Paulus, A.: Schiffahrt und Eis,
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Am 21. IL 1% VYm. wurde „Pallas“ südlich von Due Odde ins Kielwasser ge-
nommen und nach Süden geführt. Da „Pallas“ nur 8 Sm laufen konnte, außer-
dem immer wieder in der sich sofort schließenden Fahrrinne festkam und erneut
freigemacht werden mußte, kamen die Schiffe nur sehr langsam vorwärts. Am
21. II, morgens wurde in Sicht der pommerschen Küste West-Kurs nach Swine-
münde. eingeschlagen. Obwohl durch dieses langsame Vorwärtskommen der
Kohlenbestand aufs äußerste zusammen geschmolzen war, durfte ich doch „Pallas“
nicht in Stich lassen, da das Eis mit großer Geschwindigkeit auf die Küste schob
und den Dampfer sicher auf Strand gedrückt hätte. 6° Nm. lief B. mit „Pallas“
in Swinemünde ein; Kohlenbestand B. 20 t, „Pallas“ 15 t.
Am 22, II. 6 Vm, wurde das Kohlen unter äußerst schwierigen Umständen
begonnen. Die Kohlen lagen zum Teil seit Monaten in den Prähmen und waren
fest zusammengefroren. Bis 5b Nm. waren 700 t Kohlen übergenommen. Die
Zeit. während der Kohlenübernahme wurde unter anderem dazu benutzt, die
Reedereikreise auf die durch die Eisverhältnisse hervorgerufene Gefahr auf-
merksam zu machen und sie zu warnen, weitere Schiffe auslaufen zu lassen.
Mit Eisbrecher „Preußen“ wurde gemeinsames Zusammenarbeiten für die nächsten
Tage besprochen. „Preußen“ wurde sofort zu den vom Lotsenamt Kolberg ge-
meldeten, auf Strand zutreibenden Dampfern „Dide“, „Herbert Siemers“, „Phyla“
und „Vesta“ entsandt. Ich entschloß mich, „Preußen“ allein dorthin zu schicken
und mit B. wieder nach Bornholm zu fahren, weil:
1. B. vor Kolberg nachts eingetroffen wäre und während der Dunkelheit nichts
hätte ausrichten können, ;
nicht zu übersehen war, wie weit unterdessen die Dampfer an die Küste
herangekommen und dadurch für B. unerreichbar geworden waren,
von „Pollux“ die Lage der bei Bornholm zurückgelassenen Dampfer als
Außerst bedrohlich gemeldet wurde,
Wie es sich später herausstellte, waren die Dampfer tatsächlich in äußerster
Not. - „Continental“ z. B. war bis auf einige hundert Meter an die Küste eben
südlich von Rönne gedrückt worden. Das Packeis zwischen dem Dampfer und
der Küste schob sich unter den Dampfer, das von Seo nachdrängende schob sich
an Deck und bedeckte zeitweise den Dampfer bis über die Ladeluken mit großen
Schollen. Der jetzt auf Norden umspringende Wind schob die Dampfer nach
Südosten. Bei dem Versuch, südlich von Rönne dem Hadde Rev auszuweichen,
brachen bei „Continental“ im Eis sämtliche Schraubenflügel bis auf einen ab.
Notsignale an Rönne wurden mit dem Bescheid „Hilfe ist unmöglich“ abgelehnt.
Nach Meldung des auf „Continental“ eingeschifften Signalgastes hatte die Be-
satzung ihre Seesäcke gepackt, die Leute durften nicht mehr unter Deck gehen
und warteten nur noch auf das Eintreffen von B. Wie mir später bekannt wurde,
ist dies in gleicher Weise auf mehreren anderen, in Eispressungen sitzenden
Dampfern geschehen.
B. lief am 22. II. 9b Nm. aus, um sofort bei Heilwerden bei den gesuchten
Dampfern zu stehen. Ich fuhr westlich der Oderbank nach Norden, um die unter
der Küste besseren Eisverhältnisse auszunutzen, und stieß dann zwischen Oder-
bank und Adlergrund durch dichtes Eis vor.
Am 23. II, um 3b 15= VYm. wurden dort die Dampfer „Annemarie“, „Edeme“
and noch ein anderer Dampfer angetroffen. „Edeme“ war manövrierunfähig.
Da die Schiffe genügend Seeraum zum Treiben hatten, ihre Lage also nicht
gefährdet schien, so wurde Kurs auf Bornholm durchgehalten. Bei Hellwerden
stand B. südlich Bakke-Grund und fand dort die Dampfer „Christel Salling“,
„Susanne“ und „Continental“. „Pollux“ und „Oeresund“ hatten sich mit ihren
stärkeren Maschinen nach Osten durchgearbeitet. „Pollux“ und „Baltricer“ meldeten
durch F.T., daß sie sich einem nach Kopenhagen fahrenden dänischen Eisbrecher
angeschlossen hätten. Von „Oeresund“ war dasselbe anzunehmen; eine Meldung
lief nicht ein, da „Ueresund“ keine F. T. hatte. Der dänische Eisbrecher mit seinem
Convoi wurde am Vormittag in nördlicher Richtung am Horizont gesichtet,
„Continental“ wurde jetzt aus dem Packeis losgebrochen und als manövrier-
unfähig in Schlepp genommen. „Susanne“ und „Christel Salling“ wurden im
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