Schott, G.: Die Tiefwasserbewegungen des Indischen Ozeans, 429
zezweigt wurde (Taf. 29, rechts), verfügen wir für die 2000 m überschreitenden
Tiefen nur über etwa ein halbes Dutzend Salzwerte, was natürlich die Deutung
der Verhältnisse recht unsicher macht. Der antarktische Zwischenstrom P hebt
sich auch in der Richtung zur Bucht von Bengalen aus 1200 m unter dem süd-
lichen Wendekreise allmählich auf 1000 m und 800 („Planet“ Stat, 127 und 159)
in 9° und 1° S-Br. hinauf; ob das auf 4° N, 88° 0 von „Planet“ Stat. 149 mit
34.99 in 400 m gemessene Salzgehaltminimum eine ständige, diesem Strom zuzu-
schreibende Erscheinung darstellt, muß fraglich bleiben. Der salzreichere Tiefen-
strom T nimmt seinen Ausgang von einem zwischen 10° S und 10° N offenbar
recht homogenen Wasserkörper, dessen Salzwerte bei 34.80 bis 34.74 liegen und
der in außerordentlicher Mächtigkeit die Tiefen 1000 m bis etwa 4000 m umfaßt.
Wüßten wir nicht, daß im Arabischen Meer sehr salzreiches Wasser in ent-
schiedenem Absinken von der Öberfläche bis zur Tiefsee in 3000 bis 4000 m vor-
liegt, das unter Linksabschwenkung (Erdrotationsablenkung!) höchstwahrschein-
lich auch nach der östlichen Hälfte des Südindischen Ozeans Wassermassen abgibt,
so wären wir in Verlegenheit, den Ursprung dieses homogenen Tiefwasserkörpers
im Osten zu erklären. Wir können gern zugestehen, daß aus dem südhemi-
sphärischen Gebiet maximalen Oberflächensalzgehaltes, das noch dazu in
der Östlichen, der australischen Seite des Ozeans liegt, nach Norden zu in 100
bis 200 m Tiefe salziges Wasser sich bewegt und schließlich in größere Tiefen
vor der Bucht von Bengalen absinkt, aber wir würden doch die gewaltige
Wasserschicht in quantitativer Hinsicht kaum recht zu erklären vermögen.
Überhaupt bestehen, vom Gesichtspunkt der notwendigen Kompensation der fort-
bewegten Wassermassen aus, noch manche Rätsel.
Wenden wir nochmals den Blick zum Atlantischen Ozean (s. oben Textfigur
S. 418), so finden wir gewisse Unterschiede in der Anordnung, aber nur solche
sekundären Charakters. Im atlantischen Raum bevorzugt der antarktische
Zwischenstrom P unter den wichtigsten Breiten, von 40° S—0° Br., entschieden
das 800 m-Niveau, im indischen Raume zwischen 40° und 20° S-Br. das 1200 m-
Niveau; dabei gelangt im atlantischen Meere die 34.5-Isohaline bis etwas nörd-
ich vom Aquator, im indischen nur bis 20° S. Die zum nordatlantischen Tiefen-
strom T gehörende 34.8-Isohaline reicht bis 45° S, die zum nordindischen Tiefen-
strom T' gehörende 34.8-Isohaline nur bis 15° S; bei der 34.7-Linie ist keine Ab-
weichung in der regionalen Lage vorhanden. Das Bodenwasser stimmt in beiden
Meeren mit etwa 34.67 auf S-Br. durchaus überein; denn von” den Bodensalz-
gehalten der durch den Walfischrücken abgesperrten westafrikanischen Mulde
müssen wir absehen. Auf N-Br. gilt im Atlantischen Ozean für das Boden-
wasser 34.88 bis 34.94; im Indischen Ozean steht für N-Br, 34.66 bis 34.72 fest.
Die bisher, besonders für den Zwischenstrom und den Tiefenstrom, ermittelten
Unterschiede beider Meere sprechen dafür, daß die Vertikal- und Horizontal-
zirkulation der atlantischen Tiefsee erheblich energischer vor sich
geht als die entsprechende der indischen Tiefsee. Das wird seine aus-
reichende Ursache in der geographisch so ganz verschiedenen Ausdehnung der
zwei Ozeane auf N-Br. haben: im atlantischen Gebiet stehen die Sargasso-See
und noch nördlich davon gelegene Wasserkörper für die Tiefenaustausch-
Bewegungen zur Verfügung; das Arabische Meer, das schon bei 20° N sein Ende
hat, kann dagegen nicht aufkommen. Wenn der antarktische Zwischenstrom
im Atlantischen Ozean nur bis 800 m im allgemeinen absinkt, im Indischen bis
1200 m, so muß das seine Ursache in entsprechenden Unterschieden des spezi-
fischen Gewichtes gleicher Tiefe, und zwar schon ab 0 m gerechnet, haben; das
wird im einzelnen noch später an der Hand auch der Temperaturen zu über-
prüfen sein. Von vornherein ist aber folgendes wahrscheinlich. Sucht man
die Ursache wesentlich beim Salzgehalt, so spricht die geringere Tiefe des
atlantischen Zwischenstromes (800 m) dafür, daß von Haus aus, d. h. im atlantischen
Polargebiet an der Oberfläche der Salzgehalt durchschnittlich etwas höher sein
muß als der entsprechende Salzgehalt im indischen Polargebiet, Und gerade
dies trifft nach allem, was wir wissen, zu, Es wurde oben 8. 424 von einer
nahezu vollendeten Weltkarteder Verteilung des Oberflächensalzgehaltes gesprochen,