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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Baur, F.: Statistische Untersuchungen usw. der allgemeinen atmosphärischen Zirkulation. IV. 311 
genau so nach Westen verschoben ist, wie wir das bei den individuellen Luft- 
körpern finden : Kältemaximum auf der Vorderseite des Hochdruckgebietes, Rück- 
zeite des Hochdruckgebietes warm. Diese individuelle Eigentümlichkeit kommt 
also nicht nur bei der Summierung der einzelnen Individuen über den Zeitraum 
eines Monats, sondern auch noch bei der Differenzbildung zwischen Monatsmittel 
and „Normalwert“ klar zum Ausdruck. Darin können wir den Beweis erblicken, 
A4aß wir in den vorliegenden Karten nicht nur die Darstellung eines Rechen- 
argebnisses vor uns haben, sondern daß ihnen ein physikalischer Sinn zukommt, 
Die auf Seite 306 gestellte Vorfrage können wir nun auf Grund der erhaltenen 
Untersuchungsergebnisse wie folgt beantworten: Ob eine bestehende Anomalie 
der nordatlantıischen Luftzirkulation, von kurzen, durch fortschreitende 
Druckwellen an der Unstetigkeitsfläche zwischen Tropo- und Stratosphäre erzeugten 
Änderungen abgesehen, noch längere Zeit — mindestens !/, Monat — erhalten 
bleibt oder in ihr Gegenteil umschlägt, hängt wesentlich davon ab, ob 
das ganze Polargebiet eine einheitliche Luftdruckanomalie aufweist 
öder ob zonale Gegensätze inder Luftdruckabweichung höherer Breiten 
bestehen. Damit ist auch ein wichtiger Baustein für die Beantwortung der 
Hauptfrage (auf Seite 806) gewonnen: Die Schwankungen der atmosphärischen 
Zirkulation haben zum großen Teil ihren Grund in sich selbst, d. h. in den physi- 
kalischen Eigentümlichkeiten der Lufthülle und der Land- und Meerverteilung, 
an die sie gebunden sind. Durch bestimmte Zirkulationsanomalien werden bestimmte 
Anomalien der Luftmassenverteilung herbeigeführt, die ihrerseits wieder auf die 
Stärke der Zirkulation zurückwirken. 
Zur harmonischen Analyse empirischer, 
durch eine große Zahl gegebener Ordinaten definierter Funktionen. 
Von Privatdozent Dr. Leo Wenzel Pollak, Prag, 
Die mir seit Erscheinen meiner „Rechentafeln zur harmonischen Ana- 
lyse“1l) übersandten Mitteilungen, von denen ich zwei herausgreife, veranlassen 
mich zu nachstehenden Ausführungen, die vielleicht nicht nur für die Besitzer 
und Benutzer der „Rechentafeln“ von Interesse sein werden. 
Die eine der erwähnten Mitteilungen von sehr maßgebender deutscher Seite 
gibt die Anregung, „daran zu denken, wenigstens Tafel I gelegentlich auf mehr 
als 40 Werte auszudehnen“. Besonders hervorgehoben wird in dem in Rede stehenden 
Schreiben der Fall von 72 Grundwerten, 
Die (übrigens deutsch geschriebene) Anfrage eines Florentiner Fachmannes 
lautet dahin, daß dieser in seiner Tätigkeit reichlich Gelegenheit hat, ein Oszillo- 
gramm mit beispielsweise 105 Ordinaten, also 105/tel X 2 x auf seine harmonischen 
Konstanten zu untersuchen und wissen möchte, wie in diesem Falle am besten zu 
verfahren wäre, und ob meine Tabellen auch in dieser Hinsicht sich eignen. 
I. 
Ehe ich auf die Besprechung der harmonischen Analyse empirischer Funk- 
tionen, die durch eine große Zahl von Ordinaten. gegeben sind, eingehe, möchte 
ich die Einrichtung der „Rechentafeln“, über die ich in dieser Zeitschrift?) 
bereits etwas ausführlicher berichtet habe, zum Teil in anderer Fassung kurz 
wiederholen. Die Darstellung wird mir dadurch erleichtert, daß allen Exemplaren 
des Dezemberheftes (1925) dieser Zeitschrift ein ausführlicher Prospekt der Ver- 
jagsbuchhandlung beigelegt war. Ich darf mich also wohl auf die in demselben 
wiedergegebenen Probestücke von Tafel X und II der „Rechentafeln“ beziehen. 
Tafel I der „Rechentafeln“ gibt die natürlichen sin- und cos-Werte aller 
Winkel, welche für die harmonische Analyse von 3 bis 40 aequidistante Ordinaten 
erforderlich sind, oder, wie ich nun hervorheben möchte, die n-ten Einheits- 
!) Leipzig 1926, Johann Ambrosius Barth. (Siehe auch S. 323 dieses Heftes, D. Schrftltg.) 
1) Ann, d. Hydr. usw. LILL. Jahrg. (1925), Heft VII, S, 221.
	        
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