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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Kleinere Mitteilungen, 
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Kleinere Mitteilungen. 
1. Aus den meteorologischen Schiffs-Tagebüchern der Deutschen Seewarte. 
1. D. Sebara, D. Austr, u, Kosmos-L., Kapt. v. Ehren, MT, 221057. 
Von St. Thomas nach Ponta Delgada, 
Sturm in der Nähe der Azoren, 
Am 39., 10., 11. und 12. Januar 1926 hatte „Sebara“ bis zum Erreichen von 
Ponta Delgada schweres Sturmwetter zu bestehen. Der Sturm warde mit fallendem 
Barometer in der Nacht vom 8. auf 9. eingeleitet und westsüdwestlichem Wind, 
der steifer werdend nach Westen drehte. Am Mittag des 9. sprang der Wind, 
der zunächst noch Stärke 8 hatte, nach Nordwesten und erreichte dabei den 
niedrigsten Barometerstand, 758 mm. Dann begann bei steigendem Barometer 
der schwere Sturm mit Windstärke 10 und entsprechender See aus Nordwesten, 
der fast 24 Stunden bis zum 10, mittags anhielt. Nachdem am Nachmittag der 
Sturm ein wenig nachgelassen hatte, aus WNW-Richtung bis Stärke 4 abge- 
nommen hatte und das Barometer bis 765 mm gestiegen war, schwenkte der Wind 
abermals nach Südwesten herum, das Glas fiel bis 751 und nun spielte sich der 
Vorgang in gleicher Weise wie vorher noch einmal ab. Der Nordweststurm er- 
reichte Stärke 10 führte aber orkanartige Böen mit sich, so daß „Sebara“ vor 
St. Miquel (Ponta Delgada) beidrehen mußte. Dieses Wetter ist typisch für den 
Nordatlantischen Ozean im Winter. Aus dem Wetterbericht der Deutschen See- 
warte läßt sich die Lage klar erkennen. 
Am 9. Januar morgens lag mitten im Atlantischen Ozean zwischen Neufund- 
land und dem Kanal ein Tief von 720 mm, das fast den ganzen Nordatlantischen 
Ozean ausfüllte. Weit nach Süden vorgeschoben war ein Keil, der bis in die 
Gegend westlich von den Azoren reichte, In diesen war „Sebara“ geraten, und 
zwar wanderte der Dampfer in derselben Richtung weiter wie die Keilspitze, so 
daß die lange Dauer des Nordweststurmes auf „Sebara“, denn das Schiff war 
an der Rückseite des Keils, zu erklären ist. Auch die vorübergehende Besserung 
und die erneute Verschlechterung läßt sich aus den Karten vom 11. und 12. er- 
kennen. Daß dies der Fall ist, liegt wohl an den Meldungen von den Stationen 
auf den Azoren. In vielen anderen Fällen®), fern von Landstationen, ließ sich nicht 
Klarheit schaffen, weil keine Meldungen von Schiffen eingegangen waren, Darum 
seihier erneut der Wunsch ausgedrückt, daß sich recht viele Schiffe an 
den F. T.-Wettermeldungen beteiligen möchten. Denn bei der schnell 
schreitenden Technik ist es nur noch eine Frage der Zeit, daß Schiffe 
täglich die Wetterkarte des Nordatlantischen Ozeans als Bildüber- 
tragung erhalten können und es liegt im Interesse der Schiffe selbst, 
daß die Karte so reichhaltig wie möglich ausgestaltet wird. 
2. M. S. Monte Olivia, H. S. D. A.G., Kapt. M, Wilstermann. MT. 22106 
Von Las Palmas nach Rio de Janeiro. . 
Wind und Strom im Südwestmonsun des Atlantischen Ozeans. 
Am 6. Oktober 1925 Mittagsort 4° 39' N-Br., 28° 48’ W-Lg. Wachen von 
{bh bis 12% Vm.: „Ab 7b 30m Ym, Südwestmonsun mit Regen. 8% bis 9% Böen 
mit Regen aus Südwest.“ 
‚Ben: Der Südwestmonsun, der während des ganzen Jahres an der Afrikaküste im Golf von 
Guinea steht, schiebt im Sommer, Juni bis Oktober, eine keilförmige Spitze in den Atlantischen 
Uzean hinaus, die im August sogar bis zu 34° W-Lg. reicht. Die Dampferwege nach Südamerika 
schneiden den Keil fast rechtwinklich, treffen aber nicht immer südwestliche Winde an, denn der 
Monsun ist dort ein sehr unzuverlässiger Wind. Ahnlich ist es dort mit den Stromversetzungen. 
Im vorliegenden Fall hatte „Olivia“ am 6, Oktober N56°0O 18 Sm Versetzung, und man wäre geneigt, 
sie auf die Wirkung des Monsuns zurückzuführen. Aber da kommt xzoch etwas anderes hinzu, das 
ist die Wirkung der rückflutenden Stromfäden des zwischen den beiden Passaten eingekeilten Meeres- 
gebietes, worüber bei D. „Argentina“ im Heft 1 (Januar 1926) S. 25 einige EN CE gemacht 
sind. Solche östlichen Versetzungen kommen zu allen Zeiten vor, und es ist‘ möglich, daß auch die 
vorliegende zum größeren Teil darauf zurückzuführen ist, denn „Monte Olivia“ hatte reichlich 10 Breiten- 
grade mit atillem Wetter durchfahren. Aber die Unzuverlässigkeit dieser Strömung bringt es mit sich. 
i, Nummer des Tagebuch-Registers der Seewarte. 
2 U. MS. „Osiris“, Ann, d, Hydr. usw. 1926, 8. 241. — D. „Cap Polonia‘“, ebenda 8, 316. — 
DD. „Ammon‘‘, ebenda 8, 354.
	        
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