Schott, G.: Die Tiefwasserbewegungen des Indischen Ozeans. 423
genommen !), ohne daß vorher oder nachher das bestätigt wurde, Man darf
wohl nicht, solange nicht die Wiederholung einen sehr stark abweichenden Zahlen-
wert bestätigt, auf eine Einzelzahl, die ganz herausfällt, viel Gewicht legen.
Also tilgen wir den S-Wert 33.96 bei Stat. 88 (800 m), der nicht zu halten ist.
Hieraus folgen dann aber sehr weitgehende und allseitig befriedigende Tat-
sachen bzw. Möglichkeiten,
3. Zunächst ergänzen wir die wichtige Reihe 42 des „Gauß“ für die Tiefen
ab 1100—3000 m nach Beobachtungen des „Planet“ (Stat. 60), des „Meteor“
(Stat. 133)?) und des „Gauß“ selbst (Stat, 88) und verbessern zugleich die un-
mögliche Zahl der „Gauß“-Stat. 88 (800 m) durch den Wert von St. 42, dann
erhalten wir für die Breite 47—45° S-Br. folgendes:
‚iefe
„Gauß‘‘, Stat. 42. 28, XIL 1901
47° 45 8, 61° 25 O
11
©
801,
200
100
700
350 Zi
1100 2.3
1500 22
2000 20
3000 1.5 |
1596 0.35
4.
g-
2
2°
>
33.641 0
33 60f
33.68
4} P
34 18
34,31
34.45
34 78—34.85 T
24,76 | >
3465
3435303 8
‘%iefe
j „Gauß“, Stat. 88. 21. IV. 1903
45° 39 8, 73° 21 0
Su
Ha
N}
120
250
2
30
6
53
28
2.05
2,70
25
Da
33.75
33.60 © E
311 PS
aısf 8
34.20
1534) &
)r ne
g460f ©
3461 8 ®
2000 21
) 3644 10
In den vorstehenden zwei Reihen, nach ihrer jetzigen Gestalt, kann man,
wenn man will — unbedingt nötig ist es wohl nicht — für die obersten 100 m
mit Rücksicht auf die hohe Temperatur Oberflächenwasser anderer Herkunft
als von rein polarer Gegend annehmen, also aus der allgemeinen Westwindtrift:
deshalb die Buchstabenbezeichnung © = Oberflächen wasser neben den Zahlen-
reihen, Entscheidend ist, daß in 46-—47° S-Br. in der Kerguelen-Gegend das
intermediäre Salzgehaltsminimum noch fehlt, und wir hier das Polar-
wasser, vielleicht etwas überdeckt von noch leichterem Wasser der ganz dünnen
Oberschicht des Westwindgebietes selbst, noch nahe bei und von der Oberfläche
ab zu suchen haben.
Es beginnt also das Polarwasser erst nördlich von Kerguelen, erst in
niedriger Breite von 48—47° S abzusinken, nicht schon bei 55° S-Br., wie
v. Drygalski annimmt. Das ist ein wesentlicher Unterschied, und ich war nach
langen Studien aller einschlägigen Daten bereits zu dieser festen Anschauung
gekommen, als mir Wüsts neuester Bericht (Fußnote 2 hier unten) in die Hände
gelangte, der S. 249 a. a. O. für die Gegend südlich von Südafrika nach den
„Meteor“.Ergebnissen schreibt: „Das Polarwasser, das den antarktischen Zwischen-
strom speist, ist in der geringen Tiefe von 100—200 my ungewöhnlich weit nach
Norden — nämlich bis 47° S — zu verfolgen, Dann sinkt es ziemlich unver-
mittelt zur Tiefe — zum eigentlichen Zwischenstrom — ab...“ Genau das
also, was wir für die Kerguelen-Gegend aus dem „Gauß“-Material ableiten können
und müssen!
4. Das äußere Zeichen und auch die Ursache für die Lage der Grenze, an
der das Polarwasser in die Tiefe geht, sehe ich in der sogenannten „Meinardus“.
Linie. Schon in der „Geographie des Atlantischen Ozeans“%) habe ich diese
Vermutung geäußert. Meinardus*) hat überzeugend nachgewiesen, daß die
‘) Siehe G. Schott, Die Gewässer des Mittelmeeres. Ann. d. Hydr. usw. 1915, 8. 8,
*) G. Wüst, Ozeanographischer Vorbericht von der „Meteor‘‘“-Expedition, Zeitschr. Ges, f. Erd-
Kunde, Berlin 1926, S. 249.
3) Seite 241, 2. Aufl. Hamburg 1926.
4) Meteorol. Ergebnisse der Seefahrt des „Gauß“. Deutsch. Südpol.-Kxped. Bd. IIT, 1. Berlin
1923, S. 544. — Als der Aufsatz bereits gesetzt war, erhielt ich von Herrn Meinardus die Mitteilung,
Jaß er schon 1923 in der vorgenannten Arbeit (S. 540) auf einen wahrscheinlichen Zusammenhang
(Fortsetzung der Fußnote 8. 424.)