356 Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1926,
Falle nicht mit anderen Schiffen zu kollidieren. Ganz besonders besteht diese
Gefahr dann, wenn der spanische Postdampfer im Hafen liegt, mit dem Heck
an der Mole vertäut und vor beiden Ankern, Der am meisten benutzte
Ankerplatz ist nämlich. in
der Richtung dieses so ver-
täuten Dampfers, da von
hier aus am besten zu
löschen ist, Es empfiehlt
sich daher, beim Zuanker-
gehen in der Bucht von
Santa Isabel die Möglich-
keit des Wiedererscheinens
dieses Stromes in Betracht
zu ziehen.“
Zum vorstehenden Bericht
des D. ‚Wajao“ ist folgendes zu
bemerken: Es scheint sich um
eine der von Sandström (Ann,
da. Hydr, usır 1908, 8. 6 ff.) be-
schriebenen Erscheinungen zu
handeln (s, Fig. 1). Der Vergleich
der Santa Isabel-Bucht (Fig. 2)
mit einem Fjord und der damit
verknüpften Wasserschichtung
ist wohl zulässig. Der auflandige Wind hätte demnach ein Aufstauen der leichteren Oberflächen-
schicht gegen den Strand bewirkt; möglicherweise wurde diese Bewegung durch den Gezeitenstrom
verstärkt, Die von Kapt Reiss berichtete Stromkabbelung entspricht dann der Grenzschicht zwischen
den beiden verschiedenen Wasserarten und ihren Bewegungen. Zorell,
3. Flutwelle im Hafen von Kalamata (Griechenland) am 20. Juni 1926,
D. „Syra“, Deutsche Levante-Linie, Kapt, J. Aubel, berichtet:
Dampfer „Syra“ dampfte am 20. Juni um 6% Nm. mit langsamer Maschine
und beständigem Loten nach Anweisung des Hafenlotsen in den Hafen von
Kalamata. Der Tiefgang war 20 2”, Unter 10 m Wassertiefe wurde nicht ge-
lotet. Vertäut wurde das Schiff vorn beide Anker mit etwa 30 Faden Kette,
hinten mit 2 Stahltrossen und 1 Manilaleine an Steuerbord und 1 Stahlleine und
1 Manilaleinoe an Backbord. Nachdem das Schiff festlag, wurde die Lose von
den Ankerketten eingehievt, Am 22, Juni um 5% Ym. trat plötzlich im Hafen
eine starke Wirbelströmung auf, Das Schiff fing an zu gieren, zog beide Anker
durch, schlug mit dem Heck nach Steuerbord aus und zerriß die beiden Stahl.
trossen und die Manilaleine an Steuerbord, Das Schiff selbst wurde gegen die
Mole gedrückt und hat höchstwahrscheinlich den Grund berührt, Die Offiziere
und die Mannschaft waren schnell zur Stelle und machten das Schiff wieder
fest. Mehrere Peilungen von Hinterpiek und Tanks ergaben, daß das Schiff
kein Wasser machte,
Ob nun das plötzliche Auftreten der Strömung im Hafen durch einen Erd-
stoß oder dergl. entstanden ist, entzieht sich meiner Kenntnis, Soweit wir beob-
achtet haben, war der Wasserstand im Hafen über 1m gestiegen. Zur Zeit des
Vorfalles war Windstille und glatte See, Nicht eine Spur von Dünung war im
Hafen zu bemerken.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Küsten- und Handelsgeographie für Secfahrer von in einem längeren Vortrage seine Ansichten über
Prof, Dr. E. H, Schütz und Prof, W. Immler. E des MD in den Ar Da
ahrtschulen aufgenommenen geographischen
Hamburg 1026. Eckardt & Messtorff, Na Unterrichts zu entwickeln. Ausgehend von der
tische Verlagsbuchhandlung. kaum zu bestreitenden Tatsache, daß der junge
Auf dem XII, Secschiffahrtstage zu Lübeck Seemann in der Regel nur recht HurenüFende
hatte Prof. Dr. Schütz, einer der Verfasser des geographische Kenntnisse mitbringt, führte der
vorliegenden Lehrbuches, Gelegenheit genommen, Referent aus, daß es im Hinblick auf den großen