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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Schott, G.: Die Tiefwasserbewegungen des Indischen Ozeans. 427 
Ausführungen zu diesem Punkt, die nur aus der Betrachtung der Tabellen er- 
schlossen waren?). Wir erkennen das ozeanographische Aktionsband vor der 
„Meinardus“-Linie an dem senkrechten Verlauf und der Drängung der Iso- 
halinen höherer Werte auf dem äquatorialen Flügel. Hier, in 47° S-Br., be- 
ginnt der indisch-antarktische Zwischenstrom; seine mit P (Polarwasser) 
bezeichneten Schichten sinken in Konvergenz mit dem nördlichen Teil der 
Westwindtrift unter, erreichen unter 40° S-Br. ihr Hauptniveau in 900-—1000 m 
Tiefe, unter 35—25° S in 1200 m, um vom Wendekreis ab nach Norden wieder 
etwas anzusteigen, so daß zuletzt auf N-Br. das Salzminimum wieder zwischen 
800 und 1000 m gefunden wird. Entgegen der Vorstellung, die das 1000fach 
übertiefte Profil erweckt, ist festzustellen, daß der Böschungswinkel, der bei 
dem Absinken in Frage kommt, ein ganz minimaler ist, da rund 1000 m Vertikal- 
abstand erst auf einen Horizontalabstand von schätzungsweise 700 km er- 
reicht wird. Auf dem über 6000 km langen Weg nimmt der Salzgehalt dieses 
Zwischenstromes von anfänglich 33.7 %/ zu, allmählich bis auf 34.9 vor Sokotra. 
Ganz im Westen, im Mozambique-Kanal, wird nach den „Möwe“-Zahlen dieser 
Wert von 34,8—34.9 schon auf Süd-Breite erreicht, wahrscheinlich, weil hier der 
Einfluß des Arabischen Meeres in der Tiefe am weitesten nach Süden durch 
Mischungsvorgänge reicht, möglich auch, daß aus anderen noch nicht überseh- 
baren Gründen die Tiefenzirkulation hier überhaupt weniger energisch ist als 
im freien Meere östlich von Madagaskar. 
Auf diese interessanteste der Tiefwasserarten folgt nach unten zu, in der 
Größenordnung dem antarktischen Zwischenstrom überlegen, der nordindische 
(warme?) salzreiche Tiefenstrom, dessen Wasser wir mit T, v., Drygalski 
folgend, bezeichneten. Nach den „Valdivia“- und ‚Vitiaz“-Zahlen können wir 
wohl mit Sicherheit schließen, daß er vom Arabischen Meer aus seinen Ausgang 
nimmt; das Arabische Meer, das ja aus dem Persischen Golf und dem Roten 
Meer zweifellos Wasser bezieht, hat an der Oberfläche über 36.0, vielfach über 
36.5 %- In 2000 m, einem Hauptniveau für T, wurde von mir bei Sokotra noch 
35.36 beobachtet, und in der Gegend der Seychellen 35.00. Das Arabische 
Meer übernimmt also im Indischen Gebiet die Rolle der atlantischen 
Sargasso-See. 
Es ist sicher, daß aus dem südhemisphärischen Gebiet maximalen ÖOber- 
Mächensalzgehaltes Wasser in der geringen Tiefe von 100—200—300 m nach 
Norden sich bewegt; es unterschiebt die schwachsalzige äquatoriale Oberschicht 
mindestens bis 10° S-Br., die Nordkomponente dieses „Zwischenstromes“ wurde 
auch durch Pfeile in Taf. 29 angegeben, Es wäre denkbar, daß aus diesem 
dberen Zwischenstrom ebenfalls Wasser in der äquatornahen Zone in den großen 
nordindischen Tiefenstrom T übergeht; es möge dies vorläufig dahingestellt bleiben 
und ist deshalb ein (?) bei 5° S-Br. und 200 m eingesetzt, 
Südlich vom Wendekreis hat der große salzreiche indische Tiefenstrom eine 
Mächtigkeit von mindestens 2000 m; der Schwerpunkt kann in 2500 m Tiefe 
angesetzt werden, Die Salzgehalte liegen bei 34.78 bis 34.74; vereinzelt ist auch 
34,84 gemessen, wobei fraglich bleibt, ob dieser letztere Wert korrekt ist, Un- 
verkennbar und wichtig zugleich wird die Tatsache, daß dieser nordindische 
Tiefenstrom schon ab 35 bis 40° S, südwärts gesehen, sich in höhere Niveaus 
hebt, so daß er sein Hauptniveau unter 45° S-Br. in 2200 m, unter 55° S in 
1500 m, unter 65° S in 700 bis 800 m hat; dort liegt jeweils das intermediäre 
Salzgehaltsmaximum, das von 35.36 bei Sokotra allmählich bis auf 34.67 vor dem 
antarktischen Schelf abnimmt. Er steigt also zuletzt scharf auf, wobei dynami- 
sche große Bedingungen und konvektive senkrechte Vorgänge zusammenspielen 
mögen. Die Zirkulation und die Anordnung der physikalisch-chemischen Fak- 
toren am Schelfrande und an der Tiefseeböschung vor Antarktika hat v. Dry- 
galski ausführlich erörtert. 
Mit v, Drygalski bin ich der Ansicht, daß der größte Teil des Tiefen- 
stromes T im eigentlichen Eismeer schließlich steil wieder absinkt und unter 
1) Der Längsschnitt wurde erst gezeichnet, nachdem der ganze erste Teil dieses Aufsatzes nieder- 
geschrieben war. -
	        
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