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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1926,
Der thermische Effekt der Zirkulation über dem Kuro-Shio.
Von Fritz Groissmayr, Ingenieur, Passau,
I. Die Literatur über die Meteorologie der Nordpazifikarea ist wenig umfang-
reich!); besonders sind es Abhandlungen in englischer Sprache, von japanischen und
amerikanischen Instituten veröffentlicht und der Allgemeinheit schwer zugänglich,
so daß es mir als eine keineswegs überflüssige‘ und undankbare Sache schien,
die atmosphärische Zirkulation über dem Kuro-Shio und insbesondere deren
thermischen Effekt auf das Klima der Union und Südkanadas einerseits, auf jenes
Ost- und Nordostasiens andererseits an Hand neueren Materials zu untersuchen,
Das zur vorliegenden Untersuchung verwendete Material ist enthalten in bzw.
abgeleitet aus: F, M. Exner: „Monatliche Luftdruck- und Temperaturanomalien
auf der Erde“ (Sitzber. d. Ak. d. Wiss, Wien, math.-nat, Kl, Abt. !Ia, 133, Bd,
H. 7 u. 8,1924) und Ann. met. summary (U. S. A, Weather Bureau, Washington D. C.}.
Die geographischen Koordinaten der benutzten Stationen finden sich bei Exner
a. 8.0, und in Hanns Klimatologie, 3. Aufl.
Zeichenerklärung. Im folgenden bedeutet:
Z' = Druckgefälle Zikawei—Sitka (Tlinkithen); Z” = Druckgefälle Honolulu-—
Sitkaz; Z” = Druckgefälle Galveston—Sitka; tNW = Temperaturmittel aus:
Helena, Spokane, Winnipeg; tSW = Temperaturmittel aus: Denver, Frisco,
Galveston; t SE = Temperaturmittel aus: Atlanta, Nashville, Washington; tNE =
Temperaturmittel aus: Toronto, St. Johns, Hebron; 4 = Abweichungen vom Mittel;
p = Luftdruck; vr = Korrelationskoeffizient,
Da gleichsinhige Temperaturabweichungen sich in der Union nur auf relativ
geringe Entfernungen erstrecken, teilte ich sie in vier Quadranten NW, SW, SE,
NE und berechnete t bzw, 4t für je drei Stationen um lokale Einflüsse einiger-
maßen zu eliminieren.
II. Die Temperaturwirkung der nordpazifischen Zirkulation ist infolge einer
Reihe von Ursachen meteorologischer, hydrographischer und orographischer Natur
beträchtlich geringer wie jene der nordatlantischen Luftströmungen, Die den
Temperatureinfluß auf das Klima Nordostasiens hemmenden Faktoren sind das
winterliche sibirische Luftdruckmaximum, das an der ostasiatischen Küste von
etwa 30° Breite an bis zum Kap Deschnew kalte, ablandige Winde bedingt, die
sowohl die Temperaturwirkung des warmen Kuro-Shio wie jene der polaren
Strömungen (Ochotsk-, Liman- und Sachalinströmung) nahezu ausschalten. Der
thermische Einfluß des Japanstromes (Kuro-Shio) auf das Klima der Union und
Südkanadas, ist nicht zu verkennen, erreicht indes nicht die überragende Be-
deutung der Azoren-—Island-Zirkulation. Die Ursachen dieser Erscheinung
kommen in folgender Übersicht zum Ausdruck.
Hemmungsfaktoren des thermischen Effekts der Zirkulation über dem Nordpazifik
A. meteorologischer Art:
i. der geringe Gradient Z”, Z”, Z”,
2. das Druckmaximum über Idaho, Utah, Colorado;
B. hydrographischer Art:
3, die relativ geringe Öberflächentemperatur des Japanstromes,
4. die kalte Kalifornienströmung ;
C. orographischer Art:
5. die weite Erstreckung N-Amerikas nach Nordwest,
6. die Nähe kalter Meereströmungen (Hudsonbai},
7. die Cordilleren,
X) Wichtige Abhandlungen: IL. v, Schrenk: Strömungsverhältnisse im Ochotskischen und
Japanischen Meere, Memoiren der Petersburger Akademie, XXI, Nr. 3, Petersburg 1873; H. Dall:
Currents and Temperature of Bering Sea and the adjacent waters, U. 8. A. Coast and Geod. Survey
1880, App. 16; Dr. G. Schott: Oberflächentemperaturen und Strömungen der ostasiatischen (Gewässer
(Deutsche Seewarte, XIV, Nr. 3ı; Y, Wada: Temperature moyenne de In surface de la mer...
(Central, Met, Obs, Tokio, Nr. 1.)