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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1926.
1. Eine besonders mächtige Entwicklung‘ des Tropenwassers T in der
Kerguelen-Mulde kann nur indirekt aus dem Befund der Stat, 87 (55° S-Br.)} ge-
folgert werden; denn in der Mulde selbst hat „Gauß“ bei Stat. 42 unterhalb
1100 m keine Beobachtungen, und die Salzgehaltswerte bei Stat. 42 ober-
halb 1100 sind im absoluten Betrage erheblich niedriger (!')}) als die
in gleicher Tiefe bei Stat. 87, so- daß man — nach den Beobachtungen —
eher eine Verstärkung von P, ein Tiefergreifen von P von oben her bis 700 m
annehmen muß, bewirkt durch die Einschnürung zwischen Crozet-Schwelle und
Kerguelen-Schwelle. Ein intermediäres S-Minimum in 800 m fehlt bei Stat, 42
durchaus, Was unterhalb 1100 m in der Kerguelen-Mulde vor sich geht, bleibe
zunächst dahingestellt,
2. Die in der Größenordnung ganz außerordentliche Differenz der Salz-
gehalte in 800 m bzw. 850 m bei den relativ benachbarten Stationen 42 und 88
auf gleicher Breite ist von vornherein verdächtig. Es ist kein Zweifel, daß
der Wert 33.96 % 4 mit 2.95° Temperatur auf Stat. 88 (800 m) getilgt werden
muß, Man kann zur Not davon absehen, daß das aus den Zahlen folgende
ör = 1.02708 mit den Dichtewerten darüber durchaus unvereinbar ist — der
Fehler könnte vielleicht allein bei der Temperatur gesucht werden -—; aber
alles, was aus ähnlicher geographischer Breite und gleicher Tiefe vorhanden ist,
weist einen Salzgehalt von erheblich über 34.0 auf. Die „Planet“ Station 60 in
49° 31‘ 8 29° 16° O hat für 400 m 34.536 mit 2.3°, für 1000 m 34.65 mit 2.3;
leider hat gerade in 800 m, wie W. Brennecke angibt, der Schöpfer nicht
funktioniert, sonst hätten wir die Frage sofort zur Evidenz entscheiden können.
Aber ein Raum für S < 34.0 ist ganz unwahrscheinlich. Zwei „Challenger“-
Stationen!) etwas weiter östlich sprechen deutlicher und helfen weiter.
Auch hier kein inter-
mediäres S-Minimum®2), viel-
mehr mit der Tiefe wachsende
Salzgehalte, und zwar Salz-
gehaltswerte, die recht gut zum
-_- „Gauß“-Befund in der Kerguelen-
= % ati en eo Mulde stimmen. Wenn man auf
366 3.6 34.27 28 34.30 S, 494 und 495 des Drygalski-
549 3.2 34.25 2.6 34.29 schen Werkes die Salinitäten
732 32 34 24 54.31 aller „Gauß“-Stationen durch-
mustert, so wird klar, daß 33.96 9/4 in 800 m Stat, 88 (und 33.91 in 900 m Stat. 35)
gänzlich aus allem, was in der Nähe, horizontal und vertikal gelesen, beobachtet
ist, herausfallen?*). Die zwei Schöpfproben sind eben mißlungen; offensichtlich
hat — was die Temperaturerhöhung schon verrät — der Schöpfer erst in einer
der Oberfläche nahen Schicht sich geschlossen*)., Solche Fälle kommen immer
einmal vor, F, Nansen hat an einer Station der „Frithjof“ in der Rockall-
Rinne in 2000 m Tiefe aus zu hohem Salzgehalt nach einer einzigen, aber ganz
offenbar technisch mißlungenen Probe Mittelmeerwasser bis soweit nördlich an-
4 Die Salzgehalte sind aus den englischen Dichtewerten S PA berechnet nach der Be-
ziehung P (Promille Salzgehalt} = (s a — 1) 1353. Der Faktor 1353 ist vielleicht für ozeanisches
Wasser etwas zu groß, aber es kommt hier allein auf den Gang oder das relative Verhältnis der
Salzwerte an. Vgl. ©. Krümmel, Handb, d, Ozeanogr. I, S, 236, Stuttgart 1907,
2%, Die scheinbare Abnahme um 0.01%, bei 550 m kommt aus inneren (Gründen {Feblergrenze)
and äußeren Gründen {Tiefenlage) überhaupt nicht in Betracht,
3, Es liegt nahe, den Wert 33.96 "0 dadurch zu verbessern, daß man nach dem Vorgang von
# Helland-Hansen (Nogen hydrogratiske metoder, Forhandl. Skandinav, naturforskeres 1. 1916,
Kristiania 1915} die Korrelation zwirchen t° und &*/„ in möglichst exakter Weise unter Benutzung
des gesamten verfügbaren Materiales 1ür ein in sich homogenes Meeresgebiet, in unserem Falle für
die indischen Breiten zwischen 50°—45° S, graphisch ermittelt, Dieser Versuch verspricht aber hier
keinen Erfolg. weil auch die Temperatur 2.95° zweifellos nicht genau ist; mit dem etwaigen Salz-
minimum mößte eher ein Temperaturminimum statt eines Temperaturmaximums verbunden sein.
Kurzum, e& kann nur einfache Interpolation helfen, .
4) Nach den Beobachtungsdaten ist dafür die Tiefe von 300 m anzunehmen,