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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

50 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1893. 
Wasser befindet, so erhellt hieraus der ungeheure Umfang eines solchen treibenden 
Eisberges und die dadurch entstehende Gefahr für die Schiffahrt. Wohl manches 
verschollene Schiff ist durch solches Naturereignifs zu Grunde gegangen, ohne 
dafs man im Entferntesten Aufschluß geben kann, wo es geblieben ist. Inner- 
halb 8 Stunden, bei 10 Sm Fahrt stündlich, passirten wir in der Entfernung von 
2 bis 5 Sm 12 solcher Berge, wobei die in grofser Entfernung treibenden gar 
nicht in Betracht gezogen sind. Vermuthlich sind diese Eisberge im Ursprung 
als ein oder doch sehr wenige Stücke abgetrieben und erst durch die erhöhte 
Temperatur zum Brechen gelangt und schwimmen nun als kleinere Theile, von 
Wind und Strömung getrieben, umher.“ 
September 18 bis 21. Die Bark „Evelyne“ passirte am 18. September 
auf 42,8° S-Br und 38,9° W-Lg eine grofse Anzahl KEisberge, von denen zwei, 
bei einer Länge von 1'/2 bis 2 Sm, eine Höhe von etwa 90 m hatten. Während 
der drei Tage bis zum 21. September, auf 39,5° S-Br und 35,2° W-Lg, waren 
stets auf beiden Seiten des Schiffes Eisberge in Sicht. 
September 19. Schiff „Ferdinand Fischer“, Kapt. D. Kruse: „Am 
19. September bei Tagwerden, auf 39,4° S-Br und 35,1° W-Lg fanden wir uns 
in der Mitte zwischen zwei grofsen Eisbergen, die in der Richtung NNO—SSW 
ungefähr 8 Sm voneinander entfernt waren. Die Wassertemperatur, die Tags 
vorher in 41° S Br schon 124° betragen hatte, nahm bei der Annäherung an 
das Eis allmählich ab, bis auf 10,1° in der Mitte zwischen den Bergen. MNord- 
östlich von denselben stieg sie wieder bis auf 12,4° um Mittag und 14,4° um 
4 Uhr nachmittags. Gegen 6 Uhr morgens sichteten wir einen dritten Eisberg 
und gegen Mittag, in 39,2° S-Br und 34,5° W-Lg einen vierten, dem wir bis 
auf !/s Sm nahe kamen. Derselbe schien bereits im Verfall begriffen zu sein; 
er hatte eine Länge von etwa 300 m und ragte an dem einen Ende 5, an dem 
andern nur etwa 2m aus dem Wasser hervor. In der Mitte brach die See 
beständig über das Eis hinweg, doch konnte man sehr gut die Verbindung 
zwischen den beiden Spitzen sehen. Bei der Annäherung an dieses letzte His 
zeigte die Temperatur keine Abnahme. Die Eisberge treiben recht im Kurse 
der von der Westküste Amerikas kommenden Schiffe und sind für diese sehr 
gefährlich.“ 
Laut Meldung des Kapt. J. Neumann von der Bark „Paposo‘“ passirte 
der englische Viermaster „Galyate“ von San Francisco gegen KEnde Sep- 
tember auf 49° S-Br und 41° W-Lg, sowie auf 40° S-Br und 27° W-Loy mehrere 
Kisberge, 
Das Schiff „Ellesmere“, von Sydney nach London, passirte am 30. September 
auf 49° S-Br und 44° W-Lg mehrere grofse Eisberge. 
Das Schiff „Rajah“, Kapt. Albrecht, von Iquique in Hamburg an- 
gekommen, hat Ende September und Anfang Oktober im Südatlantischen Ocean 
bis nach 39° S-Br hinauf ungewöhnlich viele Eisberge angetroffen. 
Oktober 2 bis 5. Bericht des Kapt. H. Warmuth von der Bark „Banco 
Mobiliario“: „Am 2. Oktober um 1*p, in 442° S-Br und 32,2° W-Lg zwei 
grofse Eisberge in Sicht. Von dieser Zeit an durch den ganzen Nachmittag und 
die folgende Nacht segeln wir zwischen Eis. Da die grofsen Berge sehr dicht 
gedrängt sind, so ist grofse Aufmerksamkeit erforderlich, um von denselben frei 
zu steuern, zumal besonders an der Lceseite der Berge sehr viele kleinere Stücke 
und Scholleneis treiben. Fünfzehn bis zwanzig große Berge sind beständig in 
Sicht. Die Luft ist zwar ziemlich wolkenlos, jedoch, wahrscheinlich in Wirkung 
des vielen Eises, sehr diesig und deshalb der Horizont ziemlich eng begrenzt, 
sonst würde die Anzahl der sichtbaren Berge wehl noch bedeutend größer sein. 
Während der ganzen Nacht fast beständig Berge in Sicht. Glücklicherweise ist 
der Mond nahezu voll, so dafs wir nicht genöthigt sind, beizuliegen. Wind NW, 
frisch. Um 7 Uhr morgens am 3. Oktober, in 42,3° S-Br und 30,2° W-Lg 
passiren wir den letzten Berg. Kin großartiges Eisfeld, wenn man bedenkt, 
dafs das Schiff — in der Richtung N0zO0 — 140 Sm zurücklegen mußte, um hin- 
durch zu gelangen. Ich schätze die Höhe der Berge auf &0 bis über 100m, 
den Umfang einiger derselben auf mehr als 1 Sm. Die wiederholt in der Nähe 
und in Lee der grofsen Berge angestellte Beobachtung der Wassertemperatur 
ergab keine Erniedrigung. Die meisten Berge waren von blendender Weiße
	        
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