330 Amnalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1926,
Wasserrolle, die einen Luftzylinder einschließt undk später durch ihren Zusammen-
bruch eine besonders starke Bildung von Brandungsschaum verursacht.
Nicht so häufig ist eine Modifikation, zu deren Beobachtung der Seestrand
mehr Gelegenheit bietet als die offene See, Haben sich nämlich bei auflandigem
Winde schaumgekrönte Wellenkämme gebildet, welche dem Strande zueilen, und
getzt nun plötzlich ein Landwind ein, so stürzt der Schaum der Kämme nicht
mehr mit der Welle nach vorn, sondern er wird durch den Wind rückwärts ge-
trieben und in langen Fäden nach hinten gewissermaßen ausgekämmt. Die Ähn-
Jichkeit mit einer flatternden, weißen Pferdemähne wirkt dann um so frappanter,
als die Rückseite der Welle in ihrer Form. dem gebogenen Halsprofil eines
Pferdes gleicht. Nimmt man
die in solchem Stadium vor-
herrschende und wahrschein-
lich durch die entgegengesetzte
Richtung von Wasser und Wind
hervorgerufene hüpfende Be-
wegung der Welle hinzu, so
ergibt sich eine überraschende
Ähnlichkeit mit galoppierenden
Pferden, deren weiße Mähnen
im Winde flattern. Alle Beob-
achter, die ich auf derartige
Erscheinungen aufmerksam
machte, kamen von selbst auf
diesen Vergleich, und es ist
daher erklärlich, daß bei den
Dichtern aller Zeiten, von Ho-
mer angefangen, bei Friedrich
Theodor Vischer, Holger Drach-
mann, Detlev von Lilieneron,
Gustav Frenssen, um nur einige
wenige zu nennen,solche Meeres-
wellen als Rosse des Poseidon,
Wellenrosse, Wogenreiter, flat-
ternde Mähnen usw. besungen
werden. Es ist leicht möglich,
daß im Mittelländischen Meer
dieses Phänomen bekannter ist
als bei uns, Erstens ist nämlich
der schaumförderndeSalzgehalt
jenes Meeres erheblich größer,
zweitens dürften die starke
Küstengliederung und der Insel-
reichtum öfter zu einem Um-
schlag des Windes, insbesondere
einem Wechsel zwischen Land-
und Seewind führen, und drittens gibt die dichteroe Besiedelung der Küsten und
die engere Verknüpfung der Bevölkerung mit dem Meere häufiger Gelegenheit
zur Beobachtung. Die beiden dem Institut für Meereskunde an der Universität
Berlin gehörenden Photographien (Fig. 1 und 2) geben diese „Schaummähnen“
deutlich wieder,
Auf offener See habe ich sie auch gesehen, doch sind sie dort verhältnismäßig
selten, wahrscheinlich weil ein plötzlicher Windwechsel nicht so häufig vorkommt,
wie an der Küste,
3. Die Wellen wachsen nach der bekannten Helmholtzsehen Theorie dadurch,
daß der Wind ihnen seine Energie abgibt, so lange, bis ein stabiler Gleich-
gewichtszustand erreicht ist, d.h. bis die Wellen jene Dimensionen angenommen
haben, welche der herrschenden Windgeschwindigkeit entsprechen. Sie pflanzen
ed