352 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1926,
vorhanden ist. Dieser Raum muß etwa 10 Sm breit und 20 Sm lang sein, auch
zollte er diese Maße möglichst nicht überschreiten. Da im Aufstiegsraume hohe
Fahrt gelaufen werden muß, muß mindestens 10m Wassertiefe durchgehends
vorhanden sein, Notwendig ist ferner Schutz gegen Seegang in den Hauptwind-
richtungen. Der Weg von der Station zum Aufstiegsplatz muß möglichst kurz
und das Aufstiegsgebiet möglichst verkehrsarm sein. Um hohe Aufstiege auch
bei Nebel zu ermöglichen, werden Leitkabel oder Funkpeilanlagen für den Auf-
stiegsraum unentbehrlich sein. ;
2. An Gebäuden sind notwendig (außer den Räumen für Büros, Instrumente,
vielleicht auch Wohnungen):
a) Eine Werkstatt für Tischler- und Maschinenschlosser-Arbeiten,
b} Eine Ballonhalle für einen Ballon von 70 bis 90 cbm Wasserstoffinhalt
(5 bis 61/, m Durchmesser).
Ein Drachenhaus, in dem die Drachen fertig zusammengesetzt aufbewahrt
werden können. Das Zusammensetzen an Bord hat sich nicht bewährt
Es ist ferner zu fordern: ein Hafen, der einen gesicherten Liegeplatz für
das Fahrzeug oder besser die Fahrzeuge bietet. Er muß auch bei schlechtem
Wetter und besonders bei Nebel leicht anzulaufen bzw. zu finden sein. Die
Stationsgebäude und der Hafen müssen unmittelbar nebeneinander liegen, Um
ein sicheres Arbeiten auch bei Nebel zu ermöglichen, sind u. U, besondere An-
lagen zu schaffen (Leitkabel, Nebelsignalapparate). Die Hafenanlage muß im
Gegensatz zu den üblichen Torpedobootshäfen die Möglichkeit des Drehens bieten,
damit nicht mit Ballon an Bord rückwärts gegen starken Wind ausgelaufen zu
werden braucht. Kohlen- und Öllager muß leicht erreichbar sein, nötigenfalls
muß ein besonderer Gleisanschluß gelegt werden. Die Empfindlichkeit der Wasser-
rohrkessel wird eine Enthärtungsanlage notwendig machen, sofern nicht enthärtetes
Wasser in genügender Menge in der Nähe zu haben ist. Vielleicht würde sich
auch eine eigene Wasserstofferzeugungsanlage lohnen. Bei Gleisanschluß könnte
allerdings das Gas wohl billiger waggonweise in Flaschen bezogen werden.
3. Als Fahrzeug würde ein großes seetüchtiges Torpedoboot oder ähnliches
Fahrzeug in Betracht kommen. Dieses müßte etwa die Abmessungen der Boots-
serie V 150 bis 161 haben. Also: Länge 72 m, Breite 7.8 m, Tiefgang 3.1 m,
@ Kolbenmaschinen, 4 Ölkessel, 550 ts Wasserverdrängung.
Man muß sich klar sein darüber, daß mit der Größe und im gewissen Sinne
auch mit der Schnelligkeit des Fahrzeuges die Erfolge wachsen werden, wobei
aber eine größere Geschwindigkeit als 24 Sm nicht nötig sein wird.
Es ist zu erwarten, daß ein Fahrzeug von den oben genannten Abmessungen
allen billigen Ansprüchen genügen wird, Zur Not oder als Reserve käme auch
ein Fahrzeug von der Größe der sogenannten A IlI-Boote in Frage, Diese Boote
haben 2 Ölkessel, 2 Turbinen, verdrängen soweit mir noch erinnerlich etwa 200 ts
und werden etwas über 40 m lang sein, (Die genauen Maße sind mir zur Zeit
nicht zugänglich.) Die Geschwindigkeit des Fahrzeugs sollte nicht unter 20 Sm
betragen, sie braucht nicht über 24 Sm hinaufzugehen, Der Aktionsradius kann
gering sein, sofern Brennmaterial nahe beim Liegeplatz, oder besser, am Liege-
platz selbst übergenommen werden kann. nn
Als Winde hat sich die auf der „Gna“ eingebaute Winde mit liegender Achse
und vier Stahlgußtrommeln nach mehrmaligen Verbesserungen bewährt, jedoch
sollte sie noch kräftiger sein, so daß sie bis 160 kg Zug leisten kann. Der von
Bergmann, Berlin, gelieferte Elektromotor mit Zusatzaggregat und Kontroller
ermöglicht 270 Geschwindigkeiten von 2% cm bis 7m je Sek. Die Drahtführung,
an Bord der „Gna“ zugleich Dynamometer und Federung enthaltend, und die
Hergesellsche Azimutrolle könnten, natürlich den veränderten Bordverhältnissen
angepaßt, ohne weiteres nachgebaut werden. Dabei ist darauf zu achten, daß
die den Kontroller bedienende Person bequem den von der Verteilerrolle der Winde
zum Dynamometer laufenden Draht sehen kann. Nach den Schwingungen dieses
Drahtes läßt sich am besten die Auslaufgeschwindigkeit bei Ballonaufstiegen regeln.
Da ein Übernachten der Besatzung im allgemeinen nicht in Frage kommt,
könnten statt der sonst üblichen hinteren Wohnräume, hinter einer achteren Brücke
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