52 Anualen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1926.
Küste an. Der Schuner hatte während der Nacht seine Schraube repariert und
warf los, um nach .Saßnitz oder Swinemünde einzulaufen. Da das Wetter
günstig (gute Sicht, Windstärke 3), der nächste Hafen (Saßnitz) nur 7 Sm ent-
lernt war und der Schuner sowohl segeln als auch seinen Motor gebrauchen
konnte, so durfte dieses nach Rücksprache mit dem Führer unbedenklich ge-
schehen. B. stieß nach Nordosten vor, 12b mittags wurde „Jupiter“ ange-
troffen, losgeeist, im Kielwasser bis Stubbenkammer geführt und 6* 30m Nm, zur
Weiterfahrt nach Swinemünde entlassen, während B. wieder vor Stubbenkammer
ankerte.
Nach eingezogenen Erkundigungen bei der Dienststelle der Marineleitung
Bremen in der Nacht vom 2. auf den 3. III. wurde nur noch der Dampfer
„Strauß“ als vermißt gemeldet. Am 3. III 6h 45m Vm. erschien, von Osten
kommend, bei B. der schwedische Dampfer „Oeresund“. Dieser war seit der
zweiten Begegnung mit B. am 25. Il. zwischen Arkona und Gjedser im Eis ge-
trieben, am 2. III. durch den Westwind freigekommen und jetzt im freien Wasser
unter der Küste auf der Fahrt nach Swinemünde. Der noch von Bornholm her
auf „Oeresund“ eingeschiffte Signalmaat wurde an Bord genommen; er meldete,
äaß er am 1. III. 8 Nm. bei der Möen-Bank mit Dampfer „Strauß“ in Signal-
verbindung gestanden habe. Am 2. III sei „Oeresund“ dicht an „Strauß“ in dem
sich lockernden Eis vorbeigefahren, „Strauß“ sei aber nicht gefolgt, sondern
wollte sich nach Kiel durcharbeiten. An Bord von „Strauß“ schien demnach alles
wohl; jedenfalls bat „Strauß“ weder um Proviant, noch um sonst welche Hilfe-
leistungen.‘
Nach allen diesen Nachrichten erschien mir die Ostsee östlich von Arkona
jetzt frei von.in Not befindlichen Schiffen, Ich entschloß mich daher, am 3. IIL.
erneut nach Norden vorzustoßen, um den am 2, II, in nordöstlicher Richtung
gesichteten unbekannten Dampfer zu suchen, und auf der Weiterfahrt nach
Westen daran anschließend nach Dampfer „Strauß“ Umschau zu halten. Ich stieß
ror bis 15 Sm südlich von Ystad. Von’ hier aus konnte ich das gesamte See-
gebiet bis zur schwedischen Küste übersehen, ohne jedoch den gesuchten Dampfer
auszumachen, Da der Wind in der letzten Nacht auf S bis SO gedreht hatte,
30 fuhr ich nach Westen und sichtete um etwa 12h mittags anscheinend den
gesuchten Dampfer im NW, Es war der niederländische Dampfer „Strabe“, der
mit etwa 1600 t Mehl als Ladung auf der Fahrt von Königsberg nach Kopen-
hagen im Eis festgekommen war. Er lag. jetzt 10 Sm südöstlich von Smygehuk
manövrierunfähig im. festen Eise und trieb nach Norden auf die Küste zu,
„Strabe“ hatte Signal gesetzt: „Bedarf sofortiger Hilfeleistung“ und „Habe Ruder
gebrochen, kann nicht mehr steuern.“ Da Trälleborg in Sicht war und weiter
südlich nach den heutigen Erfahrungen besonders schweres Eis stand, wollte
ich „Strabe“ anfänglich bis vor Trälleborg schleppen und dort an den dänischen
Eisbrecher „Esbjörn“ der .sich gerade mit einem Dampfer auf der Fahrt von
Kopenhagen nach Bornholm meldete, zum Einbringen nach Trälleborg abgeben.
Da aber auf meine dahingehende Anfrage der dänische Eisbrecher antwortete,
er wüßte: wegen des:zu geleitenden Dampfers noch nicht, wann er „Strabe“ ab-
nehmen könne, und da vor Trällebörg durch den Südwind das Eis stark zu-
sammengeschoben war, so daß ich nicht-/damit rechnen konnte, aus Trälleborg
Schlepper herauszubekommen, so entschloß ich mich, „Strabe“ nach Süden durch-
zubringen, wo die beiden Bugsierschlepper „Herkules“ und „Diana“ bereit waren,
ihn nach Swinemünde zu führen. .„Strabe“ wurde losgebrochen .und in Schlepp
genommen. Der Dampfer -hatte, um bei seinem. Ruderschaden (der Rest des
zerbrochenen Ruders klemmte 20° nach St.-B.) ein Schleppen zu ermöglichen,
einen Hahnpoot um das Vorschiff genommen, an den die Schleppleine angesteckt
wurde, Dieser Hahnpoot brach jedoch sehon beim Anschleppen. „Strabe“ be-
kam nun eine lange Schleppleine mit der. daran angesteckten Heckankerkette.
Aber. auch dieser Versuch erwies sich bei dem dauernd nach St.-B. gierenden
Sehiff. als undurchführbar. Der Dampfer rannte, sobald Fahrt aufgenommen
war, nach St.-B. ins feste Eis’ hinein, stoppte plötzlich ab und kam in Gefahr,
zu kentern; bis schließlich die Schleppleine brach. B. ging nun bei dem Dampfer