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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 54 (1926)

Baur, F.:; Statistische Untersuchungen usw. der allgemeinen atmosphärischen Zirkulation. IV. 305 
zählen wir die letzte Folge von negativen Abweichungen (IIEI bis V 1923) mit 
der ersten (V 1874) zu einer Interation von 4 zusammen, Es ergeben sich dann 
die in der untersten Zeile der nachfolgenden Tabelle aufgeführten wirklichen 
Iterationszahlen. Unter den n= 589 Abweichungen vom normalen Luftdruck- 
gefälle sind 299 positive und 290 negative. Wir können daher mit einer für den 
vorliegenden Zweck ausreichenden Genauigkeit p=q=4 setzen, Dann wird a= 
und man erhält: 
Länge M ....0.0.00004000= 1.2 3 4 5 58 7 8 9.10 ..... 15 
Erwartungszahl a .....,..... 147.2 736 368 184 92 46 23 12 06 0.3..... 0.009 
Wirkliche Häufigkeit der Iterationen 135 75 26 18 13 10 2 0 © 0 .....1 
Die Gegenüberstellung zeigt, daß die Monatsmittel der Luftdruckdifferenz 
Ponta Delgada—Island Wiederholungsfolgen von 5 und 6 gleichsinnigen Ab- 
weichungen häufiger, dagegen solche von nur 1 und 3 Elementen seltener auf- 
weisen als eine rein zufällige Anordnung. Ganz auffallend ist die Folge von 15 
negativen Abweichungen der Luftdruckdifferenz vom August 1887 bis Oktober 
1888, für deren einmaliges Vorkommen unter 589 Elementen nur eine Wahrschein- 
lichkeit von 0.0089 besteht, wenn man die Wahrscheinlichkeit dafür, daß in einer 
Reihe von n Wiederholungen eines einfachen Alternativvorganges x Iterationen 
von der Erwartungszahl a auftreten, dem Poissonschen Ausdruck 
e—u ax 
gleichsetzt, was bei großem n und kleinem a zulässig ist ». 
Das häufigere Auftreten einer längeren Reihe gleichsinniger Abweichungen 
der Stärke der nordatlantischen Luftzirkulation hängt, worauf schon W, Meinardus 
hinwies, sehr wahrscheinlich mit der wechselseitigen ursächlichen Verknüpfung 
von Geschwindigkeit, Wärmeführung und Oberflächentemperatur des Golfstromes 
einerseits und der Tiefe der barometrischen Minima bei Island und im Nordmeer 
andererseits zusammen. Ist die nordatlantische Luftzirkulation gesteigert, so be- 
wirkt die höhere Windgeschwindigkeit auch eine Beschleunigung der Meeres- 
strömung, da die Windrichtung im nördlichen Teile des Atlantischen Ozeans an- 
nähernd mit der Richtung des Golfstroms zusammenfällt. Durch eine Erhöhung 
der Geschwindigkeit des Golfstroms bzw. seiner Verlängerung, der Golfstromdrift, 
wird aber die Wärmezufuhr aus niederen Breiten vermehrt, es entsteht eine posi- 
tive Temperaturabweichung sowohl des Wassers als der Luft und dadurch eine 
Vertiefung der Luftdruckfurche von Island über das Nordmeer hin. Dadurch 
werden wiederum das südnördliche Luftdruckgefälle und die Windgeschwindigkeit 
zesteigert. Daß trotz dieses Systems von sich selbst zirkelartig steigernden Vor- 
gängen die Erhaltungsneigung der Stärke der nordatlantischen Luftzirkulation 
nicht‘ größer ist, als es die vorstehenden Untersuchungen gezeigt haben, ist 
ein Beweis dafür, daß der Umschlag von positiven zu negativen Abweichungen 
der Zirkulation und umgekehrt nicht allein unter der Einwirkung hydrologischer, 
sondern auch unter der meteorologischer (atmosphärischer) Einflüsse erfolgt. 
Eine wesentliche hydrologische Einwirkung besteht vermutlich darin, daß 
durch eine Vertiefung des isländischen Minimums nicht nur die südwestlichen 
Winde über dem Golfstrom und dessen Geschwindigkeit gesteigert werden, son- 
dern daß dadurch auch die Geschwindigkeit der nordwestlichen Winde längs der 
Labradorküste und damit auch des Labradorstromes erhöht wird. Dies wird nament- 
lich im Winter der Fall sein, in welcher Jahreszeit die Isobaren in der Davis- 
straße im Mittel der Labradorküste gerade parallel laufen?). Es erscheint wohl 
möglich, daß eine Beschleunigung des Labradorstroms dem Golfstrom, auf den er 
5stlich Neufundland stößt, eine negative Temperaturabweichung sowie auch eine 
kleine Richtungsänderung im Sinne einer Verkleinerung der Süd-Nord-Komponente 
gibt. In Anbetracht der Geschwindigkeitsverhältnisse des Golfstroms kann aber 
diese Einwirkung im Nordmeer (zwischen Island und Norwegen) nicht vor 7 bis 
ıy v. Mises a. a. 0. S. 306. 
3 Vgl. die Luftdruckkarten in H. v. Elsner: Die Verteilung des Luftdrucks über Europa und 
dem Nordatlantischen Ozean (Veröffent}, d. Preuß, Meteorol, Inst. Nr. 326).
	        
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