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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

130 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1926,

deren Veröffentlichung hoffentlich bald erfolgen kann. Diese Karte zeigt ein
ganz entschiedenes Ansteigen der 34.0-Isohaline auf Süd-Breite von WSW nach
ONO, indem sie bei Kap Horn erst unter 58° S-Br., unter der geographischen
Länge der Kerguelen aber schon in 43° S durchschnittlich gefunden wird.
„Meteor“ und „Deutschland“ haben gleicherweise sogar noch südlich von 60° $S
im atlantischen Meere breite Streifen mit > 34.0 gefunden, während „Gauß“
südlich von Kerguelen ausnahmslos < 34.0, überwiegend 33.7 bis 33.5 bis zur
Eisgrenze hatte. Gleiche geographische Breite in das Auge gefaßt, ist also in
der Tat das südatlantische Wasser der kritischen Breiten (45° bis 55° S) jeweils
salzreicher als das südindische. .
Überschauen wir das Ganze, so bleibt die überragende Ähnlichkeit,
ja Wesensgleichheit der Tiefwasserzustände im Atlantischen und im
Indischen Ozean als eine ganz fundamentale Erkenntnis; sie ist um so
verblüffender, weil im Nordindischen Ozean eine durchaus andere geographische
Raumverteilung als im Nordatlantischen statthat. Wir haben diese Erkenntnis
aus ausschließlich deutscher Beobachtungstätig keit hergeleitet — von den zwei
benutzten „Vitiaz“-Stationen kann in diesem Zusammenhang abgesehen werden,
weil auch ohne sie die Sachlage genügend geklärt wäre. Es sind die vier
deutschen Schiffe „Gauß“, „Planet“ „Möwe“, „Valdivia“; die Grundlage im außertropischen,
 dem wichtigsten Teile, lieferte so gut wie allein v. Drygalski,
im tropischen Teile Brennecke auf „Planet“. Es ist mir deshalb vollkommen
unverständlich, daß A. Penck, als er vor kurzem das Drygalskische Werk,
das auch für den vorliegenden Aufsatz der Ausgangspunkt war, besprach‘),
zu dem Urteil gelangte, „der Indische Ozean sei in seinem antarktischen Teil
auch nach der Arbeit des „Gauß“ noch heute ein mare incognitum (S. 918), da
Drygalskis ozeanographische Beobachtungen nicht ausreichen, um eine gesicherte
Vorstellung von den in den Tiefen des südlichen Indischen Ozeans herrschenden
hydrographischen Verhältnissen zu begründen (S. 914)“. Diese Behauptung ist
um so unverständlicher, als A. Penck (S. 916) Schnitte nach den „Gauß“-Beobachtungen
 hat zeichnen lassen, die, wie er sagt, „dem von Merz zuletzt entworfenen
 Schnitt für den Atlantischen Ozean überaus ähnliche Bilder ergaben,
in erster Linie aber unsere Unkenntnis über Temperatur und Salzgehalt in der
unteren Hälfte des südlichen Indischen Ozeans offenbaren“, Die gesamten vorstehenden
 Ausführungen nebst Tafel 29 beweisen, daß das Gegenteil von Pencks
Urteil über die „Unkenntnis“ zutrifft,
Die Bedeutung des „Gauß“.Materials kann gar nicht hoch genug eingeschätzt
werden; nur durch die von Drygalski gelieferten Zahlen wurde die Herstellung
des Schnittes überhaupt möglich, Für den südlichen Stillen Ozean haben wir
im „Challenger“- Werk?) einen erst ab 40° S-Br. nach Norden gehenden Schnitt
der reduzierten Dichten, der die salzarme Zwischenschicht, das charakteristischste
Merkmal, ebenfalls erkennen läßt. Aber auch ohne.dies könnten wir heute, auf
Grund der vollen Wesensgleichheit der Tiefwasserbeschaffenheit im atlantischen
und indischen Raume, mit großer Sicherheit behaupten, daß im Gebiet des
südlichen Stillen Ozeans dieselben Verhältnisse, grundsätzlich zum mindesten,
vorhanden sein werden, Bedeutsame geographische Abwandlungen besonderer
Art werden sich natürlich. finden. Es sei nur an den abnorm niedrigen Oberflächensalzgehalt
 im nördlichen Stillen Ozean und an die Tatsache erinnert, daß
dieser eben genannte Teil des Weltmeeres mit dem nördlichen Eismeer keine
wirkliche Verbindung hat. Beides wird von Einfluß sein; höchstwahrscheinlich
übernimmt der Eiskeller des Ochotskischen Meeres bis zu gewissem Grade
die Funktionen der Kaltwassergebiete der Baffin-Bai. Das hat, wenn ich mich
recht erinnere, schon A. Merz einmal mündlich ausgesprochen; veröffentlicht
hat er es anscheinend nicht, Mich läßt jetzt erstens der von J. Y. Buchanan in
dem „Challenger“. Werk für. den westlichen Pazifischen Ozean von 35°—10° N

') A. Penck über E. v, Drygalski, Ozean und Antarktis, in der Deutschen Literatur-Zeitung,
19, Heft, 8. 913ff. Berlin 1926
% Reports on Voyage „Challenger“, Physics and Chemistry, vol. I. J. Y. Buchanan, Specific
gravity, Diagram VII. London 1884.
            
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