Paulus, A.: Schiffahrt und Eis.
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Arcona der deutsche Dampfer „Irmgard Horn“ wieder aufgenommen. Kurz
darauf kam noch Dampfer „Ebba“ hinzu. Östlich von Arcona wurde eine aus-
gedehnte Barre mit über 40 em dickem Eise angetroffen und durchbrochen,
Nach Passieren dieser Barre ging „Johann C. Ruß“ vor Saßnitz vor Anker, um
Gelegenheit zur Weiterfahrt nach Bornholm abzuwarten. „Dide“ trennte sich
kurz darauf ebenfalls vom Convoi, Infolge des immer noch wehenden Ostwindes
und der strengen Kälte (— 10° C) war die Eisdecke an der Ostküste Rügens
auch für das Linienschiff nur noch mit Mühe zu durchbrechen. Als um
12% Nachts 5 Sm nordöstlich von Greifswalder Oie trotz dreimal wiederholten
Versuches, zurückzufahren und mit äußerster Kraft gegen das Packeis an-
zurennen, das Eis nicht mehr nachgab, wurde wieder für den Rest der Nacht
im Eis gestoppt und zum nächsten Morgen 7* Dampf auf für 16 Sm befohlen.
Am nächsten Morgen, 19, II, gelang es, durch Rückwärtsfahren und Voraus-
fahren mit äußerster Kraft, das Schiff frei zu bekommen und immer je zwei
Schiffe durch stärkstes Packeis westlich von Greifswalder Oie durchzubringen,
bis schließlich weiter im Süden freies Wasser gefunden wurde und die Schiffe
um 2b Nm. nach Swinemünde entlassen werden konnten.
Infolge des Funkspruches des B. 1. N, daß zwischen Swinemünde und Arcona
etwa 20, nach einem andern Funkspruch etwa 12 Dampfer im Eis festsitzen
sollten, suchte ich nachmittags, da ich auf dem Wege von Arkona nach Swine-
münde keine anderen Dampfer gesichtet hatte, das Seegebiet von Swinemünde
bis etwa Groß Horst ab, fand jedoch überall nur ganz loses Treibeis, In-
zwischen waren mehrere Funksprüche eingelaufen, die sämtlich besagten, daß
westlich von Bornholm 7 Dampfer, fest im Eis eingeschlossen, Gefahr liefen, bei
dem jetzt aufkommenden Westwind auf die Küste von Bornholm zu treiben.
Außerdem wurde in Funksprüchen gemeldet, daß die Dampfer nur noch sehr
wenig Kohlen und starken Proviantmangel hätten. An Hand dieser dringend
erscheinenden Notlage‘ der Dampfer entschloß ich mich, trotz des geringen
Kohlenbestandes von nur noch 500 t noch nicht .zum Kohlenergänzen nach
Swinemünde einzulaufen, sondern sofort nach. Bornholm heraufzufahren, um,
goweit wie noch möglich, diesen Dampfern zu helfen. Da das Wetter immer
unsichtiger wurde, Schneetreiben einsetzte und es unwahrscheinlich erschien,
unter solchen Umständen nachts die Dampfer, deren genauer Schiffsort nicht
bekannt war, zu finden, so wurde südlich von Due Odde in eisfreiem Wasser
geankert, um möglichst den Restbestand der Kohlen aufzusparen und bei Hell-
werden das Suchen nach den Dampfern mit mehr Wahrscheinlichkeit auf Erfolg
aufnehmen zu können. Bea ;
In der Nacht vom 19. auf. den 20, II. erschienen. bei. B. die Dampfer „Ursula“
und „Pallas“, Sie erhielten die Anweisung, Süd-Kurs einzuschlagen, die kurz vor
der Küste liegenden Eisfelder östlich zu umfahren und Swinemünde anzulaufen.
Im übrigen wurde ihnen bedeutet, daß, falls ihnen dies nicht gelänge, B, wahr-
scheinlich auf dem mit gleichem Kurse stattÄindenden Rückwege sie aufnehmen
könne,
Nachts wurden wieder zwei Funksprüche des norwegischen Dampfers „Pollux“
aufgefangen, die besagten, daß die bei „Pollux“ liegenden Dampfer „Christel
Salling“ und „Continental“ nur: noch knapp für einen Tag Proviant hätten,
Diese offensichtliche Notlage bestärkte mich in dem bereits gefaßten Entschluß,
trotz des geringen Kohlenbestandes zu den Dampfern vorzustoßen und sie
wenigstens zu verproviantieren, falls die Kohlenknappheit weitere Hilfeleistung
nicht möglich machen sollte, .
Am 20, II wurde auf West-Kurs das Suchen nach den gemeldeten Dampfern
begonnen. Das Wetter war stark diesig, Sichtweite äußerst begrenzt. Das
gänzlich unberechenbar wandernde Eis und die schwer zu schätzende Fahrt
machten die Navigation im: diesen unreinen Gewässern einigermaßen riskant,
8h 10m Vm. wurde der in festem Packeis eingeschlossene englische Passagier-
dampfer „Baltricer“ angetroffen. Ein Offizier und drei Mann wurden über das
Eis zu „Baltricer“ geschickt, um Erkundigungen über den Zustand des Dampfers
und der anderen Schiffe einzuholen. Der Dampfer hatte für drei Tage Proviant
Aus. d, Hydr. usw. 1926, Heft IL.