven in Bremerhaven auf die Wirkungen der Unterweser-
korrektion zurückzuführen, Betrachtet man zunächst nur die Jahresmittel der
Dauer der Ebbe, so ist diese Erklärung die wahrscheinlichste. Dann müßten aber
alle Tidekurven den gleichen Charakter haben. Da dieses jedoch nach Meißners
persönlichen Mitteilungen mir gegenüber nicht der Fall ist, so kann die Ver-
kürzung der Dauer der Ebbe nur örtlicher Natur sein. Der selbstsechreibende
übereinstimmt, denn es ist