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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1926, 
zu stoppen beim Loten, damit das „Springen“ des Lots beim Einholen der 
Jjetzten Meter vermieden wird, solange noch keine Mittel angewendet werden 
können, um beiden erwähnten Ursachen der Zerfetzung des Randes vorzubeugen. 
Vielleicht ist es möglich bei dem heutigen Stand der chemischen Wissenschaft, 
dem farbigen Belag in der Glasröhre eine Substanz beizumischen mit einem 
entsprechenden Verzögerungssatz, welche entweder die Wandbenetzung in der 
angemessenen Sekundenzahl nach der Grundberührung des Lots völlig aufsaugt, 
verkocht oder So träge macht, daß Druckunterschiede und/oder mechanische 
Rucke und Stöße ihre Wirkung verlieren, 
Zu den Erörterungen über den zu großen oder ungleichen lichten Durchmesser der Lotröhren 
möchte ich eine Anregung geben, die sich vielleicht nach wissenschaftlicher Prüfung als ausführbar 
und praktisch erweisen würde, Ich schlage folgende Anderung in dem bisherigen Verfahren vor: 
Jedes Schift müßte mit 10 bis 20 durchprobierten, geeichten Präzisionslotröhren ausgerüstet werden. 
Der lichte Durchmesser müßte einwandfrei sein, Jede Lotröhre soll geschützt sein gegen Zerbrechen 
durch eine dünne, fest angebrachte Metallhülse, versehen mit zwei breiten gegenüberliegenden Schlitzen 
in fast ihrer ganzen Länge, um die Ablesung zu ermöglichen. Eine geeignete Flüssigkeit müßte vor- 
handen sein, um die Lotröhre sofort nach Gebrauch vermittels einer kleinen langgestielten Bürste zu 
säubern. Die innere Belegung ist an Bord sofort nach Gebrauch auszuführen, 
Die für die Belegung anzuwerdende Flüssigkeit soll . 
1. 80 flüssig sein, daß durch einfaches Auffüllen und Entleeren der Röhre ein genügender Belag 
in der Röhre haftet; 
?, die Beschaffenheit haben, in der Röhre sofort nach der Entleerung zu trocknen: 
3. wie oben erwähnt, die Fähigkeit haben, nach Aufstoßen des Lotes auf Grund die Wand- 
En eAzUnG aufzusangen, zu verkochen oder so träge zu machen, daß eine Zerfetzung des 
Randes der Entfärbung nicht eintreten kann, . 
Die Anschaffung der Präzisionsröhren und der Flüssigkeiten würde zunächst vielleicht eine etwas 
größere Ausgabe bedingen, im Laufe der Zeit würde aber eine bedeutende Verbilligung eintreten, Die 
Flüssigkeiten müßten in unzerbrechlichen Behältern gehalten werden, Hatte der Schiffstührer oder 
dessen Vertreter früher dafür zu sorgen, daß die genügende Anzahl Lotröhren an Bord waren, so ist 
jetzt dafür zu sorgen, daß die genügende Menge Flüssigkeit vorhanden ist, Ein im Kartenhaus 
sichtbar angebrachter Ständer für die Röhren wäre zu empfehlen. 
Noch manche andere Gründe haben dazu beigetragen, das Vertrauen in das 
Thomson-Lot zu erschüttern und den Wunsch nach einer neuen Erfindung rege 
zu machen, Wie oft mag es vorgekommen sein, daß Lot und Lotdraht verloren 
sind durch einen Kink im Draht oder durch sonstige Umstände, Wenn es nachts 
passierte, konnte es noch besonders unangenehm werden, In aller Eile wurde 
das Reservelot und der Reservedraht hervorgeholt, in Betrieb gesetzt, und dieses 
beides ging gelegentlich auch sofort verloren. Ich habe gehört von einem der- 
artigen Fall, der sehr tragisch für den betreffenden III. Offizier auslief, Jedenfalls 
ist oft kostbare Zeit verloren worden. Selbst erinnere ich mich aus dem Anfang 
meiner Laufbahn als IV, Öffizier, daß man etwas ängstlich an die Lotmaschine 
heranging, die man in seinen Segelschiffsjahren kennenzulernen nicht die Ge- 
jegenheit gehabt hatte, Man hatte sich allerdings genügend informiert, man 
wußte auch, daß Kinken im Draht den Verlust von Lot und Draht zur Folge 
haben konnten, aber eine geheime Scheu empfand man zunächst doch vor dem 
Ding. Bis dann auch eines Tages das Unglück eintrat. Auf meinen energischen 
Ruf: „Stopp“ nach dem Grundstoß des Lots drehte der Steurer seinen Handgriff 
vorschriftsmäßig herum, der Draht lief aber in unverminderter Fahrt weiter 
aus, Bald mußte das Ende kommen und dann.......?! Ich legte mich mit 
dem Rücken gegen den Draht, schlug den Arm mehrere Male um den Draht 
herum, hatte im Nu drei Törns von diesem um den Arm, griff zu und stoppte 
ganz bequem das weitere Auslaufen, trotzdem der Dampfer 12 Kn, lief, Die 
schöne neue Uniform — noch die erste — hatte allerdings starke Flecken durch 
den schmierigen gefetteten Draht erhalten, ich hatte aber Lot und Draht ge- 
reitet, sogar eine brauchbare Lotung ohne Zeitverlust erhalten und die Konduite 
hatte keinen Fleck bekommen, Eine Untersuchung ergab einen Fremdkörper in 
der Bremskompresse, Passagiere hatten jedenfalls abends mit der am Heck 
stehenden Lotmaschine gespielt. ‚Jetzt kam die Überlegung, wie stoppe ich das 
Lot das nächste Mal, ohne wieder die Uniform zu opfern? Das nächste Mal trat 
bald ein. Den Handgriff der Bremskompresse bediente ich seit dem ersten Fall 
nun auch selbst mit der linken Hand, während die rechte den Haken zum Fühlen 
der Grundberührung führte, Beim langsamen Andrehen der Bremskompresse
	        
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