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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

362 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1926, 
Über geschätzte Windstärken und gemessene Windgeschwindigkeiten. 
Von W, Köppen. 
Die neueste Publikation von G. C. Simpson!) über diesen Gegenstand ist 
ein durchaus erfreuliches Zeichen des Wunsches nach wissenschaftlicher Zu- 
sammenarbeit und der Anerkennung für nicht-englische Leistungen, insbesondere 
der Beobachtungen deutscher Seeleute, Die Erklärung für die höheren Ge- 
schwindigkeitswerte der Grade über 4 Beaufort fällt mit der von mir in den 
Ann. d. Hydr, usw, 1916, S. 61, gegebenen zusammen, nämlich daß sie in der 
höheren Aufstellung der benutzten Anemometer zu suchen ist. Warum in den 
niederen Graden umgekehrt die vom Meteorological Office angenommenen Zahlen 
niedriger sind als die der Seewarte, dafür gibt er keine Erklärung und erwähnt 
die von mir a. a. O0. S. 61 gegebene nicht. 
Man muß sich vergegenwärtigen, daß 1910, als das Internationale Meteoro- 
logische Komitee eine Kommission zur Untersuchung dieser Frage einsetzte, noch 
Vergleichsskalen an meteorologischen Instituten und in den bekanntesten Nach- 
schlagebüchern nebeneinander gingen, die für dieselbe Geschwindigkeit teilweise 
um mehr als drei Grade verschiedene Werte der Beaufortskala annahmen. Dem 
gegenüber ist das alleinige Bestehen der zwei einzigen genauer untersuchten 
Skalen der Seewarte und des Londoner Amtes bereits ein großer Fortschritt, In 
den häufigsten Stärkegraden 1 bis 5 weichen diese nur sehr wenig voneinander 
ab. Auch in den übrigen Stärkegraden würde die Annahme einer zwischen ihnen 
liegenden Umsetzungsskala, wie sie Herr Simpson vorschlägt, für die Vergleich- 
barkeit der in verschiedenen Ländern gewonnenen Beobachtungen praktisch 
nahezu genügen, insbesondere die Brauchbarkeit der Wettertelegramme erhöhen, 
Die Natur des Gegenstandes gestattet sowieso gar keine scharfen Bestimmungen, 
sondern nur Annäherungen, Allein für wissenschaftliche Zwecke müssen wir 
doch die Fragestellung klarer fassen und einige noch bestehende Irrtümer aus- 
merzen. Beispielsweise ist für die Untersuchung der Beziehung zwischen Wind 
und Meeresströmung die Kenntnis der absoluten Windgeschwindigkeit an der 
Meeresoberfläche notwendig, usw. 
Vorausgeschickt sei, daß die Windstärkeskala 0 bis 12 zwar zur Erinnerung 
an den verdienten englischen Seemann, der sie zuerst gebrauchte, Beaufortskala 
genannt wird, daß sie aber mit den von ihm gegebenen Definitionen längst nichts 
mehr zu tun hat. In Nr. 5 des Jahrgangs 1898 des Archivs der Deutschen See- 
warte habe ich (S. 21) darüber zwei Aussprüche erfahrener englischer Seeleute 
angeführt. 
Die Unsicherheit der Vergleiche dieser Art liegt in vier Richtungen: 
1. In den persönlichen Fehlern der schätzenden Beobachter. 
2. In den Fehlern der Konstanten der Instrumente. 
3. In den Unterschieden der Windgeschwindigkeit bei geringen horizon- 
talen und vertikalen Abständen. 
In den Fehlern der Methoden der Vergleichungen, 
Zu 1. Der Zweck der Vergleiche ist, mit möglichst geringem, mittlerem Fehler 
die in der ganzen Welt gewonnenen Stärkeschätzungen in der Skala 0 bis 12 und 
gemessenen Geschwindigkeiten ineinander umsetzen zu können. 
Dazu sind die Angaben (1) erfahrener und (2) verschiedener Beobachter in 
(3) ausreichender Anzahl nötig. Denn Schätzungen verschiedener Beobachter 
und solche ein und desselben Beobachters zu verschiedenen Zeiten sind ungleich, 
Die erste der Bedingungen ist bei beiden Zahlenreihen erfüllt. Die zweite 
bei der Skala der Seewarte bedeutend besser (45 Beobachter), als bei der des 
Meteor, Off, (5 Beobachter und überwiegender Einfluß eines). Die dritte ist es 
für die häufigeren Windstärken 1 bis 5 bei der letzteren überreichlich, aber auch 
bei der der Seewarte völlig ausreichend. Für die höheren Windstärken aber, 
5 und darüber, bei der Reihe der Seewarte ungenügend. 
ı The velocity equivalents of the Beaufort Scale. Profess, Notes No. 44. London 1926, 248. 
4,
	        
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