Schott, G.: Die Tiefwasserbewegungen des Indischen Ozeans, 431
gegebene Salzgehalt-Schnitt V den Schluß zieben. Der Schnitt bildet in der ge-
ringen Zwischentiefe von 400—800 m einen von Nord nach Süd, wahrscheinlich
in Wirklichkeit einen von NW nach SO ziehenden salzarmen Zwischenstrom
deutlich ab; und ebenso klar spricht zweitens W. Brenneckes Schnitt!) durch
annähernd denselben Ozeanteil, der einen solchen aus nördlicher Richtung
kommenden Zwischenstrom mit Werten von 34,25 im Minimum bei 400—1000 m
sogar bis nahe 5° N-Br. verfolgen läßt. Brennecke nennt als Ursprung davon
die „kalte salzärmere Küstenströmung“, ohne sie näher zu bezeichnen. Es kommt
wohl sicher nicht das Wasser aus dem Gelben Meere, sondern des aus dem
Ochotskischen Meer in Betracht, außerdem überhaupt die mit dem sogenannten
ODya-siwo verbundenen Wassermassen. Will man einmal in Zukunft geographische
Besonderheiten der großen, nunmehr für den Atlantischen und Indischen Ozean
festgestellten allgemeinen Züge der Wasserzirkulation erkunden, so bietet sich
deshalb dafür in erster Linie der westliche Teil des nördlichen
Stillen Ozeans dar, von dem Äquator ab nordwärts., Dort hat vor dem
Kriege 8. M. S. „Planet“ bereits gearbeitet. Nachdem durch ganz überwiegend
deutsche Forscherarbeit diese Fragen der Meereszirkulation so erfolgreich an-
gepackt sind, müßte es schon heute bei und nach einem glücklichen Abschluß
der „Meteor“-Expedition in der Idee feststehen, daß ein deutsches Forschungs-
schiff später einmal sich dem nordwestlichen Stillen Ozean zuwendet.
Dieses Meeresgebiet unterliegt zu einem beträchtlichen Teile dem halbjährlich
wechselnden Monsunsystem, ähnlich wie der ganze nordhemisphärische Indische
Ozean. Man könnte meinen, daß infolgedessen auch das Zirkulationssystem der
ozeanischen Tiefen sehr starken jahreszeitlichen Anderungen unterworfen sein
wird; A, Penck hat 1921 in einer Denkschrift diese Anschauung für das Indische
Meer vertreten. Aber diese Anschauung dürfte nicht zutreffen. Unser Profil
auf Tafel 29 beruht zwar für das Arabische Meer auf Beobachtungen aus der
Zeit des NO-Monsuns, also aus der Periode, in der die Luftbewegungen denen
im Atlantischen Ozean entsprechen; jedoch ist das Arabische Meer auch im SW-
Monsun salzreich genug, um den nordindischen Tiefenstrom zu speisen, und wir
wissen ferner aus W, Ekmans theoretischen Untersuchungen, daß die Windtriften
ler Oberfläche eine durch die sogenannte Reibungstiefe begrenzte, sehr geringe
vertikale Mächtigkeit besitzen. —
Zur Südhalbkugel zurückkehrend können wir heute mit Zuversicht sagen,
daß in der wahren Südsee der Erde, d.h. rund um den vereisten sechsten
Kontinent, überall die gleichen Eigenschaften und Bewegungen des Tiefwassers
sich entwickeln, daß von Antarktika aus nach Norden überall die gleichen Fern-
wirkungen bis in die tropischen Gewässer ausgehen. In der Universalität der
Vorgänge haben wir eine nicht bloß die Ozeanographie, auch die Biologie be-
rührende Tatsache vor uns, und es hat sich v, Drygalskis Bemühen, auf der
„Gauß“-Expedition den Spuren der Antarktis auch außerhalb der Polarzone
nachzugehen, in hohem Grade gelohnt.
Wenn das von Drygalskische Werk „Ozean und Antarktis“ den Bericht-
erstatter zu solch weitgreifenden Untersuchungen und Ausblicken veranlaßt hat,
so möge der Leser und Fachmann daraus schließen, wie anregend diese Arbeit
des Münchener Geographen ist. Dabei wurde nur ein Teil, allerdings ein Haupt-
teil des Buches, in den Kreis der Betrachtung gezogen. Es enthält noch eine
beträchtliche Menge anderer ozeanographischer Abhandlungen, z. B. über die
periodischen und unperiodischen Temperaturänderungen des Oberflächenwassers,
sowie besonders über die Meeresströmungen im allgemeinen, wobei v. Drygalski
sich mit den neuen Vorstellungen, die vorwiegend an den Namen W.Ekman
geknüpft sind, auseinandersetzt. Es genüge hier, nachdem der Aufsatz schon
recht lang geworden ist, nur darauf hinzuweisen und das Werk dem Studium
angelegentlich zu empfehlen.
„lanet“-Werk, Bd, III, Taf. 30 und S. 90, Berlin 1909.