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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Hugo, G.: Seemännische usw. Gesichtspunkte für die Errichtung einer aerologischen Station usw. 351 
Seemännische und aufstiegstechnische Gesichtspunkte für die Errichtung 
einer aerologischen Station mit Bordaufstiegsbetrieb an der deutschen 
Küste, unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Drachenstation am 
_ Bodensee. 
Von Gustav Hugo, Assistent an der Drachenstation am Bodensee, Kapitänleutnant a, D. 
Der Wunsch nach aerologischen Aufstiegen von Bord aus wurde erstmals 
auf dem hydrographischen Kongreß in Stockholm 1899 ausgesprochen. Am 21, No- 
vember 1900 wurde zum ersten Male durch einen Drachenaufstieg, welcher vor 
Gothenburg vom Kanonenboot „Svensksund“ aus ausgeführt wurde, dieser Wunsch 
in die Tat umgesetzt, 
W. Köppen!) wies sodann 1901 auf die Vorteile eines Observatoriums mit 
Bordaufstiegsbetrieb hin, und 1908 wurde durch H. Hergesell die erste aero- 
logische Station mit Bordaufstiegsbetrieb in Friedrichshafen am Bodensee ins 
Leben gerufen. Als Observatorium mit ständigem Aufstiegsbetrieb ist diese Station 
merkwürdigerweise bisher meines Wissens die einzige geblieben”), trotzdem sich 
schon bald zeigte, daß der Begründer mit dieser Station einen Weg zu erheb- 
lichen Erfolgen gewiesen hatte. Bereits im Jahrbuch 1910°%) konnte der erste Leiter 
der Station, E. Kleinschmidt, schreiben: „Bei genügender Ausrüstung, wobei 
in erster Linie an die Erwerbung eines Reserveschiffes zu denken ist, läßt sich 
mit relativ geringer Vermehrung der ordentlichen Geldmittel auf dem Bodensee 
ein Observatorium schaffen, das ein solches auf dem festen Lande in allen Punkten 
übertrifft.“ 
Nach den bisherigen Erfahrungen der Drachenstation darf es als sicher gelten, 
daß, mit allerdings erheblich größeren Mitteln und unter Ausnutzung der prak- 
tisch unbeschränkten Anlaufsmöglichkeiten, welche die See bietet, noch größere 
Erfolge d. h. Serien noch höherer Aufstiege, zu erreichen sind, 
Zum Verständnis der folgenden Ausführungen sei kurz hervorgehoben, daß 
die Aufstiege auf dem Bodensee von einem 27 m langen, etwa 38'/, m breiten 
Fahrzeug „Gna“ aus ausgeführt werden. Die „Gina“ ist, in Anlehnung an Torpedo- 
bootsformen, von der bekannten Torpedobootswerft Schichau in Elbing erbaut, 
Eine Dampfmaschine mit kleinem Kohlen-Schichau-Kessel von etwa 500 ind, PS, 
verleiht ihr eine Geschwindigkeit von praktisch jetzt noch 16 Sm, 
Etwa 95°%, aller Aufstiege werden als Ballonaufstiege ausgeführt, der Rest 
mittels Drachen. Die Ballonaufstiege beginnen bei überwiegend N-lichem bis 
E-lichem Winde am deutschen, bei überwiegend W-lichem bis S-lichem Winde am 
Schweizer Ufer. Der Wind wird ausgelaufen, wobei aber der Ballon ohne 
Schaden bis zu einem Höhenwinkel von 40° bei bis zu 5 m/seoc Windüberschuß 
vorlaufen kann. Da Drachenaufstiege nur bei stärkerem Winde als 10 m/sec 
ausgeführt werden, so kommen diese fast nur bei W-lichen Winden in Frage. 
Muß wegen der Windverhältnisse der Drachen durch Gegenandampfen hoch- 
gebracht werden, so kann am deutschen Ufer begonnen werden, muß wegen 
zu starken Windes wenigstens zeitweise mitgelaufen werden, so genügt es meist, 
wenn in der Windrichtung 1 bis 2 Sm vom deutschen Ufer abgelaufen und dann 
begonnen wird. 
Bezüglich der Station an der Küste seien nun der Reihe nach betrachtet: 
I. Lage der Station, 3. Fahrzeug und seine Einrichtungen, 
2. Gebäude, Hafenanlagen, 4. Personal. a . 
1. Die Station muß so liegen, daß von der Station weg oder zur Station hin 
in den Hauptwindrichtungen reichlich Raum zum Anlauf während des Aufstieges 
1) Arch. d. Deutschen Seewarte, Bd. 24, Nr. 1. 
*) Eine Station an der See war 1918 vom Reichs-Marine-Amt geplant, 
1) Bezüglich der unerreichten Erfolge der Station sei auf die bisher veröffentlichten Jahrbücher 
1908 bis 1917 verwiesen. Dort findet sich auch Näheres über die Aufstiegstechnik, Die Jahrbücher 
sind erschienen unter dem Titel „Ergebnisse der Arbeiten der Drachenstation am Bodensee“,
	        
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