304 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1926.
vorherrschenden südlichen Winde das Eis seewärts treiben, während nördliche
Winde in der Danziger Bucht schwere, den Schiffen hinderliche Eisstauungen
verursachen,
Verfolgt man die Eisverhältnisse an den weiter westlich gelegenen Hafen-
und Küstenplätzen der Ostseeküste, so treten die im Frischen Haff beobachteten
Erscheinungen, wenn auch in geringerem Maße, in den Haffen vor Stettin und
in den Gewässern in der südlichen Umgebung von Rügen, zutage. Als sehr
günstig fallen die für die Küste von Schleswig-Holstein eingetragenen Tabellen-
werte auf, sie stimmen auch in diesem Winter mit den an dieser Küste bisher
beobachteten geringen Durchschnittswerten überein,
Die Stärke des Eises betrug im Königsberger Seekanal im Dezember 1925
bis zu 15, im Januar und Februar bis zu 25 em, in der Mitte des Frischen Haffs
etwa 35 om,
” Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Eisbehinderung für die Schiff-
fahrt in den Gewässern der südlichen Ostsee in mäßigen Grenzen blieb,
Statistische Untersuchungen über Auswirkungen und Bedingungen
der großen Störungen der allgemeinen atmosphärischen Zirkulation. IV.
Von Franz Baur,
(Hierzu Tafel 19 bis 21.)
8 6. Der Einfluß der Luftmassenverteilung über der Nordhalbkugel auf die Intensität
der nordatlantischen Luftzirkulation.
Die Tabellen 1 und 12 dieser Untersuchungen!) lehren, daß die „Erhaltungs-
neigung“ der Intensität der atmosphärischen Zirkulation über dem nördlichen
Atlantischen Ozean nicht sehr groß ist, wenn man die Durchschnittswerte der
Intensität über Monate betrachtet, Im 30jährigen Zeitraum 1874/1903 ist der
durchschnittliche Kkf, der Luftdruckmittel aufeinanderfolgender Monate in Ponta
Delgada nur + 0.129, der durchschniftliche Kkf. des Monatsmittels des Luftdrucks
von Ponta Delgada mit dem des Folgemonats in Stykkisholm sogar nur — 0.053.
Damit stimmt gut überein, daß nach Tabelle 12 der durchschnittliche Kkf, der
Mittelwerte der Luftdruckdifferenz Ponta Delgada—Island zweier aufeinander.
folgender Monate im 50jährigen Zeitraum nur + 0,114 beträgt. Eine stärkere
Erhaltungsneigung der (durch diese Luftdruckdifferenz gemessenen) nordatlan-
tischen Luiftzirkulation ist nur vom November zum Dezember und vom Dezember
zum Januar vorhanden, also in dem Jahresabschnitt, in welchem nördlich des
70. Breitengrades die Sonne dauernd unter dem Horizont bleibt.
Auch die Betrachtung der Aufeinanderfolge der Vorzeichen der Ab-
weichungen vom normalen Luftdruckgefälle Ponta Delgada-——Island führt zu dem
Ergebnis, daß zwar gewisse Gruppen von längeren Wiederholungsfolgen häufiger,
kurze „Iterationen“ dagegen seltener vorkommen, als dies nach der Wahrschein-
lichkeitsrechnung bei rein „zufälliger“ Anordnung der Zeichenfolgen der Fall sein
müßte, daß aber von einer sehr bedeutenden Erhaltungsneigung des Sinnes der
Abweichungen nicht gesprochen werden kann, Die Theorie?) ergibt als „Erwar-
tungszahl“ a der Iterationen von der Länge m
% — 1 (p’q0 + pRq°),
wobei n die Gesamtzahl der Elemente, p und q die Grundwahrscheinlichkeiten
des Auftretens der beiden Alternativvorgänge (in unserem Falle: positive oder
negative Abweichung) bedeuten. Wir zählen n von Mai 1874 an bis einschl. Mai
1923, da sich mangels Verfügbarkeit von Beobachtungen aus den Jahren 18738
und 1924 nicht entscheiden läßt, ob die positiven Folgen Januar— April 1874 und
Juni-—Dezember 1923 vollständig oder Teile längerer Iterationen sind. Da .die
Theorie von zyklisch angeordneten Ergebnisreihen (+ und — Folgen) ausgeht,
4 Ann. d. Hydr. usw. 1925 8. 5 und 1926 8, 228.
3 Vgl. R. v,, Mises, Das Problem der Iterationen, Zeitschr, £ angew, Math. u, Mech, 1921 S, 303,