340 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1926.
getragenen Zahlen in der Seekarte erkennbar sein, ob sie wirkliche Tiefen oder
Echoabstände bei ungerichteter Schallaussendung bedeuten. Bei stark bewegtem
Bodenprofil sind bis auf weiteres nur die letzteren für den Seemann unmittelbar
zu verwenden, Weiter muß bekannt sein, mit welcher Schallgeschwindigkeit diese
eingetragenen Echoabstände berechnet sind; sie sollte auf allen Seekarten die
gleiche sein, am bequemsten eine runde Zahl 1500 m. Man kann dann auch die
vermutlich immer wichtiger werdenden einfachen Schallotverfahren, die nur die
Echozeit selbst messen, ohne weiteres verwenden, Dann würde je einer Sekunde
Echozeit ein Echoabstand von 750 m in der Karte entsprechen.
Berlin, Juni 1926,
Die allgemeine Funkbeschickungsgleichung.
Von Dr. F, A. Fischer, Kiel,
(Hierzu Tafel 22 mit Bild 1 bis 11.)
Die grundlegende allgemeine Formel, die die Deviation 6 eines Magnetkom-
passes in Abhängigkeit vom mißweisenden Kurs 5% darstellt, lautet bekanntlich
Y ig = A+Bein g +4 CE cos + Dein 25 + Fcos25
\ 1+83 cos £ — € sin 5 + D cos 25 — Gain 27
Sie wird abgeleitet, indem man die magnetischen Kräfte des Schiffes in Kom-
ponenten nach den drei Hauptdimensionen des Schiffes zerlegt und dann summiert,
{m folgenden soll in entsprechender Weise derselbe geschlossene Ausdruck für
die Funkbeschickung des Bordfunkpeilers in Abhängigkeit von der wahren (geo-
metrischen) Seitenpeilung p des Senders abgeleitet werden, Es müssen dazu die
alektromagnetischen Rückstrahlkräfte des Schiffes in Komponenten nach‘ den
Hauptdimensionen des Schiffes zerlegt und summiert werden.
Die rückstrahlenden Teile des Schiffes zerfallen in solche, die als Hoch-
antennen und solche, die als Schleifen wirken. Es sei im folgenden vorausgesetzt,
daß das Schiff vierkant liegt, die Achse des Peilrahmens also vertikal steht,
Dann brauchen nur die horizontalen Projektionen der auftretenden magnetischen
Vektoren betrachtet zu werden, da die vertikalen den Peilrahmen nicht be-
einflussen.
Der Peiler reagiert auf das resultierende Feld aus dem Feld der unter dem
Steuerbordwinkel p einfallenden elektromagnetischen Welle, deren magnetischer
Vektor H = H, sin wt sei, und dem horizontalen Rückstrahlfeld des Schiffes. Die
Welle sei eben und normal polarisiert, .
Die Komponente des resultierenden Feldes nach Voraus werde mit V, die
nach Backbord mit S bezeichnet,
Die Komponenten des Feldes der einfallenden Welle sind nach Voraus (Bild 1),
V. = Hsin p, nach Backbord S; = Hcosp, indem wir den der Seitenpeilung p
des Senders entsprechenden magnetischen Vektor im Steuerbordwinkel (p — 90°)
annehmen.
Eine unter dem Steuerbordwinkel a, stehende Hochantenne erzeugt an der
Stelle, wo der Peiler steht, das Rückstrahlfeld Z= k,H (Bild 2) mit den Kom-
ponenten k, H sin @, nach Voraus und k,H cos «, nach Backbord, indem der zum
Steuerbordwinkel «, der Hochantenne gehörende Steuerbordwinkel des magnetischen
Vektors = (@, — 90°) angenommen wird. Eine Hochantenne liefert also für den
Funkpeiler einen im Schiff festen magnetischen Vektor, dessen Stärke von der
Seitenpeilung des einkommenden Strahls unabhängig ist, analog wie ein
[/ester Magnetpol bezüglich der Kompaßwirkung einen im Schiff festen Vektor
‚iefert, dessen Stärke vom Kurs unabhängig ist. Eine Hochantenne ruft daher
eine halbkreisige Funkbeschickung hervor, genau wie ein fester Magnetpol eine
halbkreisige Kompaßdeviation erzeugt!).
1) Siehe auch die Arbeit von Prof. Dr. H. Maurer und Dr. F. A, Fischer, Ann. d, Hydr, usw. 1926,
5. 13: „Die vom Schiff hervorgerufene Funkfeblweisung und ihre Kompensation“, die im folgenden
als bekannt vorausgesetzt wird,