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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

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. Annalen der Hydrographie und Maritimen ‚Meteorologie, Februar 1926, 
für die in See befindlichen Dampfer schnell bedrohlich gestalten würde. Um 
83h 30m Vm. verließ „Braunschweig“ den Hafen und nahm von „Kiel-Feuerschiff“ 
ab Kurs nach dem Fehmarn-Beilt. Der Kommandant berichtet über den Verlauf 
der Aktion das Folgende: 
»In der Kieler Bucht wurde schweres Eis noch nicht angetroffen. Es war 
nur loses, zu großen Feldern zusammengeschobenes Treibeis vorhanden, jedoch 
noch ‚nicht. von einer Stärke, daß es der Schiffahrt ernstliche Schwierigkeiten 
bereitet hätte. Die Eisverhältnisse änderten sich aber, je weiter sich das Schiff 
dem Fehmarn-Belt näherte. Hier war teilweise das Treibeis durch den strengen 
Frost zu großen Feldern zusammengebacken, teilweise wurde ganz glattes Jung- 
eis angetroffen. Um 1% Nm. hatte B. Westermakelsdorf querab und steuerte von 
hier nach. dem Ostausgang des Fehmarn-Belt, Je weiter das Schiff nach dem 
Osten kam, um so schwieriger wurden die KEisverhältnisse. Durch den an- 
dauernden Ostwind hatten sich im Belt große Mengen Treibeis gestaut und 
waren bei dem strengen Frost zu einer starken Eisdecke über das ganze See- 
gebiet zusammengefroren. Im ganzen Fehmarn-Belt verstreut wurde eine große 
Anzahl Dampfer angetroffen, die alle im Eis nicht mehr weiter kamen, ja teil- 
weise schon fest eingefroren waren, An den ersten Dampfern in noch dünnerem 
Eis wurde nahe vorbeigeschoren, so daß die Dampfer sich ins Kielwasser setzen 
und folgen konnten. Später, als das Eis dicker wurde, mußten weiter entfernt 
liegende Dampfer bereits regelrecht losgebrochen werden. Der Geleitzug erhielt 
dann jedesmal durch Flaggensignale Befehl, zu warten. „Braunschweig“ schor 
aus, holte den betreffenden Dampfer heran und stellte ihn mit in den Geleitzug 
ein. Auf diese Weise wuchs im Laufe des Nachmittags und Abends der Convoi 
auf 20 Schiffe an. Die Weiterfahrt des Geleitzuges war aufs äußerste erschwert 
durch die Länge des. Convois und durch das immer stärker werdende Eis. 
Dieses wurde schließlich so stark, daß B. mit Umdrehungen für 12 Sm stehen 
blieb; mit Umdrehungen für 14 Sm war das Eis noch eben zu brechen. Immer 
wieder kamen Dampfer des Geleitzuges fest, versperrten dadurch den nächst- 
lolgenden den Weg und mußten einzeln herausgebrochen werden, während die 
Äbrigen Schiffe wegen Verstopfens der Fahrrinne möglichst in offenen Stellen 
gestoppt werden mußten. Am Ostausgang der Mecklenburger Bucht wurde das 
durch den dauernden Ostwind hereingepreßte Eis schließlich so stark, daß es 
nur. noch möglich war, den Geleitzug, gruppenweise zerlegt, nacheinander vor- 
wärts zu bringen. Die Dampfer konnten in der Dunkelheit das Kielwasser nicht 
halten, kamen fest, hielten auch, des Geleitzugsfahrens ungewohnt, aus Furcht 
vor Zusammenstößen zu großen Abstand, so daß schließlich fast jedes Schiff 
einzeln durch das sofort wieder dicht zusammenpressende Eis durchgebracht 
werden mußte, Eine Weiterfahrt auf diese Weise bei dem immer noch stärker 
werdenden Eis und im Dunkel der Nacht erschien zwecklos und auch im Hin- 
blick auf die Sicherheit der Dampfer zu gewagt. Daher wurde, als das erste 
Reiseziel eines Teiles des Geleitzuges, die Gjedser-Enge, erreicht ‚war, um 
3h 30m Vm. den 18. II. der Convoi im Eis gestoppt und Tagwerden abgewartet. 
Am 18, IL 6% Ym, schlossen sich B. zum weiteren Durchbruch nach Osten 
13 Dampfer an. Im Laufe des 18. II, wurde der Geleitzug in schwerem Arbeiten 
durch das immer fester werdende: Packeis um Rügen herum bis 5 Sm nord- 
östlich von Greifswalder Oie gebracht. Die Dampfer gewöhnten sich bald an 
das Geleitzugfahren, hielten .besser Abstand und schoren nicht mehr so häufig 
aus der gebrochenen Fahrrinne aus. Trotz des besseren Fahrens wurde das 
Fortkommen immer schwieriger, da .die nachfolgenden Dampfer immer häufiger 
durch die losgebrochenen und im Kielwasser wieder zusammenschließenden Eis: 
schollen abgestoppt und dann durch das seitlich heranpressende Packeis fest- 
geklemmt wurden, so daß andauernd ein erneutes Losbrechen des ganzen Geleit- 
zuges notwendig war. Um 5° Nm. trennten sich nördlich von Dornbusch an 
einer Stelle, wo teilweise freies Wasser war, die schwedischen Dampfer „Caro“, 
‚Grönlög‘“ „Grim“, „Skaraborg“ und der dänische Dampfer „Ella“ mit Kurs nach 
dem Sund vom Geleitzug. Dafür wurde der an dieser Stelle wartende est- 
ländische Dampfer „Sakalla“ mitgenommen. und £päter in der Dunkelheit vor
	        
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